Lenis Hausgeburt

In meiner ersten Schwangerschaft lehnte ich eine Hausgeburt strikt ab. Noch immer ist diese Art Geburt nicht mein Fall und das, obwohl ich meine Vorurteile abgelegt habe, informierter bin und es mir wirklich schön vorstelle – wie Leni – zuhause zu gebären, mal ganz abgesehen davon, dass ich kein Kind erwarte. Und doch brauche ich die Schulmedizin – Ärzte für den Notfall – damit ich mich sicher fühle. Eine Typsache, die wirklich jeder für sich entscheiden muss. Ich habe Leni, die eine Hausgeburt plant, gefragt, ob sie uns ein bisschen darüber erzählen mag. Vielleicht ist eine intime, natürliche Geburt (die nur mit einer Hebamme stattfindet) bei dem ein oder anderen schon länger im Kopf. Lasst euch inspirieren:

Geschrieben von Lena (@leallou

Kerzen, Räucherstäbchen und leise Musik. So romantisch stellen sich die meisten eine Hausgeburt vor. Und klar, eine schöne Vorstellung ist es allemal. Aber für uns gibt es da noch eine ganze Menge anderer Gründe, aus denen wir uns für eine Hausgeburt entscheiden.

Als ich 7 Jahre alt war, hat meine Mama meine Schwester zuhause bekommen. In unserer kleinen Dachgeschoss-Mietwohnung. Ich war nur ein paar Stunden bei meinem Onkel, wir haben einen Film geguckt und sind nach drei Stunden Schlaf ganz aufgeregt und mit zu vielen Chicken Nuggets im Bauch wieder zu uns nach Hause gefahren. Und da war sie, meine kleine Schwester. Wir konnten die erste Zeit als Familie genießen, haben gekuschelt und einander kennengelernt.

Im November 2016 wurde ich schwanger mit meinem Sohn, dem Joshi, und mir war klar: Das möchte ich auch. Zuhause. In den eigenen vier Wänden. Allerdings hatte ich ehrlich gesagt keine Ahnung, wie die Hebammen Situation ist und war somit in der 12. Woche leider viel zu spät dran. Keine Chance auf eine Hausgeburtenhebamme. Auf die Welt kam Joshi dann im Krankenhaus. Und obwohl alles in einem Dammschnitt-Saugglocken-Szenario endete, war die Geburt größtenteils schön. Irgendwie. Aber eben nicht so selbstbestimmt, wie ich es mir gewünscht hatte!

Da saß ich also, Anfang Juli diesen Jahres, mit einem positiven Schwangerschaftstest in der Hand, griff zum Telefon und wählte die Nummer der Hebamme, die mir von meiner Nachsorgehebamme empfohlen wurde. Wir sprachen kurz, es hat sofort Klick gemacht und ich wusste „Die ist es!“.

Einen Monat später kam sie vorbei, zum ersten Kennenlernen. Für mich war klar: die Vorsorge möchte ich mit ihr machen. Bei uns zuhause. Schließlich soll sie einen der intimsten Momente in unserem Leben begleiten, da würde ich sie schon gern ein bisschen besser kennenlernen. Frauenarzt brauche ich dieses Mal nicht.

Und da stand sie dann, barfuß, nahm mich in den Arm und blieb fast 1,5 Stunden. Wir tranken Tee und quatschten. Auch nach drei weiteren Treffen könnte ich kaum glücklicher sein. Es interessiert sie nicht, wie viel ich in den vier Wochen seit der letzten Vorsorge zugenommen habe. Ich muss nicht in einen Becher pullern und es wird auch nicht jedes Mal Blut abgenommen. Ich muss mich nicht ins Auto setzen und in die Stadt fahren (mit Kleinkind wohlgemerkt), keinen Parkplatz bezahlen und ewig in einem Wartezimmer hocken. Außerdem muss ich mich bisher nicht nackig machen und spare mir, alle vier Wochen auf dem Pflaumenbaum zu sitzen, während mir jemand da unten hereinleuchtet.

Wir können einfach zuhause bleiben, wenn es losgeht.

Müssen uns keine Gedanken machen, ob wir denn auch alles in die Kreißsaaltasche gepackt haben.

Die Vorstellung, nach der Geburt in die eigene Dusche zu hüpfen und sich danach ins eigene Bett kuscheln zu können ist natürlich noch die Krönung des Ganzen.

Das Wichtigste ist aber: Es ist nichts in Stein gemeißelt. Sollte ich am Tag der Geburt das Gefühl haben, dass ich lieber ins Krankenhaus möchte, dann fahren wir los!

Da verlasse ich mich einfach auf mein Bauchgefühl.

Was ich jetzt schon sagen kann: Die Betreuung in der Schwangerschaft ist genauso, wie ich es mir gewünscht habe!

Inzwischen ist die Hälfte der Schwangerschaft um. Wenn weiterhin alles so reibungslos verläuft, dann darf ich im März unseren zweiten kleinen Menschen auf die Welt bringen. Mit meinem Mann und dieser großartigen Frau an meiner Seite. In unserem zuhause. Einer kleinen muckeligen Dachgeschosswohnung. Vielleicht machen wir ja sogar ein paar Kerzen an.

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Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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