Der Herbst ist unsere Chance

Den Herbst als Chance nehmen. Das Leben nicht mehr zu unterdrücken. Die alten Blätter abschütteln und Platz für Neues schaffen. Ein Bild, das ich momentan oft mit mir herumtrage, um es mir vor Augen zu halten, wenn ein dicker Kloß im Hals mir die Luft nimmt. Die ganzen Päckchen, Vorwürfe, Selbstgeißelungen und netten Worte für andere berühren nämlich jeden von uns – Tag für Tag. Doch so langsam sollten wir lernen unsere Maske abzuwerfen, lernen nicht da zu sein, und versuchen mit dem Wind des Herbstes durchzuatmen. Meine Gedanken zum Oktober, die Jahreszeit, die Veränderung bringt:

Gerade fragte ich eine der Erzieherinnen von Alma, ob auch die älteren Kinder weinen, wenn ihre Eltern gehen. Die Erzieherin sagte, dass es natürlich vorkommt, denn auch ältere Kinder haben schlechte Tage, an denen sie nicht alleine sein wollen, besonders an ihren Eltern hängen oder sich auch ohne Grund nicht gut fühlen. An solchen Tagen weinen diese Kinder. Sie sagte ziemlich ernst und mit einem zufriedenen Lächeln, dass wir Erwachsene, auch viel öfters weinen sollten, wenn es uns nicht gut geht. Ich musste lachen bei der Vorstellung, dass wir am Arbeitsplatz anfangen zu heulen, weil uns die Nase läuft. Doch noch immer hallen ihre Worte in meinem Kopf nach. Wäre es nicht wirklich sehr befreiend unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen, sie schnell zu verarbeiten, loszulassen und neue zuzulassen?

Oft passiert es mir, dass ich erschlagen bin. Nicht nur von den Dingen, die ich im Alltag zu tun habe, sondern auch von meinen Gefühlen, meinen Erinnerungen, von Menschen, die in meinem Leben sind und welche, die es nicht mehr sind, vor Wut und vor großer Freude, vor Angst und Fragezeichen. Oft bin ich erschlagen, weil ich meine ganzen Gedanken nicht geordnet bekomme und immer nach Ausrufezeichen, Ratschlägen und gut sortierten Listen suche. Mich überwältigt oft das Leben. Viele würden mir und dir raten, deine Stimmung in solchen Momenten umzudrehen und positives aus der Situationen zu schöpfen. Doch merke ich, dass herunterschlucken nur Steine im Bauch hinterlässt. Der Herbst zeigt mir, wie es geht. „Zulassen“ steht im Himmel geschrieben. Wir sind ein einziger Kreislauf, der nur funktioniert, wenn wir akzeptieren und mitgehen. Zulassen, dass wir atmen müssen, um zu wachsen, dass wir unser Fell, unsere Blätter verlieren, um neue wachsen zu lassen, dass wir verschiedene Farben haben, verschiedene Stimmungen, die sich ändern können. Heute gibt es die Sonne und den Wind, kurze Regenschauer und graue Wolken, die vorbeiziehen. Es gibt Momente, in denen uns zu heiß ist im dicken Wollpullover, wir uns eingeengt fühlen und die Momente, in denen wir uns einen warmen Mantel zum Wärmen wünschen, einen, der uns festhält und trägt. Wieso frieren wir noch so oft? Wir gehen durch diese Zeit, ohne sie zu fühlen. Doch das Verrückte an der Sache ist, wenn wir nicht mit ihr gehen, geht die Zeit, die Welt ohne uns weiter und wir versauern hier in unseren Fragezeichen.

Im Moment wird mir oft bewusst, dass ich viel einfacher funktioniere, als ich oft denke. Ich muss nicht versuchen mich zu ändern, ich muss nur verstehen. Wie die Erzieherin sagte, wäre es doch angebracht, dass auch wir Großen viel öfters zeigen, wie es uns geht und nicht mehr schlucken, um nur stark zu scheinen.

Denn dann, wenn wir statt neben uns mit uns leben, akzeptieren, weitergehen, atmen, die Vergangenheit in den Kopf lassen und wieder ausatmen, die Päckchen der anderen nicht mit aufladen, sondern abschütteln, den Alltag nicht immer schaffen müssen… dann fallen unsere Blätter von ganz alleine ab und wir werden durchgepustet. Im Winter kommt der Frost und lässt uns wieder klar denken, macht Platz für all das Neue, was uns im Frühling mit den neuen Knospen erwartet. Doch alles zu seiner Zeit. Lebt ein wenig mehr nach unserer Welt. Ich probiere es auch!

 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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