Ihr Blick ist leer und hoffnungslos – das Leben in Kara Tepe

geschrieben von Anna Stockheim

Es ist früh am Morgen und die ersten Menschen werden wach. Eine Frau sitzt bereits auf einem Felsen, den Blick in die Ferne gerichtet, im Hintergrund schwappen die Wellen gegen die kalten Steine. Ein idyllisches Bild, beinahe wie aus der letzten Urlaubsreise in Griechenland. Doch der Blick der Frau ist leer, hoffnungslos und ihre Augen sind auch nicht auf eine strahlende Hotelanlage, sondern auf weiße Zelte gerichtet. Kara Tepe – das neue Moria, nur schlimmer. 

Der Name der Frau auf dem Bild ist Mahnaz, sie ist tatsächlich in Griechenland, aber ihre Reise ist definitiv kein Urlaub. Die Afghanin sehnte sich nach einem besseren Leben für sich und ihre Familie, ohne den Schrecken des Krieges, floh aus ihrem Heimatland und steckt nun im Zeltlager Kara Tepe fest.

Nachdem das Flüchtlingslager Moria vor gut drei Monaten abbrannte, wurden neue Unterkünfte für die Menschen geschaffen. Eine davon ist Kara Tepe, ein Zeltlager in dem aktuell circa 7260 Geflüchtete leben – oder eher überleben. Die Bedingungen sind beinahe menschenunwürdig: Es gibt keine Heizungen in den dünnen Zelten und keinen Schutz vor Regenfluten, Der Zugang zu Strom, Lebensmitteln und Wasser ist streng geregelt. Ein Beispiel: Jede Person bekommt eine Duschkarte pro Woche. Diese Karte können etwa Frauen jedoch nur an drei Tagen die Woche, von 11:30-14:00 Uhr einlösen, egal ob sie gerade ihre Periode, ein Kind geboren oder sich schwer angestrengt haben. 15 Minuten wöchentlich – das wars. JournalistInnen bekommen nur mit Ausnahmeregelungen Zugang und nun gibt es angeblich ein neues Gesetzt, dass keine Fotos aus dem Camp veröffentlicht werden dürfen. Das nehmen einige Geflüchtete jedoch nicht hin. Mit Amir, einem dieser Bewohner Kara Tepes, haben wir mit Hilfe des Projektes „now_you_see_me_moria“ zusammengearbeitet, um euch drei Frauen aus dem Camp vorstellen zu können. Dieses Projekt zeigt auf dem dazugehörigen Instagram Account den Alltag der Geflüchteten. Wir beginnen mit Mahnaz.

Liebe Mahnaz, erzähl uns kurz von dir.

Mein Name ist Mahnaz, ich bin 31 Jahre alt und komme ursprünglich aus Afghanistan. Mein Mann Vahid und unsere vier Kinder sind hier mit mir im Camp.

Wie geht es dir momentan und welches Land war euer Ziel?

Mir geht es nicht so gut. Wir sind nach Europa gekommen und wollten gern in Deutschland leben, doch nun kommen wir hier nicht weg.

Wieso hattet ihr euch entschieden, Afghanistan zu verlassen?

Ich habe das Land für meine Kinder verlassen, weil ich nicht wollte, dass sie Analphabeten werden, so wie ich es bin. Sie sollten es besser haben und zur Schule gehen. Meine Kinder sollen die Möglichkeit haben, zu studieren und in Zukunft für sich selbst sorgen zu können und für die Gesellschaft nützlich zu sein.

Gibt es im Camp eine Art Kindergarten oder Schule?

Nein, hier gibt es keinen Ort für Bildung, keine einzige Möglichkeit für unsere Kinder, etwas zu lernen.

Wie ist das Leben im Camp für eure Kinder?

Meine Kinder sind weit entfernt davon, an einem Ort zu sein, der die Menschenwürde schützt. Hier gibt es keine normalen Lebensbedingungen für ein Kind und ich will mir nicht vorstellen, wie es in einem Jahr aussieht.

Hast du einen Vorschlag, wie die Situation für Frauen und Kinder in Kara Tepe verbessert werden kann?

Das Leben hier ist nicht lebenswert und wird es wahrscheinlich auch nicht werden. Mein Vorschlag ist, dass das Schicksal der Migranten, unser Schicksal, sehr bald und genauer bekannt sein sollte und dass wir unser leidendes Leben nicht länger in diesen Konzentrationslagern verbringen müssen.

Was wünschst du dir für das nächste Jahr?

Ich möchte, dass Corona endlich verschwindet und wir in Deutschland leben können. 

Wie sieht dein Traum vom Leben in Deutschland aus?

Ich möchte mich gern weiterbilden, einfach meine Ausbildung fortsetzen und eine nützliche und erfolgreich ausgebildete Familie haben. Doch mein größter Wunsch ist, eine glänzende Zukunft für meine süßen Kinder und ein ruhiges Leben mit meiner Familie, ohne Angst und Panik.

Foto und Instagramkanal bei: Amir Hussainzada

Autor: mamaaempf

Mamaaempf ist ein Familienblog aus Hamburg. Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude. Zwischen Frau sein, Familienglück und Nervenzusammenbrüchen.

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