Sterne, Regenbogen und Sonnenschein

Frauen, die bewegen, gibt es viele! Doch zu wenigen hören wir aufmerksam zu. In meiner neuen Kategorie findet ihr regelmäßig Interviews mit unglaublich spannenden Frauen, die alle anders denken, aber eins gemeinsam haben: sie verbessern die Welt. Manchmal nur ihre eigene, manchmal auch unsere.

Liebe Jana,

ich freue mich sehr, dass du mitmachst und ein Teil von meiner Rubrik „Frauen, die bewegen“ wirst. Du hast eine schwierige Zeit hinter dir – ihr als Familie habt eine schwierige Zeit hinter euch. Ich finde es sehr mutig von dir, dass du deine Geschichte mit uns teilen möchtest. Danke!

Magst du kurz erzählen, wovon ich spreche?

Wir haben im letzten Jahr auf unterschiedliche Weise drei Babys verloren. Wir haben bereits eine gesunde, wundervolle Tochter und haben uns immer ein Geschwisterkind gewünscht. Ich habe selbst fünf Geschwister und konnte mir daher nie ein Einzelkind vorstellen. Schwanger zu werden war glücklicherweise nie ein Problem. Die Freude war riesig, als es wieder so schnell klappte. Ängste oder Zweifel hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch bei der Vorsorgeuntersuchung in der 10ten Schwangerschaftswoche fühlte ich mich körperlich fast zu gut. Die Müdigkeit und die Übelkeit waren seit einer Woche nicht mehr präsent.

Ich saß mit einem schlechten Gefühl im Wartezimmer. Und als ich kurz darauf auf den Bildschirm schaute, instinktiv sofort das Herz suchend, sank ich innerlich zusammen. Das Herz hatte aufgehört zu schlagen.
Es war sehr schwer, den Gedanken zuzulassen. Ich entschied mich für eine OP, da das Baby schon länger nicht mehr gewachsen war und bisher nicht von alleine abgegangen war. Die Zeit danach war sehr schwer. Doch unsere kleine Tochter gab uns die meiste Kraft und den Mut, es wieder zu probieren.

Im Sommer, passend zu unserer Hochzeit, war ich dann erneut schwanger. Doch kurz darauf verloren wir es wieder. Dieses Mal auf natürliche Weise und auch sehr früh. Es hatte sich kein Embryo gebildet. Dieser erneute Verlust, so schwer er war, stärkte meinen Willen. Wir wünschten uns so sehr ein zweites Kind. Kurz darauf wurde ich wieder schwanger. Dieses Mal hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl.  Die Vorsorgeuntersuchungen liefen gut.

In der 13ten Schwangerschaftswoche ging ich gemeinsam mit meinem Mann und unserer Tochter zur Vorsorge. Die Ärztin wurde still. Und ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie entdeckte eine sehr stark vergrößerte Nackenfalte. Zudem einen Herzfehler und der Darm trat aus. Auch ich sah sofort, dass das Baby nicht so entwickelt war, wie es sein sollte.

Wir bekamen sofort einen Termin im Zentrum für Pränatalmedizin und entschieden uns für eine weiterführende Diagnostik. Wir hatten damals das Wochenende um uns zu beruhigen, zu ordnen, zu besprechen wie es weiter gehen kann. Ein paar Tage später wurde meine Vermutung und die des Arztes bestätigt. Eine freie Trisomie 18.
Wir haben uns dazu belesen, viel geweint, fühlten uns ohnmächtig, eine Entscheidung zu treffen. Doch die mussten wir bald treffen. Noch bestand die Möglichkeit einer OP. Es folgte ein Gespräch bei den Humangenetikern und ein paar Tage darauf fand die OP statt. Die kleine Minna verließ uns. Weil wir es so entschieden hatten. Unter anderen Umständen hätte ich sie gerne ausgetragen, so lange es ging. Und sie sogar vielleicht kurz kennenlernen dürfen. Doch wir mussten als Familie entscheiden.
Und für uns war es so der Beste, wenn auch sehr schwerer Weg.

 

Wie geht es dir jetzt? 

Heute geht es mir gut. Ich sitze hier mit einer kleinen Kugel auf dem Sofa und lausche in mich hinein. Der Verlust schmerzt mich dennoch sehr. Ich denke oft an die kleine Minna und ich fühle mich manchmal noch schuldig. Aber ich weiß auch, dass es die richtige Entscheidung war.

 

Nun seid ihr endlich bald zu viert – es scheint als würde eure Gesichte ein Happy End haben. Fühlt es sich für dich auch so an?

Ja, es fühlt sich wirklich nach einem Happy End an. Wir haben die Hoffnung nie verloren. Auch dank der Unterstützung meiner Familie, sehr lieben Freunden und einer ganz tollen Frauenärztin.

 

Hast du trotzdem noch Angst, dass etwas passieren könnte?

Die ersten Wochen dieser Schwangerschaft waren sehr schwer. Ich konnte mich nicht voll und ganz darauf einlassen und fühlte mich oft unsicher, hatte Ängste. Doch mit jeder Woche wurde es besser. Und jetzt, in der 21ten Schwangerschaftswoche, fühle ich mich endlich angekommen. Ich genieße jeden Tag, freue mich über jede Bewegung, die ich spüre und habe große Lust, die Wickelkommode einzusortieren und Vorbereitungen zu treffen.

 

War es für dich von Anfang an klar, dass du anderen Sternenmamas mit deiner Geschichte Mut machen möchtest?

Ich habe damals, nach der ersten Fehlgeburt, lange überlegt. Doch in vielen Gesprächen mit Müttern, Freundinnen und Bekannten fühlte ich, wie präsent das Thema eigentlich ist, es jedoch kaum thematisiert wird. Aus Angst, aus Scham, aus Trauer. Ich habe unzählige Frauen kennengelernt, die diese Erfahrung gemacht haben. Und im Gespräch merkte man, wie entlastend es sein kann, diese Gefühle zu teilen.
Daher schrieb ich damals einen Post.

 

Gab es nach deinen Fehlgeburten einen Zeitpunkt, an dem du nicht mehr wolltest?

Ja. Den gab es auf jeden Fall. Nach dem Verlust von Minna machte sich eine große Ohnmacht breit. Auch mein Mann beschrieb dieses Gefühl. Doch der Glaube daran, dass da jemand zu uns möchte, und es aus irgendeinem Grund nur nicht schafft, gab mir Hoffnung. Das klingt jetzt vielleicht etwas seltsam, aber diese Worte von meiner Mutter halfen mir, nicht den Mut zu verlieren.

Besonders schwer war es auch, die körperlichen Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt, auch ohne Baby im Bauch, weiterhin an sich wahr zu nehmen. Mein Bauch wächst in der Schwangerschaft immer recht schnell und nach dem Abort in der 14ten Schwangerschaftswoche im September, hatte ich eine kleine, nicht zu übersehende Kugel. Es dauerte viele Wochen, bis der Bauch sich zurückgebildet hatte. Diese Phase war besonders schwer, denn er fühlte sich einfach nur wie eine leere Hülle an. In der Öffentlichkeit, auf dem Spielplatz, in der U- Bahn die Blicke der Menschen zu sehen, schmerzte immer wieder. Es waren oft freudige, mitfühlende Blicke von anderen Müttern. Ich wurde mehrfach von Nachbarn und Bekannten angesprochen. Je öfter dies passierte, umso besser konnte ich jedoch damit umgehen und es half mir im Trauerprozess.

 

Gab es eine Methode/Behandlung, die euch geholfen hat, nun „erfolgreich“ schwanger zu sein?

Da es keinen klaren Grund für die Fehlgeburt und die Trisomie 18 gab, bestand keine Möglichkeit, etwas vorbeugend zu unternehmen. Die Gefahr einer erneuten Trisomie 18 war nicht erhöht.
Meine Frauenärztin empfahl mir, in den ersten Monaten der Schwangerschaft Progesteron einzunehmen, da ich evtl. einen Mangel habe.
Gespräche mit dem Partner, der Frauenärztin und der Beleghebamme halfen mir, positiv zu bleiben.

 

Wie kannst du mit diesem wahnsinnigen Verlust umgehen?

Wir haben uns einen kleinen Altar gebaut. Dort steht ein Ultraschallbild der kleinen Minna. Ihr einen Namen gegeben zu haben, gibt dem Ganzen mehr Bedeutung und macht sie zu einem Teil unserer Familie. Gespräche mit der Familie und Freunden haben uns geholfen. Ich habe lange überlegt, professionellen Rat zu holen, hab mich dann aber doch dagegen entschieden.

 

Hat Dir euer Weg gezeigt, dass man nie aufgeben darf? 

Ja. Auch wenn es im nahen Umfeld immer mal wieder zu Äußerungen kam, die diesbezüglich kritisch waren, bin ich froh, den Mut nicht aufgegeben zu haben. Es hat mich unglaublich gestärkt und reifen lassen und umso mehr genieße ich nun dieses kleine Wunder.

Hast du durch deine Fehlgeburt Kontakt mit anderen Sternenmamas gesucht? Hast du einen Tipp für andere betroffenen Frauen? 

Ich habe auf Instagram viele Nachrichten erhalten, nachdem ich über Minna geschrieben habe. Der Austausch tat sehr gut und gab mir Kraft. Eine Selbsthilfegruppe habe ich nicht besucht. Ich glaube mir half besonders der Glaube, meine Familie, ganz besonders mein Mann und meine Tochter. Sie ist der beste und wundervollste Beweis dafür, dass es für uns möglich ist, ein gesundes Kind zu bekommen.
Ich glaube einen richtigen Rat gibt es bei diesem schwierigen Thema nicht.
Außer dass es sich lohnt, zu kämpfen und den Mut nicht zu verlieren.

 

Liebe Jana, ich freue mich so sehr für euch. Danke, für deine Offenheit. Ich wünsche euch alles Glück der Welt und eine tolle restliche Kugelzeit.

Jana findet ihr auf Instagram unter: www.instagram.de/jenna_believein

 

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Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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