Unverhofft und für immer – aus Hörbys Sicht II

Teil II – Die Begegnung

Sonntag. Der Tag der Tage. Kein Sonntag auf Bali ohne einen Sunset-Rave im Single Fin. Zumindest, wenn es nach mir geht. Früh morgens ging es für mich in mein neues Hostel, das nur unweit vom Ort des Geschehens entfernt war. Die anderen waren bereits mit dem Taxi unterwegs, da ich mich entschieden hatte, mein Motorrad zu behalten und damit hinterher zu fahren. Circa 45 Minuten Fahrt auf meinem kleinen Moped Richtung Süden.

Eine Strecke, die ich oft gefahren bin und wie meine Westentasche kenne. Hier war es. Ein Zimmer mit 4 Etagenbetten, von denen nur die Hälfte belegt war, mit einem angrenzenden Bad. Nichts atemberaubendes, aber immerhin sauber und günstig. Schließlich wollte ich nicht direkt am Anfang meiner 6-wöchigen Reise das Geld aus dem Fenster werfen. Es gab insgesamt ca. 30 Betten in dem Hostel und alle Bewohner zusammen teilten sich eine große Küche mit noch größerer Tafel, an der man sich zusammensetzte und den üblichen Hostel-Smalltalk hielt. Es war später Vormittag und einige saßen noch beim Frühstück, wenn man das so nennen durfte. Wenn man nicht das Glück hat, in einer Unterkunft zu wohnen, in der es Frühstück, meistens bestehend aus Nasi Goreng oder Bananenpancakes, gibt, dann besteht das „included Breakfast“ wie folgt aus: Labrigem Toast ungetoastet, lauwarmer Peanutbutter und eine Erdbeermarmelade, die höchstwahrscheinlich nie eine Erdbeere gesehen hat und eher nach Gummibärchen schmeckt. Zum Glück hatte ich bereits mein Frühstück hinter mir.

Hier traf ich Leon, der das Bett unter mir bezogen hatte und Briley, der in einem anderen Zimmer mit drei Britinnen einquartiert war, wieder. Ich weiß bis heute nicht, wie diese Konstellation zustande kam, vor allem da die Mädels lange Zeit davon ausgingen, dass Briley auf Männer stehen würde. Aber dazu später mehr. Wir entschieden uns, noch ein paar Stunden an den nahegelegenen Dream Beach zu fahren. Der ist zwar nicht so ein Traum wie sich vermuten lässt, aber er ist direkt ums Eck und es gibt kalte Getränke. Auch die Welle war heute eher bescheiden. Also blieb uns nichts anderes übrig, wie die Sardinen in der Sonne zu liegen und nichts zu tun, außer zu lesen, zu quatschen oder – wie an meiner Stelle – auf Tinder noch mal Ninas Bilder durchzublättern.

15 Uhr. Aufbruchstimmung. Auf Bali ticken die Uhren etwas anders. Da Bali so nah am Äquator liegt, ist es dort 12 Stunden am Tag hell und 12 Stunden am Tag dunkel. Um 6 Uhr geht die Sonne auf und um 6 Uhr geht die Sonne wieder unter. Jeden Tag, das ganze Jahr. Deswegen muss man dann auch gerne mal um 15 Uhr vom Strand los, um den Sonnenuntergang von der Klippe von Uluwatu aus betrachten zu können und ihn nicht zu verpassen. Uuuuuund erst Recht, um ja seine Ehefrau in spe nicht zu verpassen. Wir brachen also auf, packten unsere Sachen, schwangen uns auf unsere Zweiräder und fuhren zurück ins Hostel, um uns mit dem ersten Bier in der Hand noch etwas frisch zu machen. Kurz das Bier austrinken, neben dem Waschbecken abstellen und unter die Dusche hüpfen. Auf einmal Panik. So haben wir nicht gewettet. Dass ich langsam Lampenfieber bekam, okay, aber eigentlich sollte das erste Bier mir dabei helfen. Beim Einschäumen der Harre schwirrten Fragen in meinem Kopf umher wie: „Was, wenn ich sie nicht finde? Ich habe keine Handynummer von ihr und sie hat bestimmt keinen WLAN. Was wenn sie erst viel zu spät aufkreuzt? Wenn sie nicht weiß, dass man schon so früh da sein muss. Wenn sie berlin-style erst um 1 losfährt und nichts mehr vorfindet (außer die Putzkolonne). Was ist, wenn ich sie finde und sie mich nicht leiden kann? Was ist, wenn ich sie finde und sie mich leiden kann? Was mache ich nur bei der zu mir oder zu dir Frage? Ich wohne in einem 8-Bett Zimmer in einem Billighostel und sie ist ne coole Journalistin, die mal eben fast 5 Jahre älter ist. Haare auf, Haare zu, Haare (kinnabwärts) ab, Haare dran? Fuuuuuck…“ Schließlich musste ich die Dusche räumen, bevor ich die Fassung verlor. Glück gehabt. Danke Leon. Immerhin kannte ich die goldene Regel für Männer auf Balis Beachpartys. Es gibt nur eine richtige Farbe deines T-Shirts: Schwarz. Schwarz wie die Nacht. So schwarz wie es auch bei 3 Liter deines Schweißes, Bier, Cocktails und dem Schweiß deines Nebenmanns auf deinem Shirt nicht mehr schwärzer werden kann.

Um halb 5 war unser Taxi da. Unsere Crew bestand aus 6 Leuten:

  • Leon der Holländer. Groß, schlacksig, Basketballerstatur und Bart. Viiiiiel Bart. Schon die Kategorie „zu viel Bart.“
  • Briley der Kanadier. Kleiner, durchtrainierter Strahlemann.
  • 2 von den 3 Britinnen die sich schon peinlich stark rausgeputzt haben. Schwimmerinnen mit breiten Kreuzen. Die 3. hatte einen Sonnenstich vom Strand. Upsi.
  • Ich…
  • Und Peter. Peter war quasi noch in die Tür unseres Busses gesprungen, als diese schon halb zu war. Peter war ebenfalls Brite und schätzungsweise Anfang 60. Er war Künstler und sein Hechtsprung begleitet von einem „May I join you?!“ im britischen Akzent war beeindruckend gewesen.

Wir waren eher die Watchmen als die Avengers, aber naja: Ich hoffte einfach, dass ich mich bis zur Begegnung mit Nina etwas abseilen konnte, war aber andererseits auch froh nicht wie Falschgeld auf der Party auszusehen. Wir stiegen oben an der Straße aus und sagten dem Taxifahrer, er müsste uns nachher nicht wieder abholen. Wir organisieren uns dann einen neuen Fahrer. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir zusammenbleiben und gemeinsam nach Hause fahren, ging eh gegen Null. So verloren wir uns auch recht schnell aus den Augen. Leon hatte Hunger und wollte eine Pizza im Single Fin essen. An dem Punkt war ich noch nicht angekommen. Erst 3 Tage auf der Insel, stand mir der Sinn NOCH nach Nasi Goreng. Die Britinnen lallten was von „sie wollen das Abendessen ausfallen lassen und das Geld lieber in Cocktails investieren.“ Peter saß an der Bar und quatschte mittlerweile jemandem anderes das Ohr ab. Briley und ich machten ab, nebenan was essen zu gehen, aber erst etwas später. Also hingen wir noch mit Leon und den beiden Mädels rum und begutachteten den 1A-Sonnenuntergang bei exzellenter Musik und lockerem Gewippe vom linken aufs rechte Bein. Keine Nina in Sicht. Ich sah wahrscheinlich aus wie ein aufgescheuchtes Huhn. Stand auf der Tanzfläche und drehte meinen Kopf im Kreis, um einen Blick auf die blonden Locken zu erhaschen, bis mir schwindelig wurde. Ich ging unverhältnismäßig oft Bier holen oder Pinkeln, um einen Überblick über den doch sehr unübersichtlichen Laden zu bekommen. Doch keine blonden Hamburger Locken weit und breit. Nicht mal auf dem Herrenklo. Langsam wurde es kritisch. Das Zeitfenster, um etwas zu essen, bevor A) der Pegel zu hoch wird oder B) Nina doch noch auftauchte, wurde immer kleiner. Also beschloss ich, mit Briley ein paar Stufen runter in den benachbarten Warung zu gehen und etwas zu essen. Wir schlängelten uns über die mittlerweile vom Sternenhimmel gerahmte Tanzfläche, an den Toiletten vorbei, hoch zum Eingang wo… „Scheiße Scheiße Scheiße, was mache ich jetzt nur?“… Nina auf der obersten Stufe Ausschau nach mir hielt. Ich schaffte es Bond-Like unter ihrem Sichtfeld hindurch an ihr vorbeizukommen – und raus. Sprachlos. Diese Locken! Braun gebrannt und Platinblond war sie. Die Augenbrauen und Wimpern weiß gebleicht von der Sonne. Das Gegenteil von unseren zugekleisterten Britinnen. Im schwarzen hochgebundenen Kleid stand sie da.

Ich direkt zu Briley: „Da war Sie! Lass uns schnell noch was essen!“ Es gab Nasi Goreng, wie gewünscht, und zwei Große Flaschen Bintang dazu. Gestärkt schleppten wir uns die Klippe wieder hinauf, wo ich mich von Briley fürs erste verabschiedete und Nina an einem Tisch neben der Tanzfläche sitzend fand. Den Rücken zwei Australiern zugewandt, die sie versuchten, flach anzubaggern und das letzte Stück Ihrer Pizza gerade verputzten, tickte ich ihr mit zwei frisch ergatterten, eiskalten Bintang auf die Schulter und setzte mich neben sie.  „Hi…“

geschrieben von Hörby

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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