Wenn aus Wasser Leben wird

Vor Wochen hörte einer meiner Texte mit einem Happy End auf, obwohl es Anfangs gar nicht so klang. Es ist jetzt 14 Wochen her, dass ich über die wachsende Beziehung zu meiner Tochter geschrieben habe. Ich war noch nicht angekommen und wusste oft nicht, ob ich es kann – das Mamadasein, doch wusste ich, dass es ein Happy End gibt und diese Zweifel nichts mit meinen Gefühlen für Alma zu tun hatten.

Auszug aus dem Text das magische Band: „Ich fühle mich noch nicht angekommen. Bis Alma und ich uns richtig gut kennen und wir ein eingespieltes Team werden, dauert es bestimmt noch ein bisschen. Und das ist gut so, denn ich sauge jeden Moment, jede Verzweiflung, jede Träne und jeden lauten Lacher mit ihr auf. Dieses kleine Mädchen hat mir nicht jede meiner Fragen beantwortet, sondern viele neue Fragen gestellt. Und ich wünsche mir, dass da in unserer Beziehung noch viele dazu kommen. Unendlich viele. Denn nur so wachsen wir jeden Tag – unser Leben lang – mehr zusammen. Liebe? Die haben wir dafür von Anfang an genug.“

Nun, 14 Wochen später, ist alles anders. Denn unser Band ist gewachsen und ich würde behaupten es ist auch ein wenig magisch – es war zu erwarten, dass das passiert, und doch ist es umso schöner, wenn es plötzlich so ist. Jetzt bin ich so weit einen Text über meine Tochter zu schreiben.

Alma, mein kleines Mädchen. Sie ist in meinem Bauch schon ein Rabauke gewesen – hast du dich doch immer zu gedreht und mich getreten. Wolltest meine Aufmerksamkeit und hast sie bekommen. Alma, dein Name passt so gut zu dir, denn du bist besonders, knackig und außergewöhnlich. Bist in deiner Art so zufrieden und doch aufbrausend. Nicht nur im Bauch hast du gewusst, dass du Blicke auf dich lenken willst, auch jetzt ist es deine größte und leichteste Aufgabe, alle Menschen in deinen Bann zu ziehen. Meine Sonne, unser Kind ist komplett und tief in unserem Leben verankert. Sie ist der Mittelpunkt unseres Lebens.

Es hat gedauert, hat ein paar Anläufe gebraucht bis ich sagen konnte, dass ich nun voll und ganz Almas Mama sein kann, denn zu Anfang habe ich viel aus meinem alten Leben vermisst. Nicht das Ausgehen, nicht die Zigaretten oder die Wochenendtrips mit Freunden. Nein, ich habe es vermisst für mich zu sein, Zeit nur mit mir zu haben, aufzuwachen und keine Angst haben zu müssen, dass es meiner Tochter nicht gut geht. Eine Zeit lang habe ich mit meiner Verantwortung gekämpft. Und damit meine ich nicht, dass ich dieser nicht gewachsen war. Damit meine ich eher, dass ich das Ausmaß an Verantwortung erst einmal begreifen musste.

Doch er hat sich gelegt, mein Wunsch nach Freiheit, der in manchen Momenten aufkam. Dazu kommt natürlich, dass Alma nicht mehr nur auf mich angewiesen ist, feste Mahlzeiten und feste Schlafenszeiten hat. Alles ist nach und nach einfacher und eingespielter geworden. Was dafür mehr geworden ist, ist die Verbundenheit, die ich spüre. Ich sehe Alma nun wirklich als mein Fleisch und Blut an. Trage mein Herz nicht mehr in der Brust, sondern auf meinem Arm. Sie ist nicht mehr fremd, oder ein neuer Mensch in unserem Leben. Alma ist der liebste, wildeste, schönste Teil meines, unseres Lebens.

Wir drei sind eine Einheit, die es nicht zu brechen gibt. Wenn wir morgens – am Wochenende – im Bett liegen und kuscheln, Alma zwischen uns liegt und ihre Finger zählt, ihren Bären namens Bello knutscht oder abwechselnd zu Hörby und mir schaut, dann (ja ich schreibe ihn wirklich, diesen kitschigen Satz) steht die Welt für mich still.

Letztens, da habe ich mich mit jemandem darüber unterhalten, ob sich ein Kind lohnt. Ob es nicht schwierig ist, besonders wenn man jung ist und Karriere machen möchte, sich für ein Kind zu entscheiden. Quasi: Ob es die richtige Entscheidung war, ein Kind zu bekommen. Meine Antwort lautete, dass sich so viel ändert mit einem Kind. Man wird anders, vielleicht erwachsener, man wird älter und bedachter. Man hat weniger Zeit, weniger Platz für sein Leben. Man verdient weniger Geld und ist fremdbestimmter. Ja, all das ändert sich und wenn man das nicht möchte, dann sollte man bitte kein Kind bekommen. Doch all das, all diese Lücken, sind nur kleine Flecken, die so schnell wieder aufgefüllt werden. Ein Kind ist wie ein Glas Wasser, das man über einen Tintenfleck gießt. Der Fleck wird immer größer und all die kleinen Unebenheiten und Löcher neben und in dem Fleck werden überschwemmt. Wenn die verwässerte Tinte getrocknet ist, dann erkennt man, dass dieses Wasser das Bild nicht kaputt, sondern viel größer und wunderbarer gemacht hat.

Um meiner Frage also zu beantworten: Ja und wie sich ein Kind lohnt!

Jeden Abend, jeden Morgen freue ich mich unfassbar doll darauf meine Tochter in ihr geborgenes Bett zu legen oder zu holen. Sie in einen neuen Tag zu tragen und mein bestes für sie zu geben. Ich werde dich immer schützen und umsorgen Alma. Und kann es nicht abwarten, dass ich dein ganzes Leben deine Mama sein werde.

 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

2 Kommentare zu „Wenn aus Wasser Leben wird“

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