Der Hormonhammer schlägt ein

Ich hatte vor Monaten –  am Anfang meiner Schwangerschaft – mal ein Text geschrieben, den ich mit diesen Worten eingeleitet habe: „Wir sollten keine SMS schreiben, wenn wir betrunken sind, genauso sollten hormongesteuerte Frauen keine Beiträge für ihren Blog verfassen.“ Und genau diese Zeile passt perfekt für den jetzigen Artikel. Denn mich hat es erwischt… Diese Traurigkeit und Unsicherheit nach der Geburt ist bei mir eingetroffen – man nennt es auch Babyblues. Ich bin froh gewesen, dass ich bis vor ein paar Tagen nichts von meiner hormonellen Umstellung nach der Schwangerschaft gemerkt habe – es ging mir blendend und das sofort nachdem ich Alma auf die Welt gebracht habe. Keinen Tag war ich verzweifelt, gestresst oder am Hadern, ob das hier alles so richtig ist. Doch ich habe mich zu früh gefreut, denn der Hormonhammer hat eingeschlagen. Vor ein paar Tagen mit voller Wucht. Und auf einmal bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich das hier alles kann – das Mama-sein.

Darf ich darüber sprechen, dass nicht alles rosarot ist? Mein eigentliches „Ich“ sagt ganz klar: ja. Doch schäme ich mich, mir selber einzugestehen, dass ich diese Gedanken habe. Seit drei Tagen bin ich überfordert. Ich weine oft mit Alma oder würde gerne aus dem Zimmer gehen, wenn sie einen kleinen, aber heftigen Wutanfall bekommt. Ihr Schrei fühlt sich in meinem Kopf wie ein Nagel an, der immer weiter reingehauen wird. Und dann, wenn ich neben ihr stehe und sie in den Arm nehmen will, denke ich zu aller erst: Kann ich das hier überhaupt?

Bevor ich Schwanger geworden bin und auch die letzten 10 Monate war mir immer klar: Ich bin eine Mama! So wirklich tief verankert. Ich weiß, dass ich das gut meistere und ich dafür gemacht bin, für ein kleines Wesen zu sorgen. Doch jetzt, wo es wirklich so ist, denke ich oft, ob ich nicht vielleicht durch das Mama sein nicht mehr Nina sein kann. Der Gedanke daran lässt es mich sehr vermissen.  Angst bekomme ich dann und überlege, wann ich das nächste Mal für mich sein kann. Überlege, wann es das erste Mal funktioniert, Alma für eine kurze Zeit alleine bei ihrem Papa zu lassen, oder ihrer Oma, Tante. Wann sie nicht mehr immer 24/7 auf mich angewiesen ist. Und dann, wenn ich das denke, würde ich mir gerne eine reinhauen… Dass ich darüber nachdenke, meine Tochter abzugeben, die gerade einmal einen Monat auf meiner Brust schläft.

Ich hadere mit mir. Liebe ich doch Alma ohne Ende. Habe aber genauso Angst davor, es nicht richtig zu machen. Das alles hier. Oder auch es einfach nicht zu schaffen. Und mich selber zu vernachlässigen. Dann auf einmal nichts mehr zu sein als eine Mama. Ein Zombie, mit Augenringen, ungewaschenen Haaren und keiner weiteren Aufgabe im Leben. Ich weiß, dass viele von euch sagen werden: Das ist doch alles, was zählt, eine Mama zu sein. Doch das trifft für mich nicht zu. Für mein Kind zu sorgen und es zu beschützen wird immer an erster Stelle stehen und das Wichtigste für mich sein, aber trotz alledem bin ich meine eigene Person und möchte mir dies bewahren. Zu abschreckend sind die Beispiele, wenn Mütter es nicht geschafft haben, diese zu bleiben.

Und so liege ich gerade hier und bin total übermüdet und um 14 Uhr noch nicht geduscht, mit einem knurrenden Magen vor dem Computer und lasse ein Tränchen über meine Wange laufen. Das hier, mein digitales Tagebuch, das ich für euch alle öffne, macht mich sehr verletzlich, wo ihr doch alle auf mir rumhacken könntet. Denn von einer Neumama zu hören, dass sie auch traurig ist und ihre Gefühle nicht ordnen kann, nicht 24 Stunden am Tag ihr Kind anlächelt, ist bestimmt selten. Aber ich finde, wir können alle ein wenig mehr über diese Tage berichten. Denn es geht so vielen so. So viele Mamas müssen da durch. Sich ordnen, das neue Leben reflektieren und ihre Hormone wieder in den Griff bekommen. Ich bin mir sicher, dass ich in ein paar Tagen wieder fit sein werde. Alma mich bald wieder richtig gut schlafen lässt. Und ich stärker und selbstbewusster in meine Rolle hineinwachse.

Doch jetzt muss ich erstmal Alma wecken, die einen riesigen Hunger haben muss. Sie schläft schon ganze drei Stunden und ich vermisse sie jetzt schon… Da soll einer mal die Frauen verstehen.

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

11 Kommentare zu „Der Hormonhammer schlägt ein“

  1. Weißt du, es ist richtig was du machst. Darüber zu reden – es vor allem aber auch hier im Blog an- und auszusprechen. Denn vielleicht gibt es dir genau hier ein wenig Luft, wie eine Art Ventil. Das darf so sein und das bist DU! Viele machen das nicht, auch nicht drüber reden – das sind die Frauen, die am Ende vielleicht nicht so schnell wieder rausfinden aus den Selbstzweifeln und den anderen doofen Begleitern. Ich kenne deine Gefühle, zwar nicht persönlich – aber bei mir ist der Hammer auch schon vorbeigekommen. Nicht etwa in den ersten Wochen nach der Entbindung sondern erst vor Kurzem (und meine Tochter ist bald 10 Monate!) und ich habe z. B. nicht darüber berichtet oder mit anderen außer dem Mann hier an meiner Seite und näherem Umfeld darüber gesprochen. Und während ich deine ehrlichen Zeilen hier so lese, denke ich mir: Man, es geht nicht nur dir so! Da sind 6143739 Frauen und die mama_aempf da draußen, die auch mal Besuch vom Hormonhammer haben und dann komme ich zu dem Schluss, dass drüber reden immer hilft. Auch jetzt. Also das Schreiben 😉 Ich wünsche Dir eine große Portion Kraft, Mut hast du ja schon. Rest schaffst du auch!

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  2. Ich danke dir für deine Ehrlichkeit. ich bin gerade so genervt, ja genervt von meinem eigenen Kind und schäme mich für meine Gedanken. Ich empfand es immer als ok wenn jemand gestresst von seinem Kind ist, aber ist man es selbst fühlt man sich schlecht – ich zumindest. Dennoch, es ist ok so eine Gefühlswelt zu haben. Sie kommen und gehen. Das Mama sein ist hart aber auch total schön.

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  3. Hi Nina,

    Weißt du bisher mochte ich deine Einträge nicht sonderlich weil ich es immer so empfand als würdest du alles nur rosarot sehen und schwierige Situationen mit einem tollen Mann an deiner Seite einfach mit dem Finger wegschnipsen und Frauen, die es nicht so leicht haben, blöd dastehen lassen.
    Oft fragte ich mich, ob du wirklich so heiter warst oder ein Teil davon auch nur eine schillernde Fassade für deine Leser und Follower- vielleicht um Ihnen die Angst zu nehmen und vielleicht auch um selber Kraft daraus zu ziehen, sich immer wieder an gute Momente zu erinnern und Energie aus den durzenden Zusprüchen zu ziehen. Das, was du jetzt hast, haben so viele Frauen. Lass es einfach zu. Wenn dir nicht nach einem Lächeln ist, erzwing es nicht denn dadurch geht es dir auch nicht besser. Und dein kleines Mädchen trägst du im Herzen nicht auf den Lippen. Ich finde es gut, dass du nun auch über diese Seiten des Mama- Seins geschrieben hast. Viele Frauen, die ihre Kinder alleine großziehen und keinen Partner haben, haben solche Momente schon während der Schwangerschaft. Es ist dieses Gefühl, dass man alleine da hindurch muss und die Selbstzweifel…aber alle schaffen es irgendwie und so wie ich dich bisher kenne, machst du das mit links! Viel Erfolg!!! ❤️

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    1. Hallo liebe Lora,
      danke für deine Nachricht und schön, dass dir der Text gefällt. Und auch: Danke für diene Kritik. Auch wenn ich diese ganz und garnicht verstehe, wo ich doch wirklich immer sehr ehrlich und mit Abstand von jeglichen Verschönerungen schreibe. Mir ist es immer sehr wichtig zu zeigen, dass gar nichts leicht ist, oder von alleine kommt. Und ich es hasse andere Meschen blöd dastehen zu lassen. Ich möchte, dass alle Mut haben mehr über die Wahrheit zu sprechen. Schreib mir doch gerne eine Mail mit den Blogartikeln, die deine Kritik beinhalten. Es würde mich sehr interessieren. Danke 🙂

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  4. Liebe Nina,

    Dein Bericht spricht mir sehr aus der Seele.
    Kurz nach der Geburt wurde ich von schlimmen Gedanken gegenüber meinem Kind eingeholt, obschon ich die schönste Schwangerschaft erlebte und mich so unendlich auf das Kind freute…
    Und dann war er da…und schrie…und schlief kaum…und wollte dauernd rumgerragen werden…
    Es war einfach zuviel…und ich stellte mir vor, wie es wäre wenn er ab sofort nicht mehr da wäre…
    Und trotzdem wusste ich, dass ich ohne ihn nicht leben wollte!

    Schon ganz bald nahm ich mir kleine Atempausen im Alltag und durfte wieder einmal die Woche in den Sportverein, hatte ein liebes Grosi, das regelmässig kleine Spaziergänge mit dem Kleinen unternahm, und etwas später wechselte ich mich mit einer Freundin wöchentlich in der Betreuung unserer Kleinen Jungs ab,so hatte jede von uns mal ihre zwei Stunden frei zum durchatmen.
    Diese Momente waren für mich immer sehr kostbar und ich merkte, wie ich neu gestärkt an meine Mutteraufgaben ging. Es tat gut, zu spüren, dass ich meinen Sohn sogar vermissen konnte und mich wieder unglaublich auf ihn freute.

    Beim zweiten ging ich trotz Schlafmangel und rumgetrage usw.entspannter an die Sache ran, weil ich rückblickend wusste, dass diese körperliche -und emotionale Durststrecke relativ bald vorüber ist…und auch nie mehr genau so zurückkommt *wehmut*
    Nun sind die zwei Grossen aus dem Tragealter raus und warten mit neuen Herausforderungen auf mich 🙂
    Genau richtig, um wieder genug Energie für den kleinsten Wurm zu haben 😉

    Du siehst, es ist ein Reinwachsen in die neue Herausforderung…ich wünsche Dir viel Kraft dabei und kleine grosse Unterstützer , die Dir persönliche Tankstellen im Alltag schenken.

    Herzlich, Salomé

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  5. Das Problem mit dem total übermüdet zu sein und um 14 Uhr noch nicht geduscht zu haben kenne ich nur zu gut. Meine Hebamme hatte mir dafür, oder besser dagegen lebenmitbaby empfohlen. Mir hat es geholfen.

    Viele Grüße
    Maria

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  6. Ich finde, wir Mütter sollten aufhören, ständig darüber nachzudenken, ob wir gut genug sind, handeln, welche Gedanken okay sind und welche nicht. Diese Gedanken erzeugen Druck, den niemand braucht und schon gar nicht nach einer Geburt und als Erst-Mama. Ich selbst bin gerade zum zweiten Mal Mutter geworden, habe mir ein furchtbar entspanntes Kind gewünscht, habe aber gerade erst wieder die dritte Nacht etwa in der Summe drei Stunden geschlafen – und natürlich bin ich dann reizbar und genervt und klar bin ich nicht begeistert davon, wenn mein sechs Wochen alter Spross mich dafür aus nächster Nähe anschreit. Wer in so einer Situation noch lächelt und liebevoll „danke“ in das Ohr des kleinen Süßen flüstert, möge sich bitte jetzt melden- oder für immer schweigen. Wenn wir es generell schaffen würden, uns, auch innerhalb der Gesellschaft, weniger vorzumachen, hätten wir sicher einige Menschen mit Depressionen weniger. Insofern- schön, dass es diesen Blog gibt, schade aber, dass es scheinbar etwas Besonderes ist, völlig normale Dinge anzusprechen und immer hinzufügen zu müssen, dass man sein Baby ja trotzdem liebt.

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