Das Mamaherz

Und dann schaue ich sie an und frage mich: bin ich genug für dich? Ich weiß, dass du mich über alles liebst, aber bin ich die, die ich für dich sein will? Mein Mamaherz, blödes Mamaherz, tut manchmal nämlich richtig weh, dann, wenn ich zu ungeduldig mit ihr war. Dann, wenn die Zeit nicht reicht, um ihr Lieblingsessen zu kochen, dann, wenn ich sie morgens wecken muss, um sie in die Kita zu fahren, dann wenn ich sie abhole und sie auf dem Stein sitzt, ganz lieb und entspannt und den anderen Kindern beim Toben zuschaut. Dann, wenn ich an unseren freien Tagen nicht mit ihr um 6 Uhr aufstehen möchte und mir noch ein paar Minuten alleine im Bett genehmige, sie dafür ihre Stifte holt und sie zum Bett bringt, um ganz leise neben mir zu malen. Dann, wenn sie nachts schlecht träumt, zu uns ins Bett kommt und in meinem Arm sofort einschläft. Mein Mamaherz ist voll. Voller Liebe, voller Sorge, voller Zweifel. Denn, wer sagt mir, dass ich nicht noch besser für sie sein kann?

15.05.2019

Heute sitze ich im Zug, das erste Mal seit langem alleine von zuhause weg. Das erste Mal ohne Alma. 6 Tage, in denen ich sie vermissen werde. Sie und ihren Papa – von dem ich aber weiß, dass er ohne mich kann. Doch mein Baby, das braucht mich doch in der Nacht, am Tag, im Schlaf, beim Essen, zum Kuscheln, zum Spielen. Doch dieser Abstand musste sein. Schon lange habe ich das Gefühl, dass ich mal ausbrechen muss. Weg muss. Um kurz durchzuschnaufen. Eigentlich dachte ich an einen Tag Wellness und dann kam dieser Kurztrip dazwischen. Eine Reise, auf die ich Alma nicht mitnehmen kann und somit auf mich alleine gestellt bin. Denn schon jetzt merke ich: nicht nur sie braucht mich. Ich brauche sie. Brauche sie, um klar denken zu können, um meinen Puls zu regulieren. Ich brauche sie, um mich zu entspannen. Zu wissen: Alles ist gut!

Mir ist es wichtig in meinem Leben für viele Baustellen da zu sein. Ich möchte meine Familie glücklich machen, möchte im Job erfolgreich sein, für mich Zeit haben, möchte meine Partnerschaft pflegen, möchte ein schönes zuhause schaffen. Möchte alles sein – und muss mir doch in solchen Momenten wie jetzt eingestehen: egal, wer ich sein will… mein Herz, mein Antrieb, mein Leben, ja, dass gehört nicht mehr mir alleine, sondern viel mehr meiner Tochter. Sie hat mir quasi etwas genommen und mich verletzlicher werden lassen. Sie hat ein Stück aus mir herausgerissen, sodass ich mich nicht mehr komplett fühle, wenn sie nicht da ist. Ja, das Mamaherz.

Aber diese Auszeit erdet mich vielleicht wieder ein wenig bei mir. Lässt mich klarer denken. Diese Auszeit gibt mir wieder mehr Energie und zeigt, dass Alma und ihr Papa das auch irgendwie ohne mich gut schaffen. Diese Auszeit lässt mich bestimmt wieder klarer sehen und weniger zweifeln, ob das Leben, dass ich auf so viele Ebenen versuche zu führen genau richtig so (für sie) ist. Auch wenn Alma immer mein Fokus ist, muss ich nämlich auch noch andere Dinge in meinem Leben schaffen, um befriedigt zu sein. Und Alma, die profitiert doch von einer Mama, die entspannt ist – denke ich jetzt, ein paar Stunden von ihr entfernt. Doch gerade in diesem Moment ist es für mich schwierig zu glauben, dass ich die beste Mama für sie bin, wenn ich alleine in den Urlaub fahre.

25.05.2019

Zehn Tage später ist der Kurzurlaub vier Tage her, das Wiedersehen mit Alma ebenso und das schlechte Gewissen ganze neun Tage. Denn es ist etwas passiert, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe. Mein Mamaherz hat abgeschaltet. Abgeschaltet sich Sorgen zu machen und ist kurz in den Standby-Modus gefahren. Schon nach dem ersten Tag konnte ich mich fallen lassen und habe meine Auszeit in vollen Zügen genossen. Es fühlte sich zwar komisch an, dass ich mein Kind über Facetime gesehen habe, doch hat es mich auch jeden Tag immer wieder in meiner Einstellung gefestigt: für meine Tochter ist diese Qalitytime mit ihrem Papa super wichtig und wunderschön! Ihr Gequietsche und Geturne, wenn sie mich über den Bildschirm gesehen hat, hat das Ganze untermauert. Ihr ging es richtig gut ohne mich. Und alle haben etwas aus der Situation gelernt: Manchmal kann eine Auszeit auch einfach sehr sinnvoll sein. Und am meisten hat mein Mamaherz etwas dazu gelernt: Es hat gemerkt, dass es sich nicht immer so verrückt machen soll, denn ich bin genauso, wie ich bin, wohl die beste Mama für Alma. Und am besten funktioniere ich, wenn es mir gut geht und auch ich ab und an entspannen darf.

Das sollten wir Mütter uns alle mal hinter die Ohren schreiben! Wir sind genug und noch mehr, wenn wir einmal mehr an uns denken!

 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

4 Kommentare zu „Das Mamaherz“

  1. Ach Nina, das hast du wunderschön geschrieben! Ich fühle ganz genauso und bin immer wieder beruhigt, dass auch bei anderen Mamas manchmal ähnliche „Zweifel“ aufkommen, obwohl wir doch eigentlich wissen, dass wir alles an Liebe geben, was wir haben. Schön, dass deine kleine Auszeit euch allen Dreien so gut tat, so soll es sein 🙂

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  2. Als Pädagogin kann ich dir sagen, du bist gut genug für deine Tochter und für sie die beste Mama der Welt, da ihre Einzige. Keine Mutter kann und muss perfekt sein, gut genug ist mehr als genügend :-). Da ich aber selbst Mama bin, weiss ich, dass wir Mamas das “ gut genug“ nur selten als genügend empfinden. Also geniess die Momente, in denen die Zweifel und Sorgen keine Chance haben.

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  3. Soviel Gefühl! Und ich kann es so gut nachempfinden.
    Ich denke, eine kleine Auszeit tut beiden Seiten mal ganz gut. Um an sich selber zu wachsen, den anderen zu vermissen und zu spüren, was man an der Person hat, was manchmal im Alltag etwas unter geht. Diese Freude auf den anderen ist doch toll und man genießt die Zeit miteinander wieder.

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