Kaiserschnitt – Ist das nur der einfache Weg? TEIL 1

geschrieben von Malú Voß

Ich hatte mit dem ersten Zwerg eine traumhafte Schwangerschaft. Ich blieb von Übelkeit verschont, der Mini entwickelte sich ganz prächtig und bis auf ein bisschen Sodbrennen zum Ende hin, hatte ich keinerlei Probleme. Die Ärztin stellte bereits relativ früh fest, dass der Minimensch gar nicht mal so mini ist und sich in seiner Körperlänge stark an seinem Papa orientiert, der knapp an der 2-Meter-Marke kratzt.

Als wir im dritten Trimester angekommen sind, hatte sich an dieser Prognose nichts geändert und so wurde ich sicherheitshalber um die 36. Woche ins Krankenhaus geschickt, um hier alles Weitere zu besprechen. Während ich noch mit einem guten Gefühl ins Krankenhaus hinein ging, kam ich ziemlich hilflos wieder heraus. Beim Ultraschall wurde (oh Wunder!) erneut festgestellt, dass der Zwerg sehr groß ist und ich wurde mit den Worten entlassen: „Sie sollten sich über einen Kaiserschnitt Gedanken machen. Wir können Ihnen nicht dazu raten, das dürfen wir nicht, aber wir müssen Sie darauf hinweisen, dass eine natürliche Geburt unter diesen Umständen vermutlich gefährlicher wird. Bitte entscheiden Sie, ob Sie den Kaiserschnitt wollen und melden Sie sich bei uns.“ 

Wir sollen das entscheiden? Ich soll jetzt aus dem Bauch heraus sagen, welche Art der Geburt für mich, für uns, die bessere, die effizientere, die sichere ist? Ich war restlos überfordert. Die kommende Woche wurde ich immer wieder von meinen Emotionen überrollt. Ich wünschte mir die natürliche Geburt. Was sollte ich tun? Zum einen wusste ich aus Erzählungen und Recherche, dass die Ärzte sich oft vermessen und viele dieser Kaiserschnitte im Nachhinein nicht nötig gewesen wären. Dies sprach für eine natürliche Geburt. Auf der anderen Seite schwang natürlich die Angst mit. Angst, für Stunden in den Wehen zu liegen, um im Endeffekt einen Notkaiserschnitt haben zu müssen, da irgendetwas irgendwo fest steckte. 

Ich tendierte nach kurzer Bedenkzeit zum Kaiserschnitt. Einfach, weil ich das Gefühl hatte, dass es das war, was mir die Ärztin durch die Blume geraten hat. Und doch hielt mich ein Gedanke zurück: Ist das nur der „einfache“ Weg? Wenn ich mich für diesen Kaiserschnitt entscheide, bin ich dann eine schlechtere Mutter? Eine schwächere? 

Mein Gedankenkarussell nahm Fahrt auf. Bauch gegen Kopf. Kopf gegen Bauch. Mein Mann war entzückend. Er unterstützte mich und wehrte sich dennoch entschieden gegen die Behauptung, der Kaiserschnitt wäre „der einfache Weg“. Mit seinem Zureden entschied ich mich schließlich: ich machte einen Termin für den Kaiserschnitt und eine Woche vor ET war es soweit. Ich hatte eine kurze Zusammenfassung bekommen, wie in etwa alles ablaufen sollte und am geplanten Tag um 10:17 Uhr lag ein gesunder kleiner, großer Junge auf meiner Brust im OP und blinzelte mich an. Ein Wahnsinnsaugenblick. Trotz OP-Atmosphäre hatten wir drei, mein Mann, der Zwerg und ich, einen ganz wundervollen Kennenlernmoment. Nach 20 Minuten verließ der Mini den OP. Während ich also noch geflickt wurde, gingen meine beiden Jungs schonmal in den Kreißsaal und kuschelten.

Für den Papa unbeschreiblich schön und auch ich war selig; hatte ich unseren Jungen doch quasi direkt aus dem Bauch auf die Brust gelegt bekommen, konnte ihn begutachten und kuscheln und wusste auch danach, dass er in besten Händen ist. Besser hätte es nicht laufen können – zumal ich kurz darauf folgende Information bekam: Der Zwerg hatte seine Nabelschnur zweimal um den Hals gewickelt. Niemals hätte er die Geburt unbeschadet überstanden. Danke für die heutigen medizinischen Möglichkeiten. DANKE liebes Bauchgefühl. Für ein gesundes Kind!

Kommen wir zur Geburt von Nummer Zwei. Gleiches Szenario. Schicke Schwangerschaft – großes Kind. Auch hier wieder meine Wunschvorstellung einer natürlichen Geburt. Auch hier wieder Bedenken der Ärzte. Zumal meine Kaiserschnittnarbe von Nummer Eins immer dünner, aber das Kind immer größer und schwerer wurde. Ein erneutes Klinikgespräch fand statt, in Folge dessen ich mit einem Termin zum Kaiserschnitt hinausmarschierte. Ich hatte mich entschieden, den Ärzten diesmal blind zu vertrauen. Diesmal fühlte es sich auf eine Art besser an; ich wusste, was da auf mich zu kommt. Auf der anderen Seite war es schlimmer. So bedeutete ein zweiter Kaiserschnitt schließlich, auf immer den Wunsch einer natürlichen Geburt zu begraben. Dennoch saß ich erneut eine Woche vor ET im Krankenhaus mit OP-Hemd an und meinem Mann an meiner Seite.

Zuerst verlief alles wie schon zwei Jahre zuvor. Die Narkose wurde schmerzfrei gesetzt, die Anästhesisten waren sehr nett, die Hebamme stand mit Handtüchern bewaffnet in Position – alles nahm seinen gewohnten Lauf. Bis der operierende Arzt anfing, unruhig zu werden. An meinem Bauch wurde getuschelt. Es wurde geruckelt. Und nach endlos langen Minuten rief der Arzt die Worte, die ich nie vergessen werde: „Ich brauche hier Hilfe. Piepen Sie Dr. X und Dr. Y an. Die sollen schnell kommen und müssen helfen. Und rufen Sie auf der Neo an, wir brauchen hier zwei Kinderärzte.“ 

Teil 2 folgt…

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Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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