„Du wirst es überleben“

geschrieben von Anna Stockheim

Eine Geburt wird das Schlimmste sein, was du je erlebst. Du wirst in ein Krankenhaus gehen und unter Schmerzen wortwörtlich entbunden – geht nicht anders, wurde ja auch schon immer so gemacht. Oder doch nicht?

Katharina hat ihre Kinder zwar auch in einem Krankenhaus, aber unter komplett anderen Umständen zur Welt gebracht. Obwohl sie während ihrer Schwangerschaft nur solche Horrorgeschichten erzählt bekam, konnte sich die junge Frau nicht vorstellen, dass jede Geburt so sein muss.

Die werdende Mutter suchte nach Alternativen und kam so zum HypnoBirthing. HypnoBirthing ist ein Programm zur Geburtsvorbereitung für werdende Mütter und ihre GeburtsbegleiterInnen. Mit Hilfe von Atem- und Entspannungstechniken sowie Hypnosen soll eine natürliche und angstfreie Geburt möglich sein.

Liebe Katharina, bitte erzähl uns ein wenig von dir.

Mein Name ist Katharina, ich bin 26 Jahre alt und wohne mit meiner Familie in einer kleinen Stadt in Oberösterreich. Mein Mann, unsere beiden Kinder und ich genießen die ländliche Umgebung hier sehr. Rund um unser Haus gibt es viel Grün und wir gehen oft spazieren. Meine zwei Mädchen sind mittlerweile schon viereinhalb und bald ein Jahr alt.

Das Durchschnittsalter einer Erstgebärenden liegt in Deutschland bei 29,6 Jahren. Mit 21 Jahren warst du bei der Geburt deines ersten Kindes vergleichsweise jung.

Ich bin darüber sehr froh, dass ich meine erste Tochter so jung bekommen habe. Direkt nach der Matura, das ist mit dem deutschen Abitur vergleichbar, habe ich einen Job im Büro angenommen, bin aber relativ schnell schwanger geworden. Ich war mit meinem Mann, der damals noch mein Freund war, schon lange zusammen und das Kind war unsere gemeinsame Entscheidung. Wir sind beide Familienmenschen und deshalb wussten wir, dass wir Kinder wollen.

Wie hast du dir deine erste Geburt vorgestellt?

Meine Vorstellung von meiner ersten Geburt war damals mit 21 vielleicht etwas unbeschwert, in dem Sinne, dass ich erst einmal keine genaue hatte. Ich kannte bloß die Horrorgeschichten von Bekannten. Jeder sagte nur: „Fürchte dich nicht. Es geht schnell vorbei. Du wirst es überleben.“ Nach diesen Anekdoten dachte ich mir: „Das kann es nicht sein! Ich bringe ein Kind zur Welt, das ist wohl das Schönste was es gibt.“ Daher habe ich mich nicht in die Horrorgeschichten reingesteigert, sondern nach Alternativen gesucht.

Ich begab mich ein bisschen auf die Suche nach schönen Geburtsgeschichten. Dann hat mir jemand ein Buch von Marie Mongan in die Hand gedrückt, ich solle mir das durchlesen, HypnoBirthing sei super. Ich dachte mir: „Was, Hypnobirthing?“ Davon hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Das war jedoch ein Schlüsselmoment, denn ich fing an, mich reinzulesen und fand die Bestätigung, dass Geburt eben nichts Schreckliches sein muss, sondern ein schönes Erlebnis sein kann.

So hatte ich HypnoBirthing entdeckt. Ich habe intensiv das Buch gelesen, zusätzlich immer wieder Meditationen bzw. die Hypnosen der Audiodateien gemacht und mich damit gut gefühlt.

Ich habe mich so auf unser Kind gefreut, dass ich mich auch auf die Geburt gefreut habe. Endlich unser Kind zu treffen, war meine größte Motivation. Für mich ist das auch der wesentliche Punkt: Wenn du dich auf ein Ereignis so freust, dann kann es nur gut werden.

Wie sah denn letztendlich deine Realität unter der Geburt aus?

Die Geburt begann um circa 17 Uhr mit dem Aufgehen der Fruchtblase und wir sind mit Wellen* ins Krankenhaus gefahren. Im Krankenhaus wurde ich super betreut, das Personal hat sehr Rücksicht genommen, meine Anliegen und Bedürfnisse geachtet und waren sehr nett. Ich habe die HypnoBirthing-Techniken super anwenden können und meine Tochter im Wasser zur Welt gebracht. Um 21 Uhr war sie schon da, also nach nur vier Stunden. Es war eine sehr leichte und tolle Geburt. Ich konnte ausgesprochen gut entspannen und es war genauso, wie ich mich darauf vorbereitet habe.

Natürlich war es dann auch bei der Geburt schon mal so, dass ich richtig durchschnaufen musste. Es gibt den ungewohnten Druck, den man vorher einfach so nicht kennt, doch wenn man sich darauf vorbereitet und damit beschäftigt, beispielsweise durch Hypnobirthing, weiß man auf solche Situation zu reagieren. Dieser Druck muss eben nicht als Schmerz empfunden werden, sondern kann als Vorfreude auf das Kind gesehen werden.

Wie hat das Krankenhauspersonal darauf reagiert?

Die Ärzte und Hebammen waren ganz erstaunt, dass ich so eine entspannte Geburt habe. Die beiden haben währenddessen gesagt: „Hier sind ganz schöne Wellen im CTG zu sehen, geht es Ihnen gut?“ Ich konnte ehrlich erwidern: „Ja, danke, mir geht es gut. Ich freue mich, dass unser Kind bald da ist.“ Ich hatte keine PDA, keine Hilfsmittel, sondern habe mich wirklich voll und ganz auf HypnoBirthing konzentriert und konnte gut mit den Wellen mitatmen. Ich habe mich einfach immer nach dem Moment gesehnt, wo ich unsere Tochter endlich in meinen Armen halten kann.

Wie würdest du deine Geburt beschreiben?

Es war ein tolles Erlebnis, an dass ich mich gerne zurückerinnre. Mein Mann hat gesagt: „Du warst wie in einer anderen Welt.“ Ich war wirklich ganz bei mir, das Krankenhauspersonal, die Hebammen, die Ärzte ließen mich meine HypnoBirthing Geburt machen. Ehrlich gesagt wussten sie ja nicht einmal, dass ich HypnoBirthing anwende, ich habe es nicht extra erwähnt, sondern einfach für mich getan. Wir hatten generell keinen Geburtsplan, weil ich mich nicht zu sehr versteifen wollte und war offen für alle Möglichkeiten, die es so gibt.

Mein Vertrauen zum Klinikpersonal war stark, auch wenn Intervention gekommen wäre. Auch mein Geburtsbegleiter, also mein Mann, hat mich super unterstützt. Er hat mir immer wieder was zu trinken gegeben. Ich würde sagen, eine Geburt ist ein Teamwork – alle haben mitgeholfen: das Baby, mein Mann, das Personal und ich.

Konntest du bei der Geburt deiner zweiten Tochter alles wieder genauso umsetzten?

Für mich war klar, dass die zweite Geburt auch ein HypnoBirthing-Geburt sein soll und habe sehr darauf gehofft, dass es wieder so schön wird, hatte aber auch Bedenken. In der Zwischenzeit hatte ich eine Ausbildung zur diplomierten Mentaltrainerin gemacht und dadurch in Verbindung mit HypnoBirthing noch mal mehr Werkzeug an der Hand. Eigentlich habe ich mich insgesamt wieder genauso vorbereitet, wie bei der ersten Geburt: negative Geschichten so gut wie es geht vermeiden und mein HypnoBirthing-Buch lesen.

Die Geburt selbst war dann Gott sei Dank sehr ähnlich der ersten, diesmal ist allerdings meine Fruchtblase nicht aufgegangen, und ich hatte gefühlt einen Monat lang immer abends schon Wellen, teilweise sogar so, dass wir dachten, es geht los. Als es dann wirklich soweit war, merkte ich es gleich: Ich hatte dann tatsächlich so um 19:30 Uhr Wellen, die ich gut veratmen konnte, aber wusste, dass wir los fahren sollten. Wir sind dann ins Krankenhaus und im Endeffekt war sie dann nach eineinhalb Stunden um 21 Uhr da. Das ging sehr rasch, vielleicht etwas zu rasch. Mein Mann wusste auch schon, was passiert und hat mich dann noch gefragt, ob ich etwas trinken will und ich sagte: „Nein, das brauche ich nicht mehr. Das war wieder ein schönes Zusammenspiel und eine Wassergeburt, sehr ähnlich wie bei der ersten Geburt. Es ging allerdings diesmal doch etwas sehr schnell. Alles, was fürs Baby und für mich schon etwas aufgearbeitet werden musste, weil ich fast gar keine Zeit hatte, die Geburt zu realisieren oder wahrzunehmen. Trotzdem war ich sehr entspannt und es war eine schöne Erfahrung.

Wie haben dich deine Geburtserfahrungen beeinflusst?

Sie haben mich sehr beeinflusst, weil ich mich mit dem auseinandersetzt und wahrgenommen habe, was meine Mutter für mich getan hat. Was Geburt heißt, ein Kind auf die Welt zu bringen, das hat mich nochmal ein Stück sensibler gemacht und auch bewusster für das Leben. Wir sind so dankbar für das Leben und einfach froh und fasziniert von der Natur, von meinem Körper und was er leisten kann.

Auch gegenüber meinem Körper hat sich einiges geändert, ich bin sehr dankbar für das, was er leistet und weiß viel mehr, zu was er imstande ist. Natürlich hat sich auch mein Körper nach der Geburt verändert, es ist nicht mehr alles ganz so straff, es ist einfach alles anders. Auch mit meinem Partner hat es mich noch mehr zusammengeschweißt. Er war bei der Geburt dabei, wir haben das Erlebnis als Familie geteilt.

Außerdem hat es mich dahingehend beeinflusst, dass ich nach der zweiten Geburt noch mehr davon erzählen wollte, von meiner schönen Geburt. Ich wollte nicht missionieren, nicht herum prahlen, sondern einfach sensibilisieren, dass Geburt etwas Schönes ist, von der Natur bedacht und gemacht ist und vor allem etwas Natürliches. Das möchte ich immer mehr erzählen und wurde auch immer mehr von Freundinnen, Bekannten und in Yogakursen danach gefragt: „Wie hast du das beim ersten Kind gemacht? Wie geht das? Hast du das beim zweiten wieder so gemacht?“ Es wurden einfach viele Menschen neugierig und es wäre schade, wenn ich das Wissen nicht weitergeben könnte. So habe ich dann die Ausbildung zur HypnoBirthing-Kursleiterin gemacht und begleite jetzt Paare dabei, sich mit Hypnobirthing für eine Geburt vorzubereiten, so dass sie auch ein so ein schönes Erlebnis haben können. Ich finde es schön, so informiert zu sein, dass ich es nicht nur als Freundin erzähle, sondern es auch anderen bekannten Personen oder auch mir nicht bekannten Personen weitergeben kann. Das hat mich natürlich umso mehr beeinflusst, wenn man dann noch beruflich seine Leidenschaft weitergeben kann.

*HypnoBirthing benutzt eine sanfte Sprache, so dass beispielweise „Wehen“ durch „Wellen“ ersetzt wird, oder die Fruchtblase „platzt“ mit „geht auf“.

Autor: mamaaempf

Mamaaempf ist ein Familienblog aus Hamburg. Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude. Zwischen Frau sein, Familienglück und Nervenzusammenbrüchen.

Ein Gedanke zu „„Du wirst es überleben““

  1. Das klingt sehr spannend. Schade, dass meine Geburten schon vorbei sind, Hypobirthing klingt doch tatsächlich sehr interessant und das würde ich nachträglich gern ausprobieren.^^ Ich habe beide Geburten als sehr lang und extrem schmerzhaft empfunden, hatte dann aber zum Glück durch die PDAs Entlastung, was für mich gut gepasst hat. Alternative Wege finde ich dennoch ausprobierenswert.

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