Ein Jahr

Vor einem Jahr saß ich hier und habe gewartet. Gewartet auf ein Wunder. Einen kleinen Menschen, den ich nicht kannte. Nur den Abdruck des Fußes sah ich immer und immer wieder durch meine Bauchdecke. Ein Wesen, das mein Körper geformt hat. Aus Hörby und mir wuchs. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es sein wird, dich – Alma – im Arm zu halten. Wo es am Anfang, kurz nach deiner Geburt, noch auszuhalten war, tut es jetzt wirklich weh, diese Liebe zu dir. Ein Jahr ist es jetzt her. Ein Jahr darf ich mich schon Mama nennen und nichts in der Welt kann beschreiben, was das bedeutet. 

Wie oft habe ich gezweifelt und wusste nicht so recht, wie mir geschieht. Eine Mutter. Mutter sein muss schön sein und doch konnte ich mir nicht vorstellen, wie dies genau aussieht. Einen Menschen schaffen, lieben und begleiten. Ja. In der Theorie ist das verständlich. In der Praxis aber nicht zu fassen. 

Doch dann kommst du an, auf dieser Welt. Liegst in meinem Arm ganz klein und hilflos. Kugelst dich ein, willst beschützt und behütet werden. Ich halte dich, fange dich an zu verstehen. Ein Kind, nein, mein Kind, liegt auf meiner Brust. Ich weiß schon jetzt, das wird alles viel größer als ich dachte…

Du bist hier. Scheinst rein und klar durch unser Leben wie unsere Sonne. Ein Kind, das nicht weiß, was es noch erwartet. An welche Baustellen es noch kommt. Du, Alma, wirst dich beweisen müssen, wirst stark sein, traurig sein und oft alles auf einmal. Zu gerne würde ich dich schon jetzt davor beschützen und dich festhalten. Doch muss ich erstmal versuchen dich gehen zu lassen. Denn unser erster Abschied kommt schon bald. Genauer gesagt ist er gerade da. Du bist kein Baby mehr, viel mehr ein Kleinkind. Du läufst mir davon, gehst in die Kita, bist schon so groß. 

Und doch weiß ich, dass auch ich für dich die Größte bin. Wie du dich fallen lässt, wenn ich in der Nähe bin. Du die Arme ausstreckst und dein Grinsen all deine Zähne entblößt. Du rennst mir davon, aber nicht ohne zu wissen, dass ich hinter dir bin. Ich weiß, dass alles was du brauchst wir, dein Papa und ich, sind. Beängstigend schön. Denn keiner sagte mir, dass mein Kind mich so sehr lieben wird, dass es weh tut. Ein Band, das immer so sein wird, halten wird, auch wenn es sich dehnt, bestimmt auch mal spröde wird. Wir beide füreinander, miteinander. 

Ich kenne niemanden, der so ist wie du. Wunderschön von innen und außen. 

Fast ein Jahr habe ich wenig geschlafen, viel gesungen, wenig gegessen, oft geweint, öfter gelacht. Ein Jahr ist es schon bald her, dass ich dich unter meinem Herzen trug und fast 365 Tage, an denen ich dein Herz jeden Tag in meinem Armen spüre. Fast 365 Mal habe ich deine Lippen im Schlaf beobachtet, wie sie langsam zucken und ein Grinsen formen. Habe dich laut lachen hören und deine Hand in meiner gespürt. 365 Tage, an denen ich wusste: wir sind nie mehr alleine. 

Weh tut es, diese Liebe zu dir mein Kind. Und doch will ich so viel mehr davon. Von dir und für immer! 

Bleib wie du bist Alma, denn besser kann es uns nicht gehen. 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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