„Ja Alma, ein Baby!“

Und da saß ich auf dem Badezimmerfußboden, der angenehm warm war und sank in mich zusammen. Meine Arme kribbelten und fielen zu gleich zu Boden. Ich saß da und mein Mund stand sperrangelweit offen. Meine Augen füllten sich mit Tränen und verschwommen mein Blick. Doch das, was ich da sah, war eindeutig. Quasi sofort und ohne Platz für Spekulationen waren auf dem weißen Test in meiner Hand zwei Striche zu sehen, die greller leuchteten als alles, was ich davor gesehen habe. Schwanger. Ich bin schwanger.

Am Abend zuvor lag ich noch im Bett und studierte die App, die meinen Zyklus kontrollierte. Ich war überfällig. Zwar erst einen Tag, aber sonst funktioniert mein Zyklus auf die Minute genau. Doch mir war klar: Ich kann nicht schwanger sein. Nicht diesen Monat. Ich fühle mich gut. Ich habe keine Wehwechen. Wir hatten nur einen „Versuch“, denn ich war doch in Italien und habe mir diese kleine Mamaauszeit genommen. Mir war ganz klar: Ich kann nicht schwanger sein. Viel zu heftig war die Enttäuschung in den letzten drei Monaten, in denen ich jedes Mal das Gegenteil dachte. Viel zu heftig waren die Signale, die mir mein Körper die Monate davor sendete und mich somit glauben ließ: wir sind wieder schwanger. Das war alles gelogen und ich habe mich verrannt. Verrannt in einen Wunsch, der noch nicht in Erfüllung gehen sollte.

Ich machte die Augen zu und beschloss gelassen zu bleiben. Morgen früh wird mir klar sein: ich bin nicht schwanger.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und Hörby war schon auf der Arbeit. Ich ging ins Badezimmer und merkte schlagartig. Überfällig Tag zwei. Mir wurde klar, dass hier irgendwas nicht stimmte und beschloss nach der Arbeit zur Drogerie zu fahren und einen Test zu kaufen. Hörby wusste davon übrigens nichts. Auch nicht, dass ich überfällig bin. Irgendwie wollte ich ihn auch vor einer Enttäuschung bewahren.

Auf dem Weg nach Hause rief mich meine Freundin an und sagte am Telefon, dass sie irgendwie das Gefühl habe, dass ich schwanger bin, ob das sein könnte. Ein kleiner Moment, der den Zauber in mir spürbarer machte.

Zuhause angekommen legte ich den Test erstmal zur Seite. Ich traute mich nicht so ganz und wollte noch ein wenig aushalten, damit die Zeitspanne bis Hörby nach Hause kommt, nicht allzu groß ist. Egal wie der Test ausgehen würde, ich wollte nicht so lange alleine sein.

Gegen 17 Uhr schlich ich mich dann ins Bad. So als würde ich etwas heimlich machen und mich dürfte dabei keiner sehen. Ich war alleine zuhause.

Ich packte den Test aus und machte alles ganz schnell. Ohne lange drüber nachzudenken, runterzuzählen, zu beten, zu hoffen. Nein. Ich machte einfach diesen blöden Test. Saß dabei auf dem warmen Boden und war nach wenigen Sekunden Mutter von zwei Kindern.

Ich konnte es nicht fassen. Hilfe! Was mache ich denn jetzt? Ich bin wirklich schwanger? Dass war so nicht geplant. Oh. Nein. War es doch. Aber jetzt bin ich überfordert. Ich werde noch mal Mama. In mir ist ein Baby, auch wenn es gerade erst so groß ist wie ein Mohnkorn. In mir wächst ein neuer Mensch. Ich war geschockt und glücklich. Aber es haute mich um. Ich heulte ganz alleine auf den Fliesen des Badezimmers und war selbst überrascht von all den Gefühlen, die da gerade aus mir rausgekommen waren.

Ich legte mich auf den Boden und hörte in mich hinein. Nina, es hat geklappt. Es wird großartig und ein wunderschönes Abenteuer werden. Wir sind bereit und genau jetzt, genau heute, ist der richtige Zeitpunkt. Ich wischte mir die Tränen ab und atmete tief durch. So langsam realisierte ich, was ich den letzten Minuten passiert ist. Oh mein Gott! Wir bekommen ein zweites Baby!

Ich schaute auf die Uhr und stellte erschrocken fest, dass Hörby und Alma ganz bald wieder nach Hause kommen. Also musste ich mir etwas überlegen. Ich habe die Verkündung bei Almas Schwangerschaft schon so versaut, ich wollte Hörby dieses Mal einen schönen Moment schaffen, in dem er erfährt, dass er noch einmal Papa wird. Beim letzten Mal dachte er, dass ich mich von ihm trennen will, weil ich so geheult habe. Tut mir bis heute Leid.

Ich legte den Test in eine kleine Box und verpackte sie zu einem Geschenk. Diese legte ich oben auf den Tisch. Ich wollte, dass er es entdeckt und wir uns den perfekten Moment schaffen. Doch es kam natürlich alles anders als geplant. Hörby rief mich noch aus dem Auto an, dass er noch in den Garten gehen will. Rasenmähen und so weiter. Ich sollte mitkommen. Also haben wir (ich mit Herzrasen und verheulten Augen) erst einmal eine Stunde den Garten gepflegt, bis wir ins Haus gegangen sind. Alma war an dem Tag ganz ruhig und entspannt, wollte die ganze Zeit mit Mama kuscheln. Als wir die Treppe hochliefen, fragte Hörby mich, ob ich eigentlich meine Tage bekommen habe. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Warum muss er mich das gerade jetzt fragen? Ich nuschelte etwas wie: „Ähm nein. Bestimmt aber heute Abend.“ Oben angekommen, hielt ich es nicht mehr aus und zeigte aufs Päckchen, das auf dem Tisch lag. „Hier Schatz. Heute ist etwas für dich angekommen. Da haben wir schon länger drauf gewartet. Setz dich mal hin und pack es in Ruhe aus.“ Er runzelte die Stirn, nahm es und packte es in der Geschwindigkeit, in der meine Oma Geschenke auspackt, aus: im Schneckentempo. Er schaute zu mir rüber und fragte mich, warum ich so nervös bin. War ich gar nicht. Ich bin innerlich zerrissen vor Aufregung, sogar mein Unterkiefer zitterte wie verrückt. Nervös ist die größte Untertreibung.

Als er endlich die Box öffnete, schaute er mich verdutzt an. Rief: „heißt das schwanger?“ und ich nickte und weinte. Hörby jubelte und grinste über beide Ohren, fiel mir in die Arme und freute sich so sehr, dass Alma neben uns stand und uns fragend anguckte. Ehrlich gesagt hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht darüber nachgedacht, wie und wann wir es Alma sagen sollen. In dem Moment fühlte es sich richtig an, zu versuchen, ihr, zu erklären, was gerade passiert ist. Hörby sagte eh die ganze Zeit: „Wir bekommen ein Baby“. Sodass Alma das Wort Baby ganz von alleine wiederholte. Ich zeigte auf meinen Bauch und sagte ihr, dass da jetzt ein Geschwisterchen wachsen wird. Ein zweites Baby für die Familie. Und sie nickte und lief wieder zu ihren Spielsachen. „Baby“ rief sie noch mal und zeigte auf meinen Bauch. „Ja Alma. Ein Baby!“

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

5 Kommentare zu „„Ja Alma, ein Baby!““

    1. Wie schön😭♥️!
      Ich habe ihr gesagt, dass ich gerade einen Test gekauft habe und sie gefragt, ob sie mich gesehen hat 😄. Hatte sie aber nicht. Habe ihr dann als erstes nach Hörby Bescheid gesagt ☺️

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  1. Wunderschön geschrieben, was mich auch der Schweiz zu Tränen rührt.

    Ich liebe es dich auf Insta zu verfolgen und freue mich noch mehr seit ich weiss, dass auch du schwanger bist. Auch wird erwarten in Februar/März unser zweites Kind🥰

    Gefällt 1 Person

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