Sie war COVID-19 positiv und ist innerhalb von drei Tagen gestorben

Es ist ein neues Virus und wir wissen alle nicht so wirklich, wie es weitergeht. Viele Fragezeichen stehen uns ins Gesicht geschrieben, aber ebenso (bei den allermeisten) auch ein großes Ausrufezeichen. Corona gibt es! Natürlich! Es ist allgegenwärtig und so langsam kennt jeder jemanden, der erkrankt war oder ist. Was wir auch wissen, ist, dass es verschieden schlimme Verläufe gibt. Wie es uns mit Corona ergehen kann, habe ich verschiedene Personen gefragt, die alle diese Woche zu Wort kommen werden.

Justine – Schleswig Holstein


Wo hat sich deine Oma angesteckt? 

Meine Oma hat sich bei ihrer Pflegekraft angesteckt.

Hätte man eine Ansteckung verhindern können? 

Meine Oma hat nie einen Mundschutz getragen, während die Pflegekräfte da waren. Das Pflegepersonal schon. Meiner Meinung nach hätte sie auch jedes Mal einen tragen müssen. Dazu muss man sagen, sie haben meiner Oma beim An- und Ausziehen geholfen und ihre Wunden versorgt, sowie sie gewaschen. Also Abstandhalten ging dabei einfach nicht. 

Durftet ihr noch zu eurer Oma, oder war ein Kontakt (natürlich ausreichend geschützt) im Krankenhaus nicht möglich? 

Nein, wir durften nicht mehr zu meiner Oma. Ich hatte den Sonntag, bevor sie ins Krankenhaus gekommen ist noch mit ihr telefoniert. Darüber bin ich sehr froh. Meine Tante (ihre Tochter) und mein Onkel durften mit Schutzkleidung noch einmal zu ihr und sich verabschieden. Sie mussten aber zusichern, das sie anschließend in Quarantäne gehen. Dazu muss ich sagen: nur sechs Krankenhäuser lassen dies zu in Deutschland. Meine Oma wurde mit allen Medikamenten versorgt, so hatte sie keine Schmerzen und konnte friedlich einschlafen. 

Durfte die Beerdigung deiner Oma unter normalen Umständen stattfinden? 

Normale Umstände gibt es wohl zurzeit einfach nicht. Sie musste verbrannt werden, aber das wollte sie zum Glück auch. Normalerweise werden Menschen, die im Krankenhaus sterben, oft obduziert, dies wurde sie nicht, da sie wussten, dass es Covid war. Es dürfen 16 Leute zur Trauerfeier kommen und es darf nicht gesungen werden. Zusätzlich müssen wir die ganze Zeit Mundschutz tragen und Abstandhalten. Menschen, die man sonst umarmt hätte, kann man jetzt nur traurig angucken. Die Trauerfeier findet an diesem Donnerstag statt. Heute darf ich das Grab aussuchen. Alles nicht so leicht.

Hat sich deine Meinung zu diesem Virus durch dieses tragische Erlebnis geändert? 

Verändert hat sich mein Denken nicht, aber mein Gefühl. Ich bin wütend, wütend auf die Menschen, die das Ganze nicht ernst nehmen. Wütend auf die, die leugnen. Wütend auf die Menschen, die meinen, zu mir zu sagen „Ja, deine Oma war ja auch krank, klar, dass sie daran stirbt“ oder auch „Sie ist nicht an, sondern mit Covid gestorben“. Oder auch die, die sagen „Ich kenne niemanden, der Covid hat oder hatte, also gibt es das nicht“. WACHT AUF!

Möchtest du noch etwas sagen?

Was ich sagen möchte, ist, dass meine Oma eine Kämpferin war. Sie war meine Heldin und eher meine Mama! Sie hat die Tuberkulose überlebt, sowie 30 Jahre gegen den Krebs gekämpft und gewonnen und zwei Lungenembolien überlebt! Und dann kommt Corona und sie war innerhalb von drei Tagen tot. 

Sie könnte heute noch in ihrem Sessel sitzen und mit meiner Tochter spielen und lachen. 

Autor: mamaaempf

Mamaaempf ist ein Familienblog aus Hamburg. Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude. Zwischen Frau sein, Familienglück und Nervenzusammenbrüchen.

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