Die Antwort ist mein Leben

Kennt ihr das, wenn ihr euch selber bei etwas ertappt? So ging es mir vor ein paar Tagen bei einem Gespräch mit einer Freundin, die einen Ratschlag von mir brauchte. Und den habe ich ihr gegeben. Doch davor habe ich mich bei ihr beschwert. Sagte ihr, dass ich mich momentan so unsicher fühle. Irgendwie gar nicht in meinem eigenen Körper, so als würde bei jedem Schritt, den ich mache ein bisschen etwas von mir verloren gehen, wie ein vollgesogener Schwamm, der Wasser verliert. Unreflektiert und unachtsam mit mir selber. Und so saß ich da und heulte ihr die Ohren voll und beim Aussprechen meiner Gedanken überkam mich ein komisches Gefühl im Bauch, doch dazu gleich mehr…

Meine Freundin wollte also meine Meinung zu einem Thema wissen, das sie sehr beschäftigt und ich hörte ihr zu, überlegte, was ich tun würde, überlegte, was sie tun würde, um ihr dann zu sagen, dass sie bitte alles daran setzen sollte, sich glücklich zu machen. Alles in ihrem Leben würde ihr doch die besten Voraussetzungen dafür geben – sie müsste sie nur sehen. Denn, ja Glück ist nicht immer „einfach da“, man ist auch nicht immer in seinem Leben in der Lage sich glücklich zu schätzen, doch das viel größere Problem ist, dass wir unserem vorhandenen Glück viel zu wenig Wertschätzung schenken. Und so riet ich ihr, dass sie sich ihren Problemen stellen sollte und dann verdammt noch mal ihr glückliches Leben auskosten sollte.

Und beim Aussprechen meiner Gedanken überkam mich ein komisches Gefühl im Bauch, denn das was ich ihr soeben geraten habe, war wohl der Spiegel, den ich gerade gebraucht habe. Und so sprach ich nicht nur zu ihr, sondern auch zu mir und mein Herz rutsche mir in diesem Moment in die Hose. Denn auch ich – besonders ich – darf mich nicht bemitleiden, denn hier, in meinem Leben, geht es bergauf und das schon ziemlich lange. Und so vergesse ich ab und zu, wie gut es doch das Leben mit mir meint und vergesse in all meinen Wehwehchen, wie dankbar ich sein kann.

Nach dem oben aufgeführten Gespräch kroch ich also aus meinem Schneckenhaus raus und realisierte meinen Standpunkt. Zurzeit bin ich ausgelaugt, die letzten Monate haben an mir gezehrt und mich ausgepowert. Besonders meine Gesundheit war nicht immer gut zu mir und ich im Gegenzug nicht gut genug zu meinem Körper. Konnte ich mich doch nicht wirklich sportlich betätigen und habe Zucker – zu viel Zucker – gegessen. Habe mein Maß an gesundem Leichtsinn ein wenig überschritten und merke, dass ich schlapp bin. Habe zu viele Ideen in meinem Kopf, zu viel Perfektionismus, zu viel „Wollen“, sodass das „Können“ in den Hintergrund tritt. Und dann sind da die offenen Arme für meine Alma und meinen lieben Freund, der gerade mindestens genauso gestresst ist wie ich. Doch was macht mich sonst aus? Was habe ich sonst in meinem Leben? Was bringt mich dazu mich über die gerade genannten Punkte zu beschweren? Mein glückliches Leben, das so gut läuft, dass mich zu wenig Sport aus der Bahn wirft. Ich könnte es auch so ausdrücken: Ich jammere auf ziemlich hohem Niveau.

Viel zu oft vergessen wir, was wir haben und beschweren uns eher was uns fehlt. Na klar, es geht immer noch ein bisschen besser. Ein anderes Auto, eine größere Wohnung, ein besser bezahlter Job, ein drittes, viertes, fünftes Kind, ein strafferer Bauch, ein gesünderes Leben.

Aber um all die Wünsche zu haben, gilt es oftmals sein jetziges Leben zu überbieten und jeder von uns sollte sich fragen, ob wir nicht auch mit unseremm „Jetzt“ ziemlich zufrieden sein können – ein kleines Auto ist besser als keins, eine zwei-Zimmer-Wohnung ist fein, ein Job ist so viel von dem, was mich ausmacht, auch wenn er nicht optimal bezahlt ist, meine Kinder sind gesund, mein Körper ist wunderschön und kann so viel leisten, in jeder Sekunde hält er mich auf dieser Welt und mein Leben braucht auch ungesunde Tage, denn der Wein tut meiner Seele gut.

Ich könnte noch lange so weitermachen, mir fallen viele Dinge ein, die ich und ihr infrage stellt. Mir ist nun mal wieder klargeworden, dass die Antwort auf all mein Gemecker und all meine Fragezeichen mein Leben ist. Es bringt mich nicht voran zu schmollen oder schlechte Tage zu haben. Es bremst mich aus!

Ich muss nicht immer grinsend durch die Gegend laufen, nicht immer gut gelaunt sein, doch sollte ich mich jeden Tag daran erinnern, dankbar zu sein. Mein Leben anzunehmen und zu genießen, jeden Tag ohne Probleme aufzusaugen und nie vergessen zu atmen. Denn es kann so schnell vorbei sein mit der heilen Welt und dann, wenn auch mal schlechte Zeiten kommen sollten, dann möchte ich an diese Zeiten zurückdenken und meine Kraft daraus ziehen.

Geschämt habe ich mich – mir selber gegenüber. Habe nach dem Gespräch mit meiner Freundin mein Ego heruntergefahren und in die Füße geatmet. Bin offline gegangen und habe mich ein paar Tage nur mit mir beschäftigt, um den Nebel in meinem Kopf loszubekommen.

Und es hat geholfen, ich bin wieder klarer, wieder mehr Nina, wieder mehr „da“. Und genau das versuche ich zu halten, nicht wieder zu vergessen und mir mein neues Mantra: „die Antwort ist mein Leben“ immer wieder aufzusagen. Falls es euch auch so geht: macht mit!

 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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