Kaiserschnitt – Ist das nur der einfache Weg? TEIL 2

geschrieben von Malú Voß

Ich brauchte einen Moment, um die Worte zu verstehen und geriet in Panik. Was stimmte nicht? War etwas mit dem Baby nicht in Ordnung? Mein Mann war so auf mich konzentriert, dass er die Aussage des Arztes gar nicht mitbekommen hatte. Ich wiederholte immer und immer wieder, dass etwas nicht stimmt. Irgendwas lief schief. Dann stürmten auch schon lauter weitere Menschen in den OP. Unter Anweisungen wurde weiter geruckelt und dann endlich – der Babyjunge war draußen. Doch es blieb ruhig, er schrie nicht. Der Mini wurde von den Kinderärzten genommen und in den Nebenraum gebracht. Und da blieb er. Gefühlt eine halbe Ewigkeit. 

Ich fragte, was mit ihm sei, aber bekam keine Antwort. Alle im Raum waren beschäftigt. Ich hyperventilierte. Brauchte Sauerstoff und erbrach vom Beruhigungsmittel. Mein Baby war nicht da und keiner sagte, was mit ihm ist. Dann endlich; ein Kinderarzt kam zurück und erzählte was von Anpassungsschwierigkeiten. Er brachte mir meinen Sohn und legte ihn mir auf die Brust. Er war ganz still und blinzelte. Dann fiepte er. Er fiepte bei jedem Atemzug. Der Kinderarzt nahm ihn an sich und unterbrach unser Kennenlernen: „Ihr Sohn schafft das mit dem Atmen noch nicht allein. Das Bonding bringt leider nicht den gewünschten Effekt. Wir müssen ihn mit auf die Neo nehmen.“ sagte er und ging. Mein Mann und ich schauten uns an und er lief hinterher. Ich rief ihm zu, er dürfe unser Baby nicht aus den Augen lassen. Danach brach ich zusammen. Überrollt von den Geschehnissen fing ich unkontrolliert an zu zittern und zu weinen. 

Es redete keiner mit mir. Lediglich nach der OP sagte der Arzt nochmal, dass ihm der Verlauf leid täte und dass sicher alles gut werde. Und so wurde ich in den Kreißsaal geschoben. Allein. Unfähig, mich zu bewegen. Ohne Informationen, wie es meinem Sohn ging. Ich klingelte nach einer Hebamme, doch die entgegnete lediglich, dass auf der Neo zurzeit so viel zu tun sei, dass sie da jetzt auch nicht anrufen könne. Es zerriss mich innerlich. Vor Erschöpfung bin ich immer wieder weg genickt, doch jedes Mal, wenn ich aufgewacht bin, existierte weiterhin diese bittere Realität: Ich hatte vor Stunden ein Baby geboren, von dem ich nicht wusste, wie es ihm mittlerweile ging. 

Nach 2,5 endlos langen Stunden kam mein Mann endlich zu mir. Ich brach erneut weinend zusammen und fragte, was mit dem Zwerg war. Nachdem er mich einigermaßen beruhigt hatte, konnte ich aufnehmen, dass alles gut war. Ja – der Wurm war auf der Neo. Aber lediglich, um ihn beobachten zu können. Er hatte einige Klebesonden auf seinem Körper verteilt und einen Sauerstoffmesser. Aber das war es. Er war gesund. Ich konnte es nicht glauben. Mir hatte keiner Bescheid gesagt. Ich lag eine unendlich lange Zeit allein im Zimmer und keiner hatte mir Entwarnung gegeben. 

Mein Mann war – wie besprochen – nicht von der Seite unseres Sohnes gewichen und ist davon ausgegangen, dass ich diese Info bekomme. Nur weil ihm irgendwann die Zeit sehr lange vorkam, ist er los, um mich zu suchen. Wir waren fassungslos. Er versprach mir, dass nun alles gut wird und verschwand nochmal. Er organisierte umgehend, dass mein Bett – von dem ich mich weiterhin unter Narkose nicht bewegen konnte – auf die Neo gerollt wird, damit ich endlich unseren zweiten Jungen so richtig begrüßen konnte. Und so saß ich, 3 Stunden nach der Geburt, endlich mit meinem Kind auf dem Arm in einem Raum voller Monitore und konnte ihn so richtig angucken. Kuscheln. Stillen. 

Noch am selben Abend wurde ich samt Zwerg auf die normale Station entlassen und durfte nach wenigen Tagen nach Hause – so aufregend der Start auch war, erholten wir uns beide, körperlich, sehr gut und schnell. Womit wir bei dem Thema wären, was nachhaltiger währt. Meine Psyche. Ich mache mir vor allem Vorwürfe: Hätte ich eine natürliche Geburt anstreben sollen und damit diesen schwierigen Start verhindern können? War es doch dieser verdammte Kaiserschnitt, der uns beim letzten Mal so viel Glück und dieses Mal so viele Schreckensmomente gebracht hat. 

So sehr ich es auch versuche, bekomme ich diesen holperigen Start nicht verdaut. Hierfür stehe ich noch heute in engem Kontakt mit meiner Hebamme. Mit ihr habe ich nun nach fünf Monaten den Mut gefasst, meinen Geburtsbericht in der Klinik anzufordern. Sobald wir diesen haben, werden wir ihn Stück für Stück durchgehen und somit hoffentlich alle Unklarheiten und offenen Fragen beantworten. Und falls nicht, hat sie mir bereits eine Kollegin genannt, die sowohl eine therapeutische als auch eine Hebammenausbildung hat. Sie ist darauf spezialisiert, Geburtstraumata zu behandeln und bei der Verarbeitung zu unterstützen. 

Es gibt also Hilfe – ihr tapferen Frauen, traut euch, diese anzunehmen. Viel zu oft kommt es unter der Geburt zu Vorkommnissen, die nicht einfach mit einem Babylächeln aus der Welt verschwinden. Und das ist keine Schmach; das ist Leben. Und egal, welche Variante der Geburt ihr erlebt – sie alle sind anstrengend, fordernd und unvorhersehbar und gemütlich ist sicherlich keine. Am Ende ist es das kleine Wunder, das zählt – und genau ihr habt ihm auf die Welt geholfen.

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Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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