Frühlingsgedanken – Rasieren, Sex, Atmen

Die Sonne scheint mir ins Gesicht und hinterlässt eine kleine Gänsehaut. Auf meinem Arm erkenne ich kleine Glitzerpartikel, die sich in meinen Haaren verhangen haben – die Spangen von Alma krümeln anscheinend nicht nur auf ihrem Kopf. Meine Haare kitzeln mir im Gesicht und ich genieße die Stille, die mir gerade bewusst macht, dass ich auch mal allein sein kann. Hier gerade auf dem Balkon unserer neuen Wohnung blicke ich auf das wieder grün werdene Gras, die kleinen Knospen an den Bäumen und lausche dem Wind. Mir wird klar: Gerade jetzt, gerade heute ist der perfekte Tag, um neu anzufangen. Einen neuen Tag zu beginnen und ihn so zu leben, wie keinen davor. Denn dieser Tag wird perfekt!

Der Frühling steht vor der Tür, das Licht kommt wieder und neue Energie breitet sich aus. Wir erwachen aus unserem Winterschlaf und können wieder klarer denken. Diese Zeit ist wohl die schönste im Jahr. Wenn man sich noch über jeden Sonnenstrahl freut, auch gerne mal friert, nur um endlich mal wieder die dünne Jacke anzuziehen, morgens fünf Minuten länger im Bad braucht, um sich endlich mal wieder die Beine zu rasieren, sich nicht überwinden muss, noch-Sex-zu-haben, sondern gerne Spaß-zu-zweit hat und der Wunsch nach Bewegung und Natur immer größer wird.

Aufwachen. Das wohl treffendste Wort für mich in diesen Tagen. Passend dazu habe ich heute einen Podcast gehört, bei dem es sich um die Einstellung zum Leben dreht und was es eigentlich für einen Unterschied machen würde, wenn wir mit dem Wissen umgehen müssten, dass wir nur noch ein Jahr zu leben hätten. Ein Jahr – und dann ist alles vorbei. Ein makabreres Projekt, dass Alexandra Reinwarth für ein Jahr ausprobiert hat und sich selber ein Ultimatum gesetzt hat: du lebst ab jetzt so, als ob du in 365 Tagen stirbst. Ein Experiment, das ihr gezeigt hat, dass wir, wenn wir mit einer anderen Denkweise an unser Leben gehen, vieles so viel klarer sehen können. Wir treffen Entscheidungen in erster Linie nicht mehr für andere, sondern für uns. Für das was uns wichtig ist. Die Prioritäten verändern sich. Wir wachen auf. Mehr von ihrem Experiment könnt ihr in ihrem Buch lesen.

Ein wirklich spannendes Thema, das mich sehr beeindruckt. Denn mit dieser Denkweise relativiert sich alles so sehr. Sorgen, die keine wirklich Sorgen sind, verschwinden. Menschen, die nicht gut sind, die am Ende unseres Lebens nicht an unserem Grab stehen werden, verschwinden aus unserem Leben. Die Liebe gewinnt immer.

Ich sagte ja: keine leichte Kost und doch so ein toller Denkanstoß. Für mich waren diese Worte heute wie Medizin. Medizin, die mich mal wieder klarer sehen ließ, denn viel zu oft sehe ich noch den Winter, obwohl doch schon länger Frühling ist. Mich packt also gerade diese neue Energie. Ich habe wieder richtig Lust, mir etwas Gutes zu tun. Mich morgens aus dem Schlafanzug zu pellen, um mich einfach für mich selber wohlzufühlen. Ich habe Lust, mir die Nägel zu lackieren, joggen zu gehen und endlich mal wieder in Ruhe ein Buch zu lesen. Ich nehme mir fest vor, dass ich mir in meinem Kopf einen Feierabend einrichten muss, um auch mal abzuschalten. Außerdem – und vielleicht der wichtigste Punkt – ich möchte mich nicht mehr ärgern. Nicht mehr ärgern, wenn ein Kunde mal wieder viel zu spät zahlt, ein Auto mich im Straßenverkehr nicht reinlässt oder der Kühlschrank kaputt geht. Wenn ich diese Vorhaben im Frühjahr schaffe umzusetzen, kann mich so schnell nichts mehr umwehen.

Mir ist klar: in 365 Tagen, wenn ich wieder hier auf dem Balkon sitze und die ersten Sonnenstrahlen in meinem Gesicht spüre, möchte ich auf ein Jahr zurückblicken, dass ich so gelebt habe, als wäre es mein letztes. Voller schöner Momente, einer glücklichen Familie, einer Arbeit, die mich erfüllt, aber nicht auffrisst und ganz viel frischer Luft, die ich langsam und achtsam in mich einatme. Ja… das wäre schön!

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

2 Kommentare zu „Frühlingsgedanken – Rasieren, Sex, Atmen“

  1. Ach Nina , Danke für den schönen Denkanstoß am Sonntag Morgen. Gestern hab ich mich nocht geärgert , dass ich heute arbeiten muss – an einem Sonntag. Aber eigentlich kann ich doch so froh sein einen so tollen Job zu haben.
    Die Lederjacke war heute Morgen ganz schön frisch , aber mit so viel Sonne im Gesicht und einem heißen kaffe in der Hand habe ich wirklich gern ein bisschen gefroren auf dem Weg zur Arbeit !
    Schönen Sonntag euch ☀️😊

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