Halbzeit – endlich kann ich mein Kind genießen

Zuerst hieß es: überleben. Jetzt heißt es: genießen. Endlich lebe ich mein Kind und meine Familie. Ich lebe in dieser neuen Lebenssituation. Sechs Monate lang war der Tag geschafft, als Alma im Bett lag und nun hat er kein Ende mehr. Ich liebe es auf einmal Mama zu sein. Ich liebe meine Verantwortung und mein Leben in der Elternzeit.Ich sitze zwischen Burgerpapier, leeren Milchflaschen und Babyspielzeug im Auto und versuche zu schreiben. Hörby fährt und ich arbeite. Bei 160 Stundenkilometer kommen die Gedanken doch auch viel schneller, oder? Nein, leider nicht und doch ist dieser Ort gerade, der erste, der mir erlaubt „mal eben“ die wichtigsten Dinge zu erledigen. Denn sonst packt mich das Leben. Mich packt Alma und zwar so, dass alles andere warten muss.  Und so bleiben viele Sachen liegen. Dinge, die ich unbedingt trotz Kind schaffen will oder wollte. Denn meine Prioritäten haben sich geändert. Seit ein paar Wochen heißt es für mich nicht mehr ich-muss-irgendwie-die-Tage-und-Nächte-überstehen, sondern: ich-finde-alles-und-jeden-doof,-der-mir-Zeit-mit-Alma-klaut.

Die ersten sechs Monate mit Baby sind nicht immer einfach. Das eigene Leben verändert sich so drastisch, der Hormonabfall, der Schlafentzug, dieser kleine Mensch, den man erstmal kennenlernen muss und lernen muss seine Bedürfnisse zu verstehen und zu befriedigen. All das kostet Zeit, Geduld, Nerven und ganz viel Kraft. Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem man sich daran gewöhnt hat, an dem man sich in seinem neuen Leben gefunden hat und alles mehr oder weniger zur Routine wird. Und ich dachte, dass wäre es jetzt. Alma und ich sind ein Team geworden, wir beide rocken jetzt noch die letzten Monate des anstrengenden schönen ersten Jahres und dann wird aus mir wieder ein bißchen mehr als nur Mama und Alma wächst langsam zu einem Kleinkind heran.

Doch… es kam aber alles anders, als ich es mir ausgemalt hatte. Wie so oft im Leben. Denn mit dem überschreiten ihres ersten halben Jahres, kam in mir ein wenig Wehmut auf. Aus dem ich-vermisse-das-alte-Nina-Leben wurde auf einmal bitte-lass-das-nächste-halbe-Jahr-nicht-so-schnell-vergehen, denn der Gedanke, dass Alma nicht mehr 24/7 bei mir ist, macht mich wahnsinnig. Und so erkenne ich mich nicht mehr wieder und finde es wunderschön.

Das erste Mal in meinem Leben kann ich nachvollziehen, wie schön es sein kann, so lange wie möglich bei seinen Kindern zu sein. Es kommt sogar zurzeit eine Unvernunft in mir hoch, die sich ausmalt, wie es wäre, wenn ich Alma doch noch länger bei mir habe. Doch dieses Szenario wird bei uns nicht stattfinden, da ich nicht nur – nach einem Jahr Auszeit – arbeiten möchte, sondern muss.  Was ich damit sagen möchte: ich bin weich geworden.

Alma ist nach einem halben Jahr berechenbar und ich kenne sie so gut, dass ich bei der kleinsten Bewegung weiß, was sie möchte, oder wie es ihr geht. Sie hat sich an unser Leben gewöhnt und gibt uns so viel zurück. Letzte Woche hat sie weinend die Arme nach mir ausgestreckt und wollte auf meinem Arm getröstet werden. Sie wollte zu ihrer Mama. Für mich, dass größte Geschenk, was ich seitdem sie auf der Welt ist, bekommen konnte.

Ich möchte nicht sagen, dass meine Liebe oder meine Toleranz größer geworden ist, sondern, dass wir viel mehr Spaß miteinander haben können. Alma ist aktiver, mobiler und verschmuster. Sie kann zeigen, dass sie mich/uns braucht und ich möchte ihr all das geben.

Das letzte halbe Jahr Elternzeit ist somit angebrochen und ich weiß: es wird schnell vergehen. Dann irgendwann kommt der Alltag und wir werden uns diese gemütliche Zeit zurückwünschen. Deswegen genieße ich gerade jede Sekunde. Atme Almas Babyduft ein und versuche alles voll und ganz auszukosten. Drücken wir alle die Daumen, dass alles so toll weiterläuft. Denn nichts ist selbstverständlich!

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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