Erziehst du noch oder begleitest du schon?

geschrieben von Kathy Weber

Ich – Nina – bin immer wieder auf der Suche nach guten Ansätze, wenn es um die Erziehung meines Kindes geht. Obwohl ihr wisst, dass ich nicht viel von „Namensketten“ halte, höre ich mir gerne an, was Experten zu sagen haben. Kathy Weber ist eine solche Expertin, die mich aufgeklärt hat, was eigentlich GfK bedeuten soll. Gar nicht so blöd… 

Wie Gewaltfreie Kommunikation (GfK) dein Leben verbessern kann.  

Als ich vor zwölf Jahren mit 26 überraschend schwanger wurde, habe ich mir ziemlich schnell die Frage gestellt: „Wie möchte ich mit meinem Kind umgehen?“ Und die erste Antwort war, wie bei vermutlich vielen: „Auf jeden Fall mache ich es ganz anders als meine Eltern!“

Nur wie?

Bei der Suche nach einem für mich passenden Ansatz im Umgang mit meinem Kind bin ich schnell auf die Gewaltfreie Kommunikation gestoßen. Sofort habe ich mich in die Ansätze und Technik dieser Kommunikation verliebt. Denn die GfK ist viel mehr als nur eine Strategie – sie ist für mich eine Lebensphilosophie!

Mittlerweile lebe ich seit 12 Jahren mit der GfK und bin seit 2016 ausgebildete Trainerin darin. Dabei berate ich Eltern und Pädagogen, in schwierigen Alltagssituationen auf diese Art mit Kindern zu kommunizieren. Doch was macht die GfK für mich so besonders?

 

Was Gewaltfreie Kommunikation bedeutet 

Mit der GfK habe ich die Möglichkeit, meine mittlerweile zwei Kinder liebevoll zu begleiten, statt sie zu erziehen. Eine Beziehung, die sich durch Liebe, Nähe, Geborgenheit, Verständnis, Wärme, Respekt, Verbindung u.v.m. auszeichnet – die will ich haben! Zu mir, zu meinen Kindern, in meiner Familie – mit Menschen. Warum sind so viele Menschen davon überzeugt, dass Kinder funktionieren müssen? Ich kenne keinen Erwachsenen, der gerne funktioniert. Am Ende steht immer der Ausbruch – bei einem früher, beim anderen später. Bei einem extremer, beim anderen schleichend.

 

Vermeidet die GfK Konflikte?

Um ein Missverständnis aus dem Weg zu räumen, es geht in der GfK nicht darum, Konflikte zu vermeiden. Nein, es geht darum, Konflikte so zu lösen, dass jeder mit seinem Bedürfnis gesehen wird und gemeinsam ein Weg gefunden wird, dass alle Beteiligten zum Zuge kommen. Also Konflikte bedürfnisorientiert zu lösen.

Auch hier eine kurze Aufklärung, da darüber oft Halbwahrheiten verbreitet werden: bedürfnisorientiert heißt, die Bedürfnisse aller einzubeziehen. Es heißt nicht, Kindern die Krone aufzusetzen, ihnen ein Zepter in die Hand zu geben und ihnen zu dienen!

Wir wollen rein in die Freiwilligkeit und weg vom Funktionieren. Ohne Belohnung und Bestrafung leben, mit unseren Kindern auf Augenhöhe. Was es dafür braucht?

 

Was ist die Grundlage für Gewaltfreie Kommunikation?

Ein Grundvertrauen in das Wesen Mensch. 

Wir vertrauen darauf, dass jeder Mensch in sich das Bedürfnis trägt, zum Wohle der Gemeinschaft beizutragen.

Elementar ist außerdem das Bewusstsein für die Verantwortung, die wir uns als Eltern und unseren Kindern gegenüber haben.

 Das Verhalten deines Kindes kann ein Auslöser für deine Gefühle sein, es ist nicht die Ursache. Für die Befriedigung deiner Bedürfnisse bist alleine du verantwortlich.

 

Was bringt die Gewaltfreie Kommunikation im Alltag?

Stell dir vor, es gebe einen Ausweg aus dem täglichen Drama beim Anziehen, beim Hausaufgaben machen, beim Medienkonsum, beim Zähneputzen und bei anderen ähnlichen Konfliktsituationen mit deinem Kind, die bisher zum Alltag gehören – ein Traum, oder?

Oh nein – ich werde dir diesen Traum nicht erfüllen, denn ich kann es gar nicht. Doch wozu ich dich einladen möchte:

Konflikte leben, anstatt sie zu vermeiden. Liebevoll, respektvoll und auf Augenhöhe. Was du dazu brauchst?

Erstmal ist es wichtig, dass du dir klar machst, dass dir dein Kind das Leben nicht schwer machen möchte. Es möchte dir mit jedem Verhalten etwas mitteilen.

Auch beim Zähneputzen, Anziehen oder beim Lügen. Finde heraus, was es dir sagen möchte, statt es dafür zu verurteilen und zu bestrafen. Allein dieses Bewusstsein kann dir helfen, ab heute in Stresssituationen mit deinem Kind einen anderen Blick zu bekommen. Weniger Aggression, mehr Verständnis.

 

Wie kannst du die Gewaltfreie Kommunikation lernen?

Um den Druck raus zunehmen: die GfK ist eine Lebensaufgabe und du wirst sie nie richtig beherrschen, denn es gibt gar kein Richtig und Falsch! Auch die Art, wie du bisher mit deinem Kind umgegangen bist, ist nicht falsch oder schlecht.

Im ersten Schritt ist vor allem wichtig: beobachten statt zu bewerten.

 

Ist die Gewaltfreie Kommunikation etwas für dich?

  • Fühlst du dich in verschiedenen Situationen mit deinem Kind unwohl?
  • Möchtest du dein Verhalten deinem Kind gegenüber gerne ändern?
  • Möchtest du verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten sagen möchte, und warum du manchmal so schreist?

Dann könnte die GfK die für dich passende Strategie sein.

 

Du kannst jeden Moment und immer wieder deine Meinung ändern – du entscheidest. Du bist für dich verantwortlich. Nimm dein Leben in die Hand, so wie es dir gefällt.

 

Auch ich sitze im Boot Mama/Eltern und erlebe täglich Situationen mit meinen Kindern, die mich teilweise an den Rand meiner Geduld treiben. Ja, auch ich werde ab und an mal laut. Das bedaure ich dann sehr, doch ich bin ein Mensch und kein Roboter. Genauso wenig wie meine Kinder. Es geht nicht darum, eine gute Mutter zu sein, und in jeder Situation perfekt zu reagieren. Es geht darum möglichst empathisch zu leben – mit dir und mit deinen Mitmenschen. Die GfK hilft mir, die Mama zu sein, dich ich gerne sein möchte.

 

Empathie erzeugt Frieden. Aus Macht entstehen Kriege. Ich habe keinen Bock mehr auf den täglichen Machtkampf.

Du?

Hier also ganz offiziell meine Einladung an dich in die Welt der GfK: ab heute begleiten statt erziehen!

 

Wie geht die Gewaltfreie Kommunikation?

 

Reden wir mal Tacheles: was ist die Gewaltfreie Kommunikation? What the f*… ist bitte GfK? Entwickelt hat die GfK der amerikanische Psychologe Dr. Marshall Rosenberg. Die zwei Herzstücke der GfK sind ihre Technik und ihre Grundannahmen.

Die Technik besteht aus 4 Schritten, die du in der Regel als erstes stumm mit dir ausmachst und dann laut mit deinem Kind. Du gibst also erst dir Empathie und dann deinem Gegenüber. Warum ist das so wichtig?

Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind dich hört, ist wesentlich höher, wenn du mit dir verbunden bist. Denn bist du mit dir verbunden, verurteilst du dein Gegenüber nicht.

 

4 Schritte der GfK

Als Erstes die Selbsteinfühlung (mit dir, stumm):

  1. Situation:

Was hast du gesehen oder gehört?

Wichtig: du beschreibst, anstatt zu bewerten.

Bewertung: „Immer dieses Theater am frühen Morgen!“

Gewaltfrei (Wahrnehmung): „Wenn ich dir die Jacke anziehen möchte, läufst du weg und versteckst dich unter dem Tisch.“

 

  1. Gefühl:

Was fühlst du in der Situation?

Interpretation: „Ich fühle mich total verarscht!“

Gefühl: „Ich bin unter Druck/ sauer/ gestresst/ unsicher/…“

 

  1. Bedürfnis:

 

Was brauchst du gerade?

Strategie/Kritik: „Nie machst du das, was ich sage!“

Bedürfnis: „…weil mir wichtig ist, dass ich pünktlich bei der Arbeit bin und dass es morgens harmonisch läuft.“

 

  1. Bitte

 

Damit ist keine Forderung gemeint!

Forderung/Strafandrohung: „Bitte zieh die Jacke jetzt an, sonst gehen wir heute nach der Kita kein Eis essen!“

Bitte: „Kannst du mir sagen, was dich davon abhält die Jacke anzuziehen?“

Oder: „Bist du bereit die Jacke anzuziehen?“

 

Als Zweites die Fremdeinfühlung (mit deinem Kind, laut)

 

  1. Situation: „Ich möchte dir die Jacke anziehen und du läufst weg und versteckst dich unter dem Tisch.“
  2. Gefühl: „Bist du traurig?“
  3. Bedürfnis: „Weil du zu Hause bleiben und noch mit mir kuscheln möchtest?“
  4. Bitte: „Möchtest du noch ein wenig mit mir kuscheln bevor wir gehen?“

 

Als Drittes könnte der Selbstausdruck kommen – das ist deine Selbsteinfühlung laut. Das ist abhängig von der jeweiligen Situation und ob es wichtig ist, dass dein Kind auch dich hört.

 

Das könnte sich dann so anhören:

„Ich kuschle so gerne mit dir – komm auf meinen Schoß. Und weißt du, wenn ich dir die Jacke anziehen möchte und du dich unter dem Tisch versteckst, dann bin ich total gestresst, denn ich brauche die Sicherheit, dass wir loskommen – und am liebsten möchte ich dabei Spaß haben! Bist du bereit, dir die Jacke anzuziehen?“

Das braucht Übung. Nimm dir daher die Zeit, die du brauchst, um dich mit dieser Art zu sprechen sicher zu fühlen. Daher empfehle ich dir, außerhalb von Situationen einzelne Szenen für dich mit den vier Schritten durchzugehen.

Ich habe das am Anfang fast täglich gemacht. Abends habe ich mich mit Zettel und Stift hingesetzt und mir eine Situation des Tages raus gepickt, mit der ich unzufrieden war. Erst ging ich die vier Schritte mit mir durch, danach habe ich mich in meinen Sohn eingefühlt.

Dadurch erweiterst du deinen Gefühls- und Bedürfniswortschatz und übst diese Art und Weise der Kommunikation. So wird die GfK langsam, aber sicher ein bewusster Teil deines Lebens.

Was wäre aber die Technik der Gewaltfreien Kommunikation ohne die Grundannahmen?

Eben nur eine Technik und du würdest dich anhören wie ein Roboter! Daher hilft es, dir immer wieder folgende Dinge bewusst zu machen:

 

GRUNDANNAHMEN

  • Wir vertrauen darauf, dass jeder Mensch in sich das Bedürfnis trägt, zum Wohle der Gemeinschaft beizutragen.
  • Das Verhalten deines Kindes kann Auslöser für deine Gefühle sein, aber nicht Ursache.
  • Ursache sind deine unbefriedigten Bedürfnisse.
  • Für die Befriedigung deiner Bedürfnisse bist du verantwortlich. Die Befriedigung ist unabhängig von Personen/ Zeit/ Ort/ Handlung.
  • Jeder Mensch tut in jeder Situation das für sich Bestmögliche. Er versucht, sich mit seinem Verhalten ein Bedürfnis zu erfüllen.
  • Du kannst jeden Moment und immer wieder deine Meinung ändern.

 

Du kannst das mit Affirmationen vergleichen. Diese in deine Denkweise zu integrieren braucht ebenfalls Übung. Denn es ist schon eine Herausforderung, alte Denkmuster umzuwandeln.

 

So wendest du die Gewaltfreie Kommunikation an

Im Klartext – wie reagierst du also in folgenden Situationen?

Stress beim Anziehen am Morgen:

„Du weigerst dich gerade, die Jacke anzuziehen – kann es sein, dass du gerne zu Hause bleiben möchtest? Möchtest du noch einen Moment Mama bevor wir losgehen?“

Stress beim Abholen in der Kita:

„Kann es sein, dass heute ganz viel los war und du bist jetzt erschöpft? Möchtest du erstmal einen Moment auf meinen Schoß? Brauchst du noch einen Moment?

Je öfter du dir bewusst machst: hoppla, mein Kind macht das gar nicht, um mich zu ärgern, es möchte mir nur etwas sagen – desto leichter fällt dir der Blickwechsel. Versuch dich in die Welt deines Kindes hineinzuversetzen und begleite es auf seinem Weg durchs Leben. Was bringt dir ein Kind, das funktioniert, wenn ihr aber keine Verbindung habt?

Und ja – das dauert am Anfang, und auch Übung braucht es in stillen Momenten! Doch wenn du dir diese Zeit nicht nimmst, bleibt alles so, wie es ist. Immer genervt sein, ständige Drohungen, ständiges Bauchgrummeln.

Oder aber du gibst dir und deinem Kind die Chance, in Verbindung zu treten und ins Gespräch zu kommen. Die Chance, deinem Kind die Welt der Gefühle und Bedürfnisse zu öffnen und ihm zu zeigen, dass es ok ist, so wie es ist. Mit all seinen Gefühlen und Bedürfnissen.

 

Was sind die Grundbedürfnisse von Kindern?

Obwohl jedes Kind unterschiedlich ist, haben Kinder diese Grundbedürfnisse gemeinsam:

  • emotionale Sicherheit
  • Autonomie
  • Authentizität
  • Anerkennung
  • Respekt
  • Mitgefühl
  • Gleichwertigkeit
  • Aufmerksamkeit
  • Spielen und Lernen
  • Humor und Freude

 

Schau dir euren Alltag an und finde Möglichkeiten, wie ihr diese Bedürfnisse spielerisch im Alltag befriedigen könnt. Das wird viele Konflikte aus dem Weg räumen. Doch viele werden bleiben, und mit diesen wird dein Kind immer wieder aufs Neue prüfen: Ist da jemand, der mich beschützt? Ist da jemand, der mich liebt? Ist da jemand, der mich sieht?

Eben Strategien, um seine Bedürfnisse zu erfüllen.

 

Alltag und deine Zukunft mit Gewaltfreier Kommunikation

Diese so nervigen und haarsträubenden Alltagskonflikte sind normal und kommen in jeder Familie vor. Aber wie du damit umgehst, ist deine Entscheidung.

 

Hierzu ein kleines Beispiel aus meinem Leben mit der GfK.

Meiner fast 3-jährigen Tochter fällt es sehr schwer, sich von mir zu verabschieden. Sie lässt sich nur ungern zum Beispiel von meinen Eltern betreuen.

Meine Eltern, meine Tochter und ich sind auf dem Spielplatz gegenüber unserer Wohnung und ich möchte gerne schon das Essen vorbereiten. Daher sage ich ihr:

„Ich gehe jetzt schon mal nach Hause und mache das Abendessen für uns. Du bleibst noch hier mit Oma und Opa.“

„Neeeeeeiiiiiiiiin!“

„Oh, du möchtest gerne, dass ich auch noch bleibe? Das ich bei dir bin und mit dir spiele? Das macht dir so Spaß.“

„Ja.“

„Ich spiele auch so gerne mit dir und gleichzeitig möchte ich mich schon mal um unser Essen kümmern. Daher gehe ich jetzt schon mal rein.“

„OK – Tschühüüüüs.“

 

Ich wünsche dir viel Freude mit der GfK.

Lass uns gemeinsam die Welt ein wenig freundlicher gestalten!

Kathy

 

Für mehr Infos schaut auf Kathys Website Herzenssache vorbei.

 

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Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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