Geburtsbericht III – Auf das Wunder des Lebens!

20 Uhr. Im Kreißsaal angekommen, fühlte ich mich total komisch, denn ich hatte keine großartigen Wehen, mir ging es so gut, dass ich mich ärgerte kein Buch mitgenommen zu haben und wusste nicht wirklich, was ich jetzt machen soll. Links und rechts neben mir hörte ich Frauen ihre Wehen vertönen und ich… ich saß mit Hörby im Kreißsaal Nr.6 und drehte Däumchen.

Doch dann öffnete sich die Tür und ich wusste ab dem Moment, in dem ich unsere Hebamme Hanna das erste Mal sah, dass das heute gut werden wird. Hanna kam auf mich zu, stellte sich vor und besprach mit uns, wie wir nun vorgehen werden. Alles in einem „was möchtest du machen?“-Ton und ohne irgendwelche Anweisungen. Ich fühlte mich sofort gut aufgehoben und sehr wohl. Wir besprachen, dass ich noch eine Stunde spazieren gehen werde und wir dann mal schauen. Gesagt, getan. Hörby und ich liefen eine weitere Stunde jeden Flur des Krankenhauses rauf und runter bis ich merkte, dass ich ein wenig Blut verlor. Okay, es geht voran. Wieder im Kreißsaal angekommen, empfang mich die Ärztin, die ebenso sympathisch wie die Hebamme war. Sie schnackte mit mir ganz entspannt über Gott und die Welt, die Geburt meiner Tochter Alma und meine Wünsche für die jetzige Geburt. Ich erzählte ihr, dass ich Sorge vor zu viel Manipulation durch Medikamente habe und gerne bei mir bleiben möchte. Dass wir hier keine schnelle Nummer brauchen und sie alle weiteren Eingriffe – wenn denn nötig ­– immer mit dem Hintergedanken wählen soll, dass ich nicht „weggeschossen“ werden möchte. Also schlug sie mir vor, dass wir mit einem ganz leichten Wehentropf meine Wehen – die trotz immer weiter aufgehendem Muttermund – nicht einsetzten, beschleunigen können und ihn aber jederzeit abstellen würde, sobald ich sage, dass es mir zu viel wird. Sie gab mir ein gutes Gefühl und ich stimmte dem Vorhaben zu. Also legte ich mich bequem aufs Bett, machte meine Playlist an, schloss die Augen und entspannte auf der Seite liegend. Ich atmete zu meinem Baby und ließ den Wehentropf in meine Ader fließen. Schon nach wenigen Minuten kam die erste richtige Wehe, die langsam angerollt kam,  mit dem Lied in meinen Ohren ihren Höhepunkt erreichte und wieder abflachte. Ich atmete – wie beim HypnoBirthing gelernt – und versuchte meinen Körper arbeiten zu lassen. Wir hatten 22 Uhr als ich die erste Wehe spürte und eine ganze Stunde lag ich dort und genoss es fast, dass es nun endlich los geht. Um 23 Uhr schauten die Ärztin und die Hebamme wieder nach mir und untersuchten mich. Es ging gut voran und die Ärztin sagte gleich, dass sie vermutet, dass ich schon bald mein Baby im Arm halten werde. Für mich noch unvorstellbar, dass es nur noch wenige Stunden dauern soll, bis der Kampf endlich geschafft ist und ich mein Kind im Arm halten werde. Ich sagte der Hebamme in dem Zuge, dass ich übrigens einer PDA aufgeschlossen wäre und gerne den Moment wissen möchte, wann ich sie setzen lassen müsste, bevor es zu spät ist. Dass dieser Moment jetzt sein würde, hätte ich nicht gedacht und musste echt ein wenig überlegen, ob ich sie wirklich brauchen würde, da die Schmerzen bis jetzt total auszuhalten waren. Doch ich entschied mich dafür, da ich Angst hatte, es sonst später zu bereuen. Ich sagte Hanna, unserer Hebamme, dass ich dann gerne eine hätte und sie klärte alles für mich ab. Wenige Minuten später war ich froh über meine Entscheidung, dass ich ganz bald eine PDA bekommen würde, der Anästhesist war schon auf dem Weg zu mir. Denn plötzlich überkamen mich die Wehen und wurden immer stärker. Meine Hypnosen, die ich anstatt meiner Playlist vor einiger Zeit angemacht hatte, musste ich ausmachen und auch das Liegen fiel mir schwer, weswegen ich mich immer mal wieder von rechts nach links drehte. Mir war furchtbar kalt und ich merkte, dass auf einmal mein Kreislauf zusammenklappte. Von jetzt auf gleich wurde es also ungemütlich und ich hielt mich mit dem Gedanken, dass mich gleich die PDA befreit, aufrecht. Als der Anästhesist anfing die PDA zu legen, merkte ich schon, dass ich in den Wehenpausen immer kurz wegnickte und wenige Sekunden schlief, die sich sobald ich durch die nächste Wehe wieder aufwachte, anfühlten wie Stunden. Mein Körper arbeitete mal wieder zu schnell und allen war klar, dass das nicht mehr lange dauern wird. Es muss schon nach Mitternacht gewesen sein, als die PDA gesetzt war und… die Wirkung ausblieb. Schon wieder. Denn bei Alma war es das gleiche, jedoch hatten wir da noch Zeit eine zweite zu legen, die mich bei Alma komplett lähmte. Dieses Mal gab es diese Möglichkeit nicht, denn ich merkte eine halbe Stunde später, dass ich pressen muss. Doch ich durfte nicht. Noch nicht, denn mein Muttermund war noch nicht komplett offen. Wir waren erst bei 8 cm. Es ging aber nicht anders. Ich konnte es nicht kontrollieren und habe nur noch probiert, anstatt zu Pressen zu Atmen und damit zu Schieben. So wie ich es im HypnoBirthing gelernt hatte. Die Hebamme probierte mich noch zu bremsen, da sah sie auf einmal, dass der Muttermund doch auf war und mein Baby jetzt auf die Welt kommen wird. Sie rief im letzten Moment die Ärztin, die, so erzählte es mir Hörby im Nachhinein, nur enttäuscht in der Tür stand und rief: „Na jetzt bin ich aber beleidigt, ich wollte doch dabei sein!“, denn genau in diesem Moment erblickte Bruno das Licht der Welt. Ich kann mich nicht mehr genau an diese letzten Minuten erinnern, nur noch daran, dass es unglaublich weh getan hat und trotzdem überhaupt nicht schlimm war. Denn ich wusste, dass es gut ist, was da gerade passiert. Ich wusste, dass ich und mein Baby gerade zusammenarbeiten. Dass wir in wenigen Minuten zusammen sein werden. Und dann war der da. 

Dieser Augenblick war unwirklich. Ich fühlte mich, als würde ich die Situation von außen betrachten. Ich war so unglaublich erschöpft, dass ich kaum die Arme hochnehmen konnte und sofort so unglaublich erleichtert, wie noch nie in meinem ganzen Leben. In dem Moment, in dem ich Bruno das erste Mal habe schreien hören, verlor ich nicht nur das Gewicht meines Bauches, sondern gefühlt fielen 10 Kilo Sorgen von meinem Herzen. Ich konnte das erste Mal wieder richtig atmen. Mein Kind war geboren und es schrie. Es war gesund und lag nun auf meiner Brust. Nass, warm und umklammerte mich. Ich konnte ihn endlich sehen, ihn anfassen und ihm sagen, dass ich da bin. Dieser Moment gab mir aber noch so viel mehr. Er gab mir das Vertrauen in das Leben wieder, was ich die ganzen Monate davor versuchte zu erlangen. In dem Moment, in dem Bruno auf mir lag, war mir wieder klar: alles wird gut.

Um 1:09 Uhr kam er an. Nach nur drei Stunden Arbeit. Eine Geburt, die nicht schmerzfrei war, die sogar wirklich schmerzhafte Spitzen hatte und trotzdem schön war. Eine Geburt, in der ich zum Ende den magischen Satz „ich kann nicht mehr“ sagte, mit dem Wissen, dass ich noch kann. Eine Geburt, die mir deutlich machte, dass eine Einleitung auch wirklich gut verlaufen kann. Eine Geburt, in der ich merkte, dass die richtigen Menschen um einen herum alles so viel leichter machen. Eine Geburt, die mir durch HypnoBirthing sehr viel leichter gefallen ist, auch, wenn ich alles nur im Ansatz anwenden konnte. Eine Geburt, die mir auch deutlich machte, dass ich mir nie wieder eine PDA setzen lassen werde. Eine Geburt, die problemlos verlief. Eine Geburt, die ich im Herzen trage, denn trotz kleinen Wehwechen, trotz der Schnelle, trotz der PDA, die komplett unnötig war und trotz meines Kreislaufs, der immer wieder kurz wegknickte, war es eine unglaubliche, kraftvolle, intensive, wunderschöne Erfahrung. Ein Wunder. Der Beginn des Lebens. Eine Erfahrung, die ich bewusst erlebt habe, die mich stärker machte und die ich wieder machen wollen würde. Ich freue mich für mich selber, dass ich diesen Text so abschließen kann.

Auf das Wunder des Lebens!

 

Autor: mamaaempf

Mamaaempf ist ein Familienblog aus Hamburg. Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude. Zwischen Frau sein, Familienglück und Nervenzusammenbrüchen.

4 Kommentare zu „Geburtsbericht III – Auf das Wunder des Lebens!“

  1. So schön. Habe ein wenig geweint. Es ist einfach immer wieder so ein Wunder der Natur. Wenn ich nicht schon 42 wäre, würde ich noch ein drittes haben wollen 🥰

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  2. Wunderschön geschrieben. Ich habe mich direkt wieder in den Kreißsaal zurück versetzt gefühlt bei der Geburt meines Sohnes 🙏🏻💙
    Von Herzen alles liebe Euch 🧡

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