Überfürsorge. Angst um mein Kind.

Damit hatte ich nicht gerechnet. Diese Angstfantasien machen mich ganz wahnsinnig. Mein Gehirn hat sich in ein Horrorfilmstudio verwandelt: Sie darf nicht fallen, ich nicht stürzen, wenn ich sie auf dem Arm habe. Egal wo ich bin, alles ist eine Gefahr. Dieses kleine Bündel Leben auf meinem Arm, wie eine gefrorene Seifenblase, die nur bei der kleinsten Bewegung zu viel droht, kaputtzugehen. Meine ersten Wochen als Mama verbringe ich damit mir Sorgen zu machen. Angst zu haben, dass meinem Kind etwas passieren könnte. Und es hört nicht auf… nach fast einem Jahr frage ich mich: Wie viel Sorgen machen ist eigentlich gesund?

Wusstet ihr, dass die letzten Wochen einer Schwangerschaft sehr gefährlich sind und auch dann noch viel passieren kann? Ich wusste es in meiner Kugelzeit nicht. Doch danach musste ich erfahren, wie schlimm es ist, wenn dann doch etwas passiert. In unserem Bekanntenkreis ist in letzter Zeit ein paar Mal das Schlimmste passiert, das einer Mama passieren kann. Diese Zwischenfälle haben mich geprägt. Seitdem ist für mich ganz klar: Bei meinem zweiten Kind werde ich in den letzten Wochen nochmal richtig doll aufpassen und meinem Arzt ein paar Besuche mehr abstatten. Obwohl mir natürlich klar ist, dass man sich nicht vor allem schützen kann, lautet meine Devise seit Alma auf der Welt ist: Lieber einmal mehr, als einmal zu wenig.

Alma war noch nie richtig schlimm krank und doch begleitet mich jeden Tag die Angst, dass sie sich irgendwo etwas holen kann. Die Kitazeit ist somit ein gefürchtetes Thema. Mir ist bewusst, dass es gut ist, wenn sie ihr Immunsystem stärkt, aber leiden sehen, will ich sie trotzdem nicht. Treppen, Steckdosen, Türen… alles Gefahren, die wir versuchen zu umgehen. Mützen sind Almas Feinde und Mamas Freunde. Spielzeug wird von mir immer doppelt geprüft: Sind dort wirklich keine Teile, die sie verschlucken könnte?

Bin ich eine Helikoptermutter, weil ich so sehr darauf achte, ob mein Kind gesund ist und bloß warm genug anzogen ist? Alma darf – nein – soll im Dreck spielen, soll sich benehmen, wie es für Kinder angebracht ist, Fehler machen, hinfallen, lernen. Und doch kommt mir bei allem, was sie tut die Frage in den Kopf: Was könnte die Folge daraus sein?

Ganz normal, dass wir Mamas uns immer Sorgen… sagen auf jeden Fall alle – besonders Mamas – mit denen man darüber redet. In deiner Schwangerschaft und sogar davor wirst du auf so viel vorbereitet, aber nicht darauf, dass du dein Herz nicht mehr in deinem Körper trägst, sondern in der Hand.

Vieles, was vorher banal war, wird jetzt zum großen Thema. Und so ertappe ich mich immer wieder, dass ich mich – für das Wohl meines Kindes – anders verhalte. Kaufe noch mehr Bio, nehme noch sanftere Putzmittel, kaufe gerne ohne scharfe Ecken und Kanten.

Meine Angst begleitet mich somit den ganzen Tag. Gut so! Denn dadurch wachse ich in der Aufgabe als Mutter und kann nur so entspannter werden. Durch aufpassen und sehen, dass nichts passiert, werde ich beim nächsten Mal ein wenig nachlässiger und lasse Alma und mir mehr Raum. Denn es ist ganz normal und wichtig: Verletzungen und Krankheit gehören dazu! Die kann und sollte auch eine Mama nicht komplett unter Kontrolle haben.

So habe ich gelernt, dass Alma im Schlaf nicht erstickt. Dass eine Magen-Darm-Grippe zwar im wahrsten Sinne scheiße ist, aber sein muss. Dass eine aufgeplatzte Lippe Alma lehrt, die Metallglocke nicht nochmal so tief in den Mund zu stecken und ein zu warm angezogenes Kind auch ganz schnell nass geschwitzt ist.

Wir haben ziemlich lange nach einer guten Schubladensicherung gesucht, die uns nicht nervt, Almas Finger schützt und für ihre wirklich seltsam gebaute Kommode passt. Ohne Erfolg gesucht und doch fündig geworden. Denn nachdem Alma sich dreimal den Finger eingeklemmt hat, hat sie aufgehört, die Schublade auf und zuzuschlagen. Es hat ihr weh –und meinem Mamaherz. Und trotzdem war es wichtig, denn sie hat gelernt, dass diese Aktion wehtut.

Diese Szene kann und möchte ich nicht auf alles beziehen. Ich halte nichts davon, dass mein Kind nur aus Handlungen merkt, dass etwas nicht geht. Wir als Eltern sind dafür da, sie zu führen und zu beschützen. Doch manchmal (siehe oben) geht es nicht anders. Da muss der Helikopter ausgeschaltet werden.  Ich denke, dass unser Instinkt uns schon richtig lenkt und wir auf ihn hören sollten. Aber trotz allem sollte man nicht außer Acht lassen, dass viele Dinge in unserem Leben passieren, weil sie passieren sollen, auch wenn es schnell nach einer Ausrede klingen kann.

In meinem 9-monatigen Mama-Dasein habe ich verstanden, dass die Angst um mein Kind nicht schlimm ist, sondern ganz normal. Dass ich nicht irre bin, weil ich in den ersten Lebenswochen dachte, mein Kind könnte den Balkon runter stürzen.  Das ich aber trotzdem ab und an locker sein muss und Alma selber verstehen lasse. Ich habe gelernt, dass sich Sorgen machen heißt: Ich bin eine Mama und es hört niemals auf!

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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