Gib mir was Konkretes. Ein „Ja“ oder „Nein“.

Lieber Exfreund, lieber Exgeliebter, lieber Mann, der mir mal etwas bedeutet hat, 

dieser Brief geht an dich. Nicht, weil ich an dich denke, viel mehr, weil ich es nicht tue. Denn diese Jahre, in denen ich versucht habe, zu finden, was ich gefunden habe, sind längst vergessen. Sie beschäftigen mich nicht (mehr). Doch letztens, da hörte ich im Radio ein Lied. Der Herr, der dieses  sang, nennt sich Bendzko, Tim Bendzko, und er sagte erstaunlicherweise so vieles, was auch ich – mit einigen Jahren Abstand – bejahen kann.  

Also möchte ich heute aufschreiben, wie verletzend doch die Zeit war, in der ein „vielleicht“ ausreichte. Ein vielleicht oder vielleicht auch nicht. Über das „die deine sein“ oder auch nicht. Über das zusammen erleben wollen und doch alleine scheitern. Über das teilen wollen, aber nicht entscheiden können.

Ich habe schon immer gewusst, dass es da draußen einen richtigen Partner für mich gibt. Es war mir klar, dass es doch ein Match geben muss. Ich weiß nicht, ob ich es mir so sehr gewünscht habe, weil ich als Kind nicht erlebt habe, dass es das wirklich gibt. Wahrscheinlich war es eher ein Wunsch, eine Traumvorstellung, der ich nachgehen wollte. Werden uns doch tagtäglich Liebesgeschichten erzählt – in Filmen, Songs oder Büchern. Dann muss da doch was dran sein. 

Einmal sagte ein Kumpel von mir, dass er schon versteht, warum ich unbedingt die Liebe suche. Ich würde sie ja quasi aufsaugen mit meinen schnulzigen Playlisten und den Liebesfilmen, die ich so gerne schaute. Und recht hatte er damit. Jemanden zu finden, der „ja“ zu einem sagt, war wohl das, was ich mir sehr wünschte. Vielleicht um Betätigung zu bekommen, doch viel mehr, weil ich daran glaubte, dass ein Leben zu zweit schöner ist als eins alleine. 

Also suchte ich nach dem richtigen Partner. Suchte an den falschen Orten. Oh Mann… lieber Mann, der mir mal was bedeutet hat – heute weiß ich auch, dass das mit uns niemals hätte funktionieren können. Doch du hast mich gereizt. Ich mochte es, dieses Spiel. Zu jagen, zu bekommen… doch bis zum fallen gelassen werden hatte ich es mir nie ausgemalt. Bis ich dann am Boden lag. Des Öfteren sogar und das nicht, weil ich verlassen wurde, sondern, weil ein „vielleicht“ immer einfacher war als ein „ja“ oder „nein“. Ein Verlassen wurde selten konkret ausgesprochen, viel mehr hat man sich distanziert. Sich nicht mehr getroffen. Viel mehr hat man gemerkt, dass das „nicht sprechen“ einfacher ist, als es zu tun. Wenn man sich jetzt auf der Straße sieht, sagt man Hallo, zu wichtigen Ereignissen gibt es auch mal eine kurze Nachricht, aber wir finden in unseren Leben nicht mehr statt. Gut so, denn ich brauche dich nicht, brauchte ich eigentlich noch nie, auch als ich mal dachte, dass ich es tue. Doch ein Mensch, der nur „vielleicht“ sagen kann, kann nicht der richtige Mensch für mich sein. 

Heute weiß ich, was ich meiner Tochter raten werde, wenn sie das erste Mal mit Liebeskummer vor mir steht. Ich werde ihr sagen, dass nur ein Mann, der von Anfang an „ja“ schreit, den man nicht bekehren muss, den man nicht überreden muss, ein Mann, der nicht wartet, ob der andere zurückschreibt, einen Mann, der, wenn er deine Nummer hat, nicht am Telefon fragt, wer denn gerade dran ist, ein Mann, der dich machen lässt ohne zu fragen, was du machst, am Ende aber fragt, ob du Spaß hattest – dass nur so ein Mann der richtige Mann sein kann. 

Ich wollte immer das Gegenteil. Wollte immer gewinnen, habe mir Männer gesucht, die gar nicht passten – in vielerlei Hinsicht. Ich wollte mir etwas beweisen – und den Männern. Beweisen, dass ich nichts konkretes brauche – obwohl ich nicht mehr brauchte als das. Und bekommen habe ich ein „vielleicht“. Ein „lass es uns locker angehen“. Ich sagte: „Schalt‘ mich wieder ein, wenn du mich brauchst“. Ich zeigte so häufig: „Ich halt‘ das schon aus“, doch eigentlich war da ein großes Loch, dass ich versuchte, zu kompensieren. 

Also liebe Männer, ich gebe nicht euch die Schuld. Die Schuld für das Loch. Die Schuld, dass es nicht geklappt hat. Denn ich wäre nicht bereit gewesen für ein „ja“ … viel mehr für ein „nein“. Doch heute weiß ich, dass ein „vielleicht“ die schlimmste Antwort ist, die man bekommen kann, als Frau und als Mann.

Ich würde mir wünschen, dass ihr euch mehr traut. Traut die Wahrheit zu sagen und zu zeigen. Ich wünschte, dass ich meine Tochter niemals mit Liebeskummer in den Arm nehmen muss. Ich wünschte, dass ich einige Enttäuschungen in meinem Leben streichen könnte. Doch wie heißt es so schön: Ich lernte aus euch, aus meinen Erfahrungen, aus meinen Fehlern, aus euern Fehlern. Ich ließ los und wollte nur für mich sein. Hab verstanden, dass ich auf der Suche nach Liebe nicht fündig werde. Ich musste erstmal verstehen, wieso ich sie eigentlich suche. Bis ich sie auf Bali fand. Aber die Geschichte geht euch, Männer meines früheren Lebens, nichts an. Die hat mir der Mann geschenkt, der sofort – kompromisslos – „ja“ schrie.

 

Aus „Vielleicht“ von Tim Bendzko:

„Wir können gerne nochmal reden

Alles bis ins kleinste Detail auseinandernehmen

Du suchst ständig meine Nähe, aber bleibst auf Distanz

Es könnte dir ja irgendwo noch besser gehen

Probier’ dich ruhig aus

Schalt‘ mich wieder ein, wenn du mich brauchst

Ich halt‘ das schon aus

Gib mir was Konkretes, ein Ja oder Nein

Ja oder nein?

Ich hör‘ nur „Vielleicht“

Für immer vielleicht

Vielleicht, vielleicht

Für immer vielleicht

Vielleicht, vielleicht

All die schönen Pläne bleiben theoretisch

Weil’s so schön bequem ist

Und wenn ich dir im Weg bin, Karten auf den Tisch

Was ist das Problem? Ich versteh’s nicht

Ich breite dir den roten Teppich aus

Sag du mir, was du brauchst, denn die Ideen gehen mir aus

Gib mir was Konkretes, ein Ja oder Nein

Ja oder nein?

Ich hör‘ nur „Vielleicht“

Für immer vielleicht

Vielleicht, vielleicht

Für immer vielleicht

Vielleicht, vielleicht

Gib mir was Konkretes, ein Ja oder Nein

Ja oder nein? 

Vielleicht, vielleicht

Gib mir was Konkretes, ein Ja oder Nein

Ja oder nein? 

Vielleicht, vielleicht

Du bist dir ganz sicher

Du willst es vielleicht

Ich kann dir versichern

Dass das nicht reicht

Gib mir was Konkretes

Ein Ja oder Nein

Ja oder nein?“ 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

5 Kommentare zu „Gib mir was Konkretes. Ein „Ja“ oder „Nein“.“

  1. Und wenn man am Ende ganz unverhofft gefunden hat, was man eigentlich immer suchte, dann weiß man plötzlich, warum es all die Male davor mit den anderen nie klappen konnte. Dann erkennt man plötzlich all die Fehler davor, da man auch selbst gemacht hat. Und dass man sich nie hätte mit einem „vielleicht“ fürs Erste zufrieden geben dürfen. Leider ist man hinterher immer schlauer und ich glaube fest daran, dass ich all die „Fehltritte“ bräuchte, um meinen Mann, mein bedingungsloses „Ja!“ von Anfang an zu erkennen.

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  2. Was für ein wunderbarer Text, so ehrlich so nah…. man erkennt sich selbst, die Suche nach dem Ja ohne nur eine Sekunde darüber nach zu denken.
    Wann ist es dafür zu spät, um dem „Ja“ eine Chance zu geben einen zu finden.
    Mittlerweile hängt am vielleicht so viel dran….

    Ich danke Die für die tollen Worte ❤❤❤

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  3. Wie passend der Text gerade in meinem Heute ist und mich wach rüttelt, dass ein Vielleicht nicht das ist, was ich will und brauche. Toller, ehrlicher Text.

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