Vollblutmama trotz Krippe – wir lieben die Kitazeit!

Mein Kind ist 13 Monate alt und jetzt ein Krippenkind. Ein Satz, der für mich nicht wirklich schlimm klingt, aber bei manchen so einiges bewirken kann… Verständnislose Blicke sind da noch das kleinste Übel. Letztens musste ich mir eine Hand auf meiner Schulter gefallen lassen, die Mitgefühl ausdrücken sollte. Geldprobleme sind noch der beste Grund, um zu rechtfertigen, warum man sein Kind Fremdbetreuen lässt. Doch wenn ich sage, weshalb wir Alma wirklich so früh in die Kita geben, muss ich mir ein dickes Fell zulegen. Denn bereichernd und förderlich kann – nach den Meinungen unserer Gesellschaft – so eine Kindertagesstätte im Kleinkindalter wirklich nicht sein.

Noch während meiner Schwangerschaft habe ich nach einer Kita für Alma gesucht. Dass das in Hamburg überhaupt nicht einfach ist, könnt ihr hier nachlesen. Und doch war für mich klar, dass mein Kind mit einem Jahr in die Fremdbetreuung gehen wird – vorausgesetzt, sie zeigt mir klar und deutlich, dass sie dafür bereit ist. Mit dieser Entscheidung bin ich übrigens nicht alleine. Fast jede Kita bietet Krippengruppen an, in denen Kinder unter drei Jahren betreut werden und diese Gruppen sind genauso voll, wie die für ältere Kinder. Nicht ohne Grund ist es schwer einen Kitaplatz zu finden.

Trotz der großen Nachfrage ist es für Außenstehende oft eine Schande, wenn wir Eltern unsere kleinen süßen Kids für ein paar Stunden am Tag abgeben. Jeder kennt wohl die Negativ-Stimmen, die probieren, einen ein schlechtes Gewissen zu machen. Der Höhepunkt der Anti-Fremdbetreuungs-Fraktion findet jedoch – wie immer – in den sozialen Netzwerken statt. Wie oft standen mir die (nicht vorhandenen) Rückenhaare zu Berge, wenn ich von selbsternannten „Vollblutmüttern“ gelesen habe, die es als ihren Job ansehen, ihre Kinder immer bei sich zu haben und es verantwortungslos und nicht kindgerecht finden, wenn das Kind nicht immer und ständig bei der Mutter ist. Ihr kennt meine Meinung: Mütter können und müssen für ihre eigenen Kinder entscheiden und genau dann aufhören ihren Mund aufzumachen. Denn kein anderer (erst recht keine Instagram-Mama) kann entscheiden, was für unsere Kinder das Beste ist. Uns sollte aber allen klar sein, dass ein früher Kitastart nichts damit zu tun hat, ob man (k)eine Vollblutmama ist.

Es gibt eigentlich nur einen Grund, weshalb akzeptiert wird, wenn wir erklären, dass unser Kind früh betreut wird. Einen Grund, der akzeptabel ist und der verständnisvoll abgenickt wird: der Job ruft. Nach einem Jahr Mama-Auszeit werden viele wieder zurückgerufen und müssen ihren alten Job antreten, um Geld zu verdienen. Auch bei mir ist der Aspekt, dass ich wieder vernünftig arbeiten möchte (und muss) ein Grund, weswegen es mir überhaupt nicht schwergefallen ist, unsere Alma in einer Kindertagesstätte anzumelden. Und doch ist die Arbeit nicht ausschlaggebend. Viel mehr sehe ich Alma mit anderen Kindern zusammen. Zusammen spielen, toben, Quatsch machen. Sehe sie mit Erzieherinnen, die sich ihr annehmen. Sehe Alma als eigenständigen kleinen Menschen, der sich auch schon ganz klein von mir lösen darf. Immer mit dem Wissen, dass ich nicht gehe, ohne schnell wieder zu kommen. Für mich bedeutet Kita viel mehr als: Zeit für mich und meinen Job. Für mich bedeutet Kita: Sozialkompetenz, Eigenständigkeit, altersgerechte Spielmöglichkeiten, Entwicklung, Freundschaft und Selbstvertrauen. Dinge, die ich Alma nur zu Bruchteilen zu Hause ermöglichen könnte.

Ich bin in der glücklichen Situation, dass es auch anders gehen würde. Ich könnte Alma noch weitere ein, zwei Jahren zu Hause behalten und immer dann arbeiten, wenn sie schläft, oder dann, wenn der Papa abends da ist. Könnte mit ihr Spielgruppen besuchen und Spielplätze gleichaltrige Kinder kennenlernen. Natürlich wäre das auch ein sehr schönes Leben für Alma – mit Mama immer an ihrer Seite. Und doch würde ich im Hinterkopf haben, dass sie niemals das bei mir bekommen kann, was sie in einer Kita bekommt. Meine Liebe und Zuneigung erfährt sie durch den vier- bis sechsstündigen Kitabesuch nämlich nicht weniger.

Ich habe mit einer Expertin, selbst Erzieherin und Mutter, gesprochen und mir ihre Meinung zum Thema „Kitastart mit einem Jahr“ eingeholt. Sie sagt, dass ein Krippenstart mit einem Jahr dann eine gute Entscheidung ist, wenn die Bindung zu den Eltern sehr stark ist und man als Eltern das Gefühl hat, dass die Bezugsperson in der Kita eine ebenfalls starke Bindung zu dem Kind aufbauen kann. Sie sagt, dass es wichtig ist, dass die Kleinen in den ersten Jahren noch viel Aufmerksamkeit bekommen und Halt spüren, der gewährleistet sein muss, um einen erfolgreichen Kitastart in jungen Jahren zu erreichen. Wichtig ist, dass alle ein gutes Gefühl haben und das Wesen des Kindes für eine Krippe gemacht ist.

Die Worte der Expertin unterschreibe ich als Mama komplett. Denn nur, wenn mein Kind offen und unternehmungslustig ist, gut mit anderen Kindern klarkommt und sich von mir wegbewegt, kann ich mit guten Gefühls einen Krippenbeginn starten.

Alma ist so ein Kind. Möchte entdecken und losziehen. Bleibt auf dem Spielplatz zwar immer in meiner Nähe, aber lieber bei anderen Kindern, als bei mir. Sie schaut gerne zu und macht nach. Vorsichtig, aber neugierig, möchte sie die Welt entdecken.

Und genauso haben auch unsere ersten Tage in der Kita begonnen. Alma zeigt, wer sie ist: bleibt erstmal vorsichtig sitzen, beobachtet und macht dann nach. Unsere Eingewöhnung – in der wirklich schönsten Kita, die ich mir für Alma hätte vorstellen können – geht nun schon seit zwei Wochen und läuft gut.  Alma weint zwar, wenn ich gehe, lässt sich aber im Arm ihrer lieben Bezugsperson sofort beruhigen. Dann spielt sie ausgelassen, teilt ihr Frühstück mit den anderen Kindern und räumt die kleine Kinderholzküche aus. Im Moment komme ich nach einer Stunde Trennung wieder und erwische mein spielendes Kind zwischen den anderen fünf Stöpseln in ihrer Gruppe. Alma kommt dann sofort ganz schnell auf mich zu und drückt mich fest an sich. Natürlich ist es am schönsten mit Mama, aber ohne Mama – das merke ich – ist es lustiger!

 

 

 

 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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