Unser Weg zum Wunschkind – Der Anfang von etwas ganz Großem

geschrieben von Katja Lucht

…und dann war es mal wieder soweit.

Ich schaue auf meine Eisprung-App. In zwei Tagen könnte die rote Pest wieder auftauchen – oder sollte es dieses Mal tatsächlich soweit sein? Wenn es in diesem Monat klappte, wäre unser Kind vom Sternzeichen Schütze und würde sogar noch dieses Jahr zur Welt kommen. Immerhin sagen doch immer alle: Gebt euch ein Jahr Zeit! Solange kann es schon mal dauern, bis man schwanger wird. Schon wenn ich das Wort schwanger schreibe, zittern mir die Hände. Morgen früh werde ich testen und dieses Mal – bin ich mir sicher – werden da zwei Streifen zu sehen sein. Ich hole also einen von schon mittlerweile unzähligen Schwangerschaftstests aus meinem Badeschrank und mache mein allmonatliches Ritual. Drauf pinkeln und warten bis endlich zwei Striche erscheinen. Los! Ich merke doch, dass sich mein Körper in diesem Monat anders anfühlt. Ein kurzer Blick auf den einen Streifen rechts sagte mir, dass ich mich wieder getäuscht haben sollte. Irgendwann kann man seine Tränen nicht mehr zurückhalten, also lief es mir wie ein Rinnsal über die Wangen. Zum Glück ist da dieser starke Mann an meiner Seite, der mich immer wieder auffängt und mir sagt, dass alles gut werden wird. Mein Bauchgefühl hat mir allerdings schon lange mitgeteilt, dass es an der Zeit ist, der Sache auf den Grund zu gehen. Also ab zum Arzt!

Der erste Schritt, wenn man sehnlich auf ein Kind wartet und nichts passiert, ist ein Besuch beim Gynäkologen und Urologen.

Hier erklärte ich meiner Ärztin kurz, dass wir seit über einem Jahr versuchen, schwanger zu werden und ich nun keine Geduld mehr hätte. (Wieder so ein Wort: „GEDULD“. Es wurde in den nächsten Monaten und Jahren mein ewiger Begleiter.)

Spermaprobe, Blutabnahme und ein kurzer Ultraschall – das sollte es dann fürs‘ Erste sein. Easy, jetzt ist der Anfang gemacht und wir werden bald Eltern, dachte ich.

Es stellte sich heraus, dass bei meinem Mann alles tip top ist und an meinen Hormonen sollte es auch nicht liegen. Der Arzt riet uns also dazu, dass wir uns nochmal ein halbes Jahr GEDULD geben sollen, dann würde ich schon schwanger werden.

Kurz und knapp… die Schwangerschaft blieb auch nach einem halben Jahr weiterhin aus.

Also war Schritt zwei an der Reihe! Mir wurde klar: Katja, du musst tatsächlich einen Termin in der Kinderwunschklinik vereinbaren. Kinderwunschklinik? Niemals hätte ich gedacht, dass wir jemals eine solche Praxis aufsuchen müssen. Vermutlich denken alle Menschen mit Babywunsch so?

Ich frage mich aber immer wieder: Warum spricht denn eigentlich niemand darüber. Wieso ist das Thema unerfüllter Kinderwunsch so tabuisiert? Ich war schon immer offen mit unserem unerfüllten Wunsch umgegangen. Für mich war es völlig normal, darüber zu sprechen. Es ist ja auch das, was ich mir am meisten wünsche. Warum sollte ich das denn verheimlichen? Doch leider haben wir Betroffenen immer das Gefühl, dass wir selber Schuld sind und schämen uns. Ein Teufelskreis, der durch mehr offene Worte gebrochen werden könnte.

Im Winter 2016 war es dann soweit. Mein Mann und ich hatten den langersehnten Termin in einer Kinderwunschklinik.

„Frau Falke bitte ins Zimmer 2!“ Mein Mann und ich nickten uns kurz zu und mit jeder Menge Hoffnung im Herzen und etwas zittrigen Beinen, gingen wir zu unserer Ärztin. Ziemlich abgebrüht klärte sie uns recht schnell über eine IVF (in vitro fertilisation) und über die ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) auf. Bevor die künstliche Befruchtung losging würde, möchte sie allerdings noch einige Tests machen. Meine Hormone schienen in Ordnung zu sein, jedoch habe ich eine leichte Insulinresistenz. Also benötige ich das Medikament Metformin. Die Ärztin empfahl, dreimal täglich die Tabletten einzunehmen um dann nach einem viertel Jahr zu schauen, ob eine Schwangerschaft eintritt. Wenn nicht, sollte ich mich einer Bauchspiegelung unterziehen. Wie bitte? Jetzt sollte ich mich auch noch unters Messer legen? Aber was soll`s. Wir machten es genauso, wie die Ärztin sagte und mussten nach einem Vierteljahr traurig feststellen, dass sich nichts verbessert hat. Also wieder in die Klinik um alles Weitere für die OP zu besprechen.

Tag X brach an und somit der Tag der OP. Gemeinsam mit vier anderen Frauen im Zimmer sollte uns nun endlich geholfen werden. Wir unterhielten uns über unseren langen Weg des Kämpfens und verabschiedeten uns mit: „Bald werden wir Eltern.“ Tja das war 2016. Dass es noch drei weitere Jahre dauern sollte, bis unser größtes Wunder erfüllt wird… damit hätte wohl niemand gerechnet.

Die Diagnose nach der OP: verschlossene Eileiter! Ich benötige eine künstliche Befruchtung oder ich muss kinderlos bleiben! Das saß! Mein Partner und ich starrten uns an und für uns brach eine Welt zusammen. Gerade frisch operiert verließen wir die Klinik. Im Auto angekommen gab es kein Halten mehr. Die Zukunft meines ungeborenen Kindes liegt jetzt schon in Händen fremder Ärzte. Ich bin im Auto zusammengebrochen und der zukünftige Vater meines Wunschkindes, nahm mich in den Arm, weinte mit mir und fragte mich, ob ich ihn heiraten möchte.

Für euch klingt das jetzt vielleicht etwas suspekt. Ist es leider aber ganz und gar nicht. Eine künstliche Befruchtung wird von unverheirateten Paaren nicht von den Krankenkassen unterstützt. Ist man verheiratet, bekommt man immerhin oder, besser gesagt, lediglich 50% der Kosten wieder und das aber auch nur dreimal. Man bekommt also die Diagnose gestellt und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, muss man erst mal noch zusehen, dass man irgendwo die Tausende von Euro aufbringen kann, um vielleicht schwanger zu werden. Ein Riesenproblem für viele Paare, die zum Teil sogar Kredite aufnehmen mussten, um dem Herzenswunsch ein wenig näher zu kommen.

Uns sollte es insgesamt vier Versuche kosten

Geheiratet haben wir schnell innerhalb der nächsten acht Wochen, um nicht noch weitere Zeit zu verlieren und um endlich mit unserem ersten Versuch starten zu können.

Wir holten das Rezept in der Klinik ab und bekamen erklärt, wie man diesen Pen (Spritze) setzen muss. Was für eine Überwindung! Nach einiger Zeit stand wieder ein OP Tag an, um die gereiften Eizellen unter einer kurzen Vollnarkose punktieren zu lassen. Geschafft! Mit recht starken Bauchschmerzen wurde ich dann zwei Stunden nach dem Eingriff entlassen. Das Schicksal lag wieder komplett in den Händen der Ärzte. Ich sollte in drei Tagen anrufen, um zu erfahren, ob und wie viele Eizellen sich befruchtet haben.

„Frau Lucht, es haben sich fünf Eizellen befruchten lassen. Die zwei Besten setzen wir Ihnen in zwei Tagen wieder ein. Die anderen drei befruchteten Eizellen können kryokonserviert werden (einfrieren).Das allerdings muss man nun komplett selbst bezahlen, da die Erfolgsaussichten einer Kryo geringer sind als bei einem Frischversuch.“ Ich sagte zu!Voller Freude fuhr ich in die Klinik, um mir meine „Babys“ zurückzuholen.

 Bald kann ich lauthals verkünden, endlich schwanger zu sein – dachte ich, aber es kam ganz anders…

Die vielen Spritzen und die damit verbundene Stimulation der Eierstöcke hatten bei mir eine Überstimulation erzeugt, sodass ich wahnsinnige Schmerzen bekam und mich sofort untersuchen lassen musste.

Dabei stellte sich heraus, dass meine Eierstöcke auf 10 cm angeschwollen sind und ich schon Wasser im Bauchraum habe. Sollte dies höher steigen, kann es passieren, dass man meine Lunge punktieren muss. Gott sei Dank sollte mir dies erspart bleiben, allerdings auch der positive Schwangerschaftstest. Das wars also? Alles umsonst? Die vielen Spritzen und Schmerzen, die ich in Kauf genommen habe? In mir war nur noch Leere. Aufgeben kam trotzdem nicht infrage. Viel zu groß war der Wunsch nach meinem Baby!

Der zweite Versuch sollte dann mit den drei übrig gebliebenen Eizellen recht entspannt und ohne große Hormongaben vonstatten gehen. Ich testete wie verrückt mit unzähligen Schwangerschaftstests, um endlich zwei Striche sehen zu dürfen. Das Gefühl war unbeschreiblich, als dann auch wirklich zwei Striche zu sehen waren. ICH BIN SCHWANGER! Die Freude, die mein Mann und ich in diesem Moment empfunden haben, konnte uns niemand mehr nehmen! Wir fuhren sofort in die Klinik, um das HCG über einen Bluttest bestimmen und bestätigen zu lassen. Die Schwestern waren allerdings mit dem HCG Wert alles andere als zufrieden. Ich sollte in zwei Tagen wiederkommen, um den Wert ein weiteres Mal bestimmen zu lassen. Kurz darauf bekam ich Blutungen, der HCG ist seltsamerweise gestiegen. Die Blutungen wurden immer schlimmer, sodass ich in die Klinik gefahren bin. Die Ärzte nahmen mich hier ernst und sofort wurde ein Ultraschall gemacht. Was war denn mit meinem Baby? Es ist doch alles gut, oder nicht? Der Blick der Ärztin verriet nichts Gutes. Es stellte sich heraus, dass ich eine Eilleiterschwangerschaft habe und der Eileiter zu platzen droht. Jetzt musste es schnell gehen. Eine Not-OP und die Entfernung meines Eileiters waren die Folge. Mein Mann und ich hatten nur ein paar Sekunden, um uns von unserem größten Wunder wieder zu verabschieden. Was blieb war nur noch dieser tiefe Schmerz und Verzweiflung…

Der dritte Versuch scheiterte ein Jahr später leider auch. Unser letzter Versuch sollte uns dann aber endlich all die Schmerzen der vergangenen Jahre vergessen lassen.

Wir haben es geschafft! Wir haben ein Kind bekommen. Unsere Tochter Alma wurde am 22.02.2019 gesund und munter geboren und hat uns somit zu den glücklichsten Eltern der Welt gemacht!

Ihr Betroffenen da draußen! Schreibt mich gerne an, ich kenne mich wie keine andere mit den Thematiken des Kinderwunsches aus. Ich kann auch ggf. einige Tipps geben und bin wirklich glücklich über alle, die ihren Traum vom eigenen Kind dadurch ein Stück näherkommen.

Wir hatten großes Glück, dass es nach vier Versuchen geklappt hat. Gebt nicht auf! Bei den wenigsten klappt es beim ersten Mal.

Viel Liebe an euch!

Eure Katja

IMG_1964

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

Ein Gedanke zu „Unser Weg zum Wunschkind – Der Anfang von etwas ganz Großem“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s