Unter meiner Haut

Früh habe ich angefangen und dann nicht mehr aufgehört. Ob ich es jetzt wieder so machen würde? Ich weiß es nicht. Ganz ohne finde ich auch schön – vielleicht also: ja, es könnte sein, dass ich, wenn ich mich heute neu entscheiden würde, Jungfrau bleiben würde. Nie das Piksen und das Summern selbst zu erleben, Geschichten und Lebensabschnitte eher im Kopf verblassen lasse, als sie unter meiner Haut aufleuchten zu sehen. Es könnte also sein, dass ich eine der wenigen wäre, die keine Tätowierungen hat. Doch viel schöner als die Vorstellung nackt zu sein, sind die Geschichten, die ich zu jeder meiner zehn Tätowierungen habe. Mit diesen zehn Freunden habe ich schon so einige Abende aufgelockert, frühere möchtegern Schwiegermütter verschreckt oder meinen Vater sagen hören: „Kind, wenn du in ein paar Jahren ein Stück Haut von meinem haarigen Bein auf deine Hüfte tackern willst, dann sag Bescheid.“ Aber seht einfach selber:

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Meinen Rücken schmückt wohl mein größtes Bild. Die Hand der Fatima. In einem Club auf Ibiza das erste Mal gesehen, fand ich das Motiv so schön, dass ich es unbedingt selber brauchte. Die Bedeutung passte mir auch in den Kragen: Sie beschützt und lenkt böse Blicke ab. So kam dieses Tattoo vor knapp 6 Jahren unter meine Haut.

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An meinem seitlichen Bauch ist mein verstorbener Opa verewigt. Sein Geburtsdatum in römischen Zahlen habe ich mir vor 8 Jahren stechen lassen. Meine Familie wusste davon nichts und sollte es auch nicht wissen, da Tätowierungen zu diesem Zeitpunkt noch sehr ungern gesehen wurden. Doch im gemeinsamen Familienurlaub hat mich meine Mutter am Strand darauf hingewiesen, dass ich am Bauch Dreck oder dunklen Sand kleben hätte. Ähm ja. Nachdem sie dann ihre Brille aufgesetzt hat, war klar, der Dreck ist Tinte und eingebrannt. Da es um meinem Opa geht, hat sich aber keiner getraut zu schimpfen. Das mit dem Schimpfen hatten wir auch ein paar Jahre zuvor…

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Denn im zarten Alter von ca. 16 habe ich mir mein erstes Tattoo stechen lassen. Und ja, es sieht eher aus wie ein Unfall und ist wohl das Erste, was ich, wenn es eine einfache, gute Lösung gibt, wegmachen lassen werde. Aber von Anfang an… unbedingt wollte ich ein Tattoo haben. Eigentlich ziemlich egal was, aber es sollte ein Tattoo sein. Da meine Freundin den gleichen Gedanken hatte, haben wir uns überlegt, dass wir uns das Gleiche stechen lassen. Doch ein Tattoostudio zu finden, das dich illegal sticht – Puh. Gut, dass wir eine angehende Tattoowiererin in der Klasse hatten (ich glaube, sie wurde mit 20 eingeschult und hat dreimal wiederholt 😉 – falls ihr euch fragt, warum eine 11-Klässlerin tattoowiert). Da sie zu dem Zeitpunkt nur auf Schweinehaut gestochen hat, war es ein großes Ding für sie uns zu stechen. Bei einem Freund auf dem Sofa ging es dann los. Wie wir zu dem Motiv gekommen sind? Meine (übrigens immer noch) Freundin und ich haben uns zu dem Zeitpunkt immer Habibi genannt (arabisch: Liebling) – wir waren 16 – ein tolles Freundschaftstattoo, dachten wir. Also ab an den Computer, Google an und den Übersetzer die arabische Schrift rausschmeißen, diese in Arial-Bold ausgedruckt und unserer angehenden Tattoowiererin in die Hand gedrückt. Mit mehr Druck als sie sollte, hat sie uns das regenwurmartige Gebilde auf die Haut gehackt. Verlaufen und vernarbt steht nun also Habibi auf meiner Hüfte, ach nein wartet, dann wäre es doch nur halb so witzig. Denn ein paar Jahre später habe ich ein halbes Jahr in Ägypten verbracht und dort wurde ich des Öfteren sehr ausgelacht, wenn ich im Bikini am Strand war. Denn das da auf meiner Hüfte – der Regenwurm – bedeutet nicht Habibi. Dort steht etwas ohne Sinn. Ein Jahr später habe ich erst herausgefunden, was mir damals der Google-Übersetzer vorgeschlagen hat und zwar: Favorit (so wie „Lieblings-“ Restaurant) und das Ganze noch spiegelverkehrt. Yuhu.

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Das wohl aufregendste Tattoo sind die Zahlen auf meinem Arm. Hierzu bekomme ich so oft Fragen und jeder gibt sein Senf dazu. Ihr könnt es euch sparen, ich habe schon alles gehört! Und soll ich euch was verraten? Ich liebe es! Im Suff auf der Reeperbahn überlegt und am nächsten Tag sofort stechen lassen. Wann? Ich würde sagen, es ist vier Jahre her. Und bedeutet: „Sei dir bewusst!“ Bewusstsein und Reflexion sind für mich so wichtig und daher für mich immer sichtbar auf meinem Arm. Die Zahlen stehen für Buchstaben im Alphabet. Heißt, dass A eine 1 ist und S somit eine 19.

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Auf dem Steißbein habe ich einen Spruch, den ich in erster Linie lustig fand, der aber auch so wahr ist: „Morgen mache ich bessere Fehler“. Dieses Tattoo habe ich mir in Berlin mit meiner Mutter zusammen gemacht – es ist ihre Handschrift, die sie ein paar Stunden zuvor auf einer Servierte verewigt hatte. Und Schwups war es auf unserer Haut. Wie ihr euch denken könnt, war zu diesem Zeitpunkt ihre Tattoophobie überstanden. In unserem Übereifer haben wir leider kein gutes Studio gewählt und auch meine Stelle (für diesen Spruch) war nicht wirklich gut überlegt, das ist mir aber natürlich erst hinterher aufgefallen ;-).

 

Die Origami-Schwalbe, das Herz und das Peace hinter den Ohren sowie der 90er Delphine am Po haben für mich keinen tieferen Sinn.

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Und nun zu meinem traurigsten Tattoo, denn man könnte hier sagen es ist leider zu einem Unfall ausgeufert und noch lange nicht fertig. Auf Bali, an dem Tag, an dem ich Hörby kennengelernt habe, habe ich mir morgens eine Welle auf das Handgelenk tattoowieren lassen. Als hätte ich eine Vermutung gehabt, wen ich am Abend treffe, war es nicht eine einfache Welle, sondern zwei Wellen, die ein „Ja“ formten. Es ist echt schön geworden und ich war sehr glücklich über diese schöne Erinnerung, die mein Leben bejahen sollte. Doch ein paar Tage später ist mir das Tattoo leider total ausgelaufen und die zuvor feine, gerade Linie verwandelte sich in einen Balken. Deswegen suchte ich das „beste Tattoostudio“ Hamburgs auf und bat es zu korrigieren. Wellen im Hintergrund einzuarbeiten, die die ausgelaufene Linie im Vordergrund umspielen. Sie sagten, dass es kein Problem ist und sie mir eine tolle Arbeit versprechen. Nur sollte ich vertrauen, da sie ohne Vorlage arbeiten und mit dem Stift auf die Haut malen. Dabei herausgekommen ist ein Tribal, das ich mehr als hässlich finde. In den kommenden Wochen werde ich nun endgültig nochmal etwas drüber stechen lassen und hoffe dann endlich zufrieden zu sein.

Da ich mich hier nicht in der Position sehe Unternehmen zu schädigen, werde ich das Tattoostudio nicht öffentlich nennen. Wer gerne wissen möchte, welches ich meine, der kann mir eine Mail schreiben.

Ihr seht, nicht jedes ist ein Träumchen. Ein paar sind sogar gar nicht Mal so schön. Doch sie gehören zu mir und schreiben mein Leben mit. Jedes weitere erzählt etwas von mir, zeigt, wo ich bis jetzt war und wer ich bin.

 

 

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

3 Kommentare zu „Unter meiner Haut“

  1. „Unser Tattoo“ immer wenn ich an den Tag denke, muss ich lachen wie naiv aber doch mutig wir waren. Wahrscheinlich nicht nur dein auch mein , schlimmstes Tattoo, dich die Geschichte dahinter , unsere Freundschaft bedeutet mir immer noch sehr viel .
    Sehr guter Beitrag Nina! 🙂

    Gefällt 1 Person

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