Glauben

Da saßen wir. In einem kleinen Saal. Unter 200 Leuten. Und lauschten der Musik, die von vorne kam. Von einem Mann – geschätzt 60, dick, schwarz, ein richtiger Bär. Ein toller Mensch! So viel Gefühl, so viel Spirit. Nach zwei Stunden hatte ich das Gefühl, ihn richtig zu kennen. Kurz gesagt: Er spielt Klavier wie ein Gott. Und da sind wir schon beim Thema. Denn seine Musik ließ mich weggleiten, meinen Gedanken verlieren, ich war in einer Art Trance und beobachtete unbewusst seine Finger auf dem Klavier. Immer wieder kommen mir zwar Alltagsgedanken in den Kopf, die aber schnell wieder verwischten, denn seine Musik beschäftigte mich viel mehr. Was bedeuteten diese Töne, diese Melodie? Welche Geschichte möchte er uns erzählen? „Glauben“ kam mir immer wieder in den Sinn. Dieser Mann mit seiner Musik wollte uns etwas erzählen, das mit Glauben zu tun haben muss. Bei jedem Lied war ich mir sicherer, dass seine Finger in das Klavier eine Hymne eingravierten, die uns Zuhörern Glauben transportieren sollte. Vielleicht das Glauben an einen Gott, vielleicht glauben an Schicksal, vielleicht aber auch ein Glauben an uns alle. Diese Gedanken kommen mir also nun in den Kopf und ich kann diese Magie in diesem Raum kaum in Worte fassen. Sitzen doch um mich herum lauter fremde Menschen, die alle zum gleichen Moment einstimmen und mitsummen. Eine Energie, die verdeutlicht, dass wir alle zusammen – wenn wir dran glauben – etwas Großes schaffen können. Sei es ein stimmungsvolles Summen, Liebe zu transportieren, ein Gemeinsam schaffen. So sitze ich da mit einem Kribbeln in den Fingern – am liebsten hätte ich einen Stift in die Hand genommen und all meine Gedanken schon dort vor Ort niedergeschrieben, um euch davon zu erzählen. Von diesem Gefühl in mir, das alle negativen Gedanken, Versagensängste und fehlenden Mut weggeblasen hat. Denn in diesem Moment glaubte ich so fest daran, dass ich alles schaffen kann, was ich möchte. Denn ich, du, wir: Wir haben alles mitgegeben bekommen. Mir liegt alles in den Händen, ich kann wählen und entscheiden – jeden Tag aufs Neue. Jeden Tag kann ich neu beginnen. Der Pianist sagte gestern: „Ihr alle seid jeden Tag größer als eure Probleme. Euer eigener Atem ist so viel stärker als jede schlechte Stimmung.“ Wir müssen nur dran glauben. An dich, an den Mann der mir mit einem Lächeln entgegenkommt, an die Frau, die ihr Leben mit zwei kleinen Kindern wuppt, an die Oma, der ich helfe ihre Einkäufe ins Auto zu tragen und an mich, die, die irgendwo dazwischen steht.

Viel zu oft nehmen wir uns nicht wahr. Wir stehen auf, gehen unserem Trott nach, beschweren uns, wenn Alltagsdinge nicht funktionieren. Wir haben Träume, Ideen und Vorstellungen von unserem Leben, die wir jeden Tag ein Stück weiter vergraben – denn das alles wäre doch unmöglich. Wir werden immer kleiner. Wenn wir anderen Menschen begegnen, schauen wir auf die Straße und ihnen nicht ins Gesicht. Ein offenes Gesicht kann so viel mehr empfangen und wir haben zu viel Angst davor, dass wir kein Lachen zurück bekommen.

An etwas zu glauben, spendet Trost. Es erklärt uns einiges und beruhigt uns. Wieso dann nicht an uns und unsere Mitmenschen glauben? Wie viel einfacher wäre denn dann bitte unsere Welt? Ich bin dafür, dass wir uns trauen, genau das zu tun. Na klar wird man enttäuscht. Klappt nicht alles, was man sich vornimmt und oft wird es im Leben passieren, dass man gekränkt zurückblickt und sich wünscht anders gehandelt zu haben. Doch davor kann sich keiner schützen! Diese Dinge werden genauso passieren, wenn wir mit verschränkten Armen und einem verschränkten Ego durchs Leben gehen.

Mir wurde gestern klar, dass ich mir immer wieder glauben sollte. An meine Ideen und an meine Vision. An mich! Außerdem werde ich versuchen meinen Glauben weiterzugeben, an meinen Mann, der Angst hat, seine Masterarbeit nicht gut genug zu machen, an meine Tochter, die nach dem fünften Versuch vielleicht keine Lust mehr haben wird wieder auszustehen, an die Frau, die es schaffen muss, sich aus einer unglücklichen Beziehung zu lösen, an meinen Nachbarn, der immer wieder probiert die Tür morgens leise zu schließen, an Alexa, die bis heute mit meiner Stimmlage nicht klar kommt, an eine Leserin, die mir geschrieben hat, dass sie Mut braucht sich aus ihrem alten Leben zu reißen…

Denn Glauben spendet nicht nur Trost und erklärt uns die Welt – in erster Linie bedeutet er für mich mutig zu sein – denn es wird schon gut gehen! Und wenn es noch nicht gut ist, dann wartet ab und glaubt immer daran: Es wird gut gehen.

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Baldmama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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