Ist ein Kind der Anfang vom Ende?

Ein Kind ist ein Liebestöter. Und das sogar viel mehr als diese weißen Rippunterhosen. Ein Kind stört immer dann, wenn es die Klappe halten sollte – quasi die Zigarette, die man sich anmacht, bevor das Essen kommt. Ein Kind macht einen müde, zu müde, um mit dem Partner zu kuscheln und ein Kind, ja das bringt oftmals die genervte, schlechte Stimmung zum Vorschein. Viel und oft wurde ich gewarnt und habe mir schlussendlich viel Sorgen gemacht. Doch was ist eigentlich dran, an dem Vorurteil: Ein Kind ist das Ende deiner Beziehung?

Gestern lag Alma bis 23 Uhr in unserem Bett. Zwischen der Arbeit, den Verpflichtungen, die es sonst noch gibt, dem schnellen Essen und natürlich unserem Kind gab es da keine Zeit für uns. Noch nicht einmal für eine beiläufige Umarmung oder einen Kuss. Ich übertreibe natürlich ein wenig: Zeit sich im Vorbeigehen einen Kuss aufzudrücken, gab es bestimmt, aber unser Kopf, der ist ganz oft nicht für solch einen „Kleinkram“ zu gebrauchen. Wie traurig sich das Ganze anhört, aber: Immer öfters vergessen wir uns gegenseitig. Schlimm war das bis jetzt schon das ein oder andere Mal für uns, dann versuchen wir uns aber vor Augen zu halten: es ist nur eine Phase!

Um die Pointe vorwegzunehmen: ein Kind verändert deine Beziehung, rückt die Partnerschaft in ein ganz anderes Licht und macht einiges viel schwieriger als zu vor. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Paare besonders dieses erste Jahr nicht schaffen und sich trennen, denn auch wenn Chaos und Zickerein in der Zeit vor dem ersten Kind nicht zum Alltag deiner Beziehung gehörten, bringt spätestens ein Baby einen kleinen oder großen Tornado mit.

Das Leben in einer Beziehung wird durch ein Kind in einen großen Windstrom gezogen und komplett auseinandergenommen und wieder neu zusammengesetzt. Früher, da kamen wir von der Arbeit, haben gekocht, schön in Ruhe zusammen gegessen und uns unterhalten, waren in der Badewanne, hatten Sex, haben zusammen herumgesponnen, gelacht und uns mit Freunden verabredet. Wir sind ausgegangen, haben getrunken, zu viel getrunken und den ganzen Sonntag im Bett verbracht. Wir haben unsere liebsten Snacks eingekauft und ein Picknick im Wohnzimmer gemacht, haben nackt geschlafen und wenigstens ich habe sexy Unterwäsche getragen. Ja all das waren wir als Paar.

Heute sieht das Ganze etwas anderes aus. Aus dem Picknick ist Essen am Tisch geworden, denn man möchte seinem Kind ein gutes Vorbild sein. Die sexy Unterwäsche liegt zwar neu gekauft im Schrank, die Stillbhs (von vor einem halben Jahr) sind aber viel bequemer. Sex ist so sehr in den Hintergrund gerückt, dass es schon allein daran hapern könnte, wenn wir mal an ein weiteres Kind denken würden und das mit dem Sprechen und stundenlang über Dinge philosophieren, klingt jetzt eher nach: „Wir brauchen noch das für Alma und müssen uns um einen Platz in der Kita bemühen! Sonntag ist Hoffest, vergiss das nicht! Schatz, hast du eigentlich Toilettenpapier gekauft?“ Ja. Unsere Gespräche halten sind oft in Grenzen, denn ich bin platt nach einem Tag mit Alma. Bespaßen, kuscheln, herumalbern, der Schlafkampf, putzen und nebenbei Arbeiten und nette Mails formulieren. Oft ist mein Highlight am Tag, wenn der Papa nach Hause kommt und ich 20 Minuten ganz alleine für mir habe. Dass Hörby dann oft nicht verstehen kann, weswegen ich gerade keinen Körperkontakt abkann, ist ja verständlich. Er sitzt den ganzen Tag an seinem Schreibtisch, kann die Füße austrecken, Kaffee trinken und ist froh, wenn es abends was zum kuscheln und Kopf streicheln gibt. Was uns übrigens zum nächsten Punkt führt!

Der Partner, der zu Hause beim Kind bleibt, fühlt sich immer unverstanden, denn der Partner (mit einem Leben außerhalb des Kinderknastes) kann nicht nachvollziehen, wieso dass Daheim eigentlich alles so anstrengend ist. „Du hast doch jeden Tag Sonntag!“ war der einzige und letzte Spruch den Höbry sich getraut hat zu sagen, denn danach habe ich zwei Tage nicht mit ihm gesprochen. Jetzt ist mir schon klar, dass bei einem weiteren Kind unbedingt auch der Mann ein paar Monate alleine wuppen muss!

Ja, so ein Kind verändert die Beziehung. Wir sind öfter gereizt und haben viel weniger Zeit für uns. Doch dann sind da die Momente, in denen wir uns einfach total stolz und verliebt angucken, weil uns bewusst wird, was wir aneinander haben und wie wundervoll unsere kleine Familie ist. Ein Kind nimmt dein Leben auseinander, aber gibt ihm einen ganz anderen Sinn. Die Beziehung zwischen mir und Hörby ist nicht nur eine Liebesbeziehung (die es trotz allen kleiner Problemchen zu 100% ist), sondern Hörby und ich sind das Fundament unserer kleinen Familie. Wir sind dafür da, dass es uns Dreien gut geht und wir uns gegenseitig halt und Kraft geben. Wir sind dafür verantwortlich, dass Alma ein tolles Mädchen bleibt und wir uns in Momenten, in denen es schwierig wird, zusammenreißen und daran denken, dass es nur durch unsere Liebe diesen kleinen Menschen – der es uns oft nicht leicht macht – gibt. Oft hilft dieser Gedanke und lässt uns in Momenten, in denen wir uns gerne aus dem Weg gehen würden, wieder mehr zusammenrücken.

Unsere Gespräche sind zwar weniger geworden, dafür beschäftigen wir uns in ruhigeren Momenten weniger mit Träumen als mit Tatsachen. Früher haben wir uns ausgemalt wie, unser Leben mal werden wird, jetzt sind wir mittendrin und Träumen davon, wie es wird, wenn hier noch mindestens zwei Almas mehr herumhüpfen. Also kann es so schlimm nicht sein.

Mein Fazit: Unsere Partnerschaft ist schwieriger geworden, aber nicht weniger toll. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass ich das Ganze hier mit einem anderen Mann lieber machen würde oder besser hinbekommen würde, geschweige denn alleine. Und das ist doch die beste Antwort? Wer sagt, dass es trotz Kind alles Friede-Freude-Eierkuchen ist, der hat entweder fünf Nannys oder lügt. Wie blöd es sich auch anhört, aus schwierigen Situationen kann man sich auch immer etwas Positives ziehen und daran wachsen! Ich für mich versuche, mich seitdem Alma da ist, mehr zusammen zu reißen, besser zu verstehen, mehr zu akzeptieren und geduldiger zu sein – übrigens auch, wenn es gar nicht um den Partner geht!

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

2 Kommentare zu „Ist ein Kind der Anfang vom Ende?“

  1. Geht uns hier ziemlich ähnlich, leider. Hinzu kommt auch, dass ich nun wieder Vollzeit arbeite, was dem ganzen gerade das Tüpfelchen auf dem i aufsetzt. Aber es kommen auch wieder entspanntere Zeiten 🙂

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