Wenn Mama und Papa Hilfe brauchen – Tina und ihre Au-Pairs

Frauen, die bewegen, gibt es viele! Doch zu wenigen hören wir aufmerksam zu. In meiner Kategorie findet ihr regelmäßig Interviews mit unglaublich spannenden Frauen, die alle anders denken, aber eins gemeinsam haben: sie verbessern die Welt. Manchmal nur ihre eigene, manchmal auch unsere.

Liebe Tina, für meine Kategorie „Frauen, die bewegen“ interviewe ich Frauen, die etwas Besonderes gemacht haben, etwas geschaffen haben, von dem andere profitieren und den Mut haben, damit nach außen zu treten. Heute möchte ich mit dir über ein Familienmodell sprechen, dass gar nicht so fern ab von der Realität ist und doch für viele noch viele Fragezeichen mitbringt. Kurz zu euch: Du bist Tina, bist verheiratet und hast Zwillingsmädels. Emmi und Lilli sind drei Jahre alt. Ihr habt euch dazu entschieden, ein Au-Pair aufzunehmen, das euch in eurem Familienalltag unterstützt. Ein fremdes Mädchen zu sich zu holen, mit ihr die eigenen vier Wände zu teilen und in die Familie aufzunehmen, ist bestimmt nicht immer leicht. Sich einzugestehen, dass man als Mama Hilfe gebrauchen kann, bestimmt auch nicht immer. Also lass uns anfangen… ich bin schon ganz gespannt.

 

Mal ganz grundsätzlich: Was macht ein Au-Pair eigentlich? Ist ein Au-Pair nur für die Kinder verantwortlich oder auch für den Haushalt?

Der Job eines Au-Pairs besteht darin, sich um die Kinder zu kümmern. Ein Au-Pair sollte nicht die Haushaltshilfe ersetzen, sondern wie ein WG-Mitglied integriert werden. Bedeutet, dass auf dem Tagesplan stehen sollte, den Kindern Spielangebote zu unterbreiten, sich um sie zu sorgen und zu verpflegen.

Sind Au-Pairs eigentlich immer weiblich? Würde für euch auch ein männliches Au-Pair in Frage kommen?

Au-Pairs können auch männlich sein. Für uns ist ein männliches Au-Pair nicht ausgeschlossen, aber es gibt einfach eine viel kleinere Auswahl. Auf zehn weibliche Bewerber, kommt ein männlicher Bewerber und Laura – unser aktuelles Au-Pair – war dann doch weiter vorne. Dazu kommt, dass hauptsächlich ich Zeit mit den Au-Pairs verbringe und ich mit einer Frau wahrscheinlich doch mehr Gemeinsamkeiten habe.

 

Wie kommt man zu einem Au-Pair? Hat man eine Auswahlmöglichkeit von der Agentur?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, ein Au-Pair zu suchen. Es gibt zum Beispiel kostenlose Portale, auf denen man Gesuche einstellen kann. Wir sind aber eher „Team Sicherheit“ und haben uns an eine Agentur gewandt, die die Au-Pairs an uns vermittelt. Das Ganze läuft so ab, dass wir die Agentur mit einer Suchanfrage kontaktieren, daraufhin füllt man einen Fragebogen aus, auf dem man alle wichtigen Punkte ausführt und im Gegenzug bekommt man von der Agentur unverbindlich eine Auswahl zugeschickt. Besonders klasse finde ich, dass meistens ein Bewerbervideo mitgeschickt wird und wir uns so einen super ersten Eindruck machen können. Anhand dieses Materials kann man seinen Favoriten auswählen und per Skype mit dem Au-Pairs Kontakt aufnehmen. Wenn man sich dann für ein Au-Pair entscheidet, kommt erst der Vertrag mit der Agentur zustande und man zahlt für die Leistung.

 

Wie teuer ist ein Au-Pair im Monat an Fixkosten?

Deutschland ist eins der Länder, das Au-Pairs am schlechtesten bezahlt! 260 Euro im Monat für 30 Stunden Arbeit plus 50 Euro für den Sprachkurs sind angesetzt. Dazu kommen die Kosten für die Verpflegung und das Wohnen, obwohl ich finde, dass diese Kosten kaum auffallen. Hinzu kommen monatliche Versicherungskosten (Krankenkasse und Haftpflicht) – hier reden wir von ca. 50€. Bedeutet, dass die Fixkosten monatlich ungefähr bei 400€ liegen.

 

Wie viel Au-Pairs hattet ihr schon und wie lange wollt ihr diese Unterstützung noch genießen?

Wir hatten bereits vier Au-Pairs. Wir haben gestartet, als Emmi und Lilli vier Monate alt waren. Das erste Au-Pair war ein Jahr bei uns, das zweite Au-Pair war nur fünf Monate da und das dritte wieder ein Jahr. Nun sind wir beim Vierten und wollen so lange wie möglich diese Unterstützung genießen. Wir haben keine Familie in der Nähe, haben Zwillinge und wollen noch Paar sein. Dazu kommt, dass unsere Au-Pairs mit unseren Kindern spanisch sprechen und sie so zweisprachig erzogen werden – ein riesiger Gewinn für die Mädels.

 

Du bist zuhause. Dein Mann geht arbeiten. Ich habe mitbekommen, dass du dich manchmal für die Entscheidung ein Au-Pair zu haben, rechtfertigen musst (so ein Quatsch). Aber wie kam es dazu, dass ihr euch als Familie dazu entschieden habt, ein Au-Pair zu suchen?

Es kommt immer wieder vor, dass ich das gefragt werde. Wir – mein Mann und ich – arbeiten selbstständig von zuhause. Mein Mann Vollzeit und ich habe eine Dreiviertelstelle. Arbeite als Autorin, für meinen Mann und über Instagram. Vielen ist das nicht bewusst.

Die Überlegung ein Au-Pair zu suchen, kam von meinem Mann Ralph, der mich auch erst mal überzeugen musste. Ich hatte ein wenig Respekt vor dem „zuhause nicht mehr alleine zu sein“.

 

Würdest du sagen, man braucht für ein Au-Pair abgesehen von einem eigenen Zimmer noch mehr extra Räumlichkeiten (abgetrennter Wohnbereich, extra Bad…)?

Vertraglich geregelt ist, dass das Au-Pair ein eigenes Zimmer hat. Das Zimmer muss abschließbar sein, das Zimmer muss eine Heizung haben und ein Fenster. Normalerweise ist es klar, dass ein Au-Pair unter solchen Bedingungen wohnt, doch leider sieht das in der Realität oft anders aus. Daher finde ich es sehr gut, dass dies vertraglich geregelt ist. Unser Au-Pair hat auch ein eigenes Badezimmer, was wirklich von Vorteil ist.

 

Habt ihr die Entscheidung für ein Au-Pair schon mal bereut? Hat es euch mal gestresst, dass immer jemand Fremdes dabei ist?

Nein! Obwohl es auf jeden Fall das passende Au-Pair sein muss. (Aus dem Hintergrund ruft Tinas Mann, dass er die Entscheidung zu heiraten auch noch nicht bereut hat, aber nur weil er die passende Ehefrau gefunden hat. – haha) Wir hatten zum Beispiel ein Au-Pair, das nur fünf Monate hier war, da sie nicht gut in unsere Familie gepasst hat. Aber so etwas kann passieren und darauf muss man sich einstellen und unbedingt fair aus der Situation herausgehen. So etwas wird über die Agentur geregelt und man hat die Option einen Au-Pair-Wechsel zu beantragen.

 

Verbringt ihr eure Abende zu dritt/fünft auf dem Sofa?

Ich glaube, dass davor viele Menschen Angst haben. Aber das ist auf keinen Fall so. Natürlich kann man solche Abende planen, aber die Regel ist es nicht. Die Au-Pairs sind froh, wenn sie ihre Ruhe haben und sich zurückziehen.

 

Was würdest du als größten Benefit bezeichnen seitdem ihr ein Au-Pair habt? Für euch? Und für die Mädchen?

Der Zeitgewinn! Wir haben einfach keinen Stress in allen Belangen. Und für die Mädels würde ich auch sagen: Die Auszeit von uns, um sich ein wenig auszuklinken und dass sie eine neue Spielkameradin haben.

 

Fällt es Lilli und Emmi schwer die Au-Pairs nach einiger Zeit wieder ziehen zu lassen?

Diese Frage stellen wir uns jedes Mal. Ich denke, dass das schon schwer ist und besonders das erste Au-Pair ist bei den Mädels (unserer ganzen Familie) ganz tief im Herzen verankert. Andere Au-Pairs wurden dafür relativ schnell „vergessen“.

 

Was für eine Rolle spielen eure bisherigen Au-Pairs nun in eurem Leben? Habt ihr noch regelmäßig Kontakt?

Wir haben mit allen Au-Pairs (außer mit dem Mädchen, von dem wir uns verabschiedet haben) Kontakt! Mit unserem ersten Au-Pair noch sehr, sehr viel und darüber sind wir auch sehr froh. So können wir alle sehen, wie wir uns weiterentwickeln.

Wer die tolle Tina von @tinchenmanderinchen noch nicht kennt, findet sie hier.

 

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Foto Credit: Tanja Wesel

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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