Vom Liegen- und Loslassen – meine Aufgabe: Mutterschutz

Vom Liegen- und Loslassen. Genau das beschäftigt mich gerade in diesem Moment und in den letzten Tagen, diese Woche und in den kommenden Tagen. Denn ich habe noch einmal Zeit für mich, die sich anfühlt wie ein Geschenk, vom dem man nicht weiß, was man damit machen soll. Den „liegen lassen“ kenne ich zwar, konnte ich aber noch nie gut. Losgelassen habe ich vor länger Zeit schon mal und wurde zu einem neuen Menschen. Ein bisschen was hängt noch nach – die Erinnerungen. Sie sind auf der Rückseite des Geschenkpapiers für mich aufgeschrieben. Ich habe erkannt, dass es wohl meine Aufgabe ist zurzeit, im Mutterschutz, diese noch mal zu lesen, mich auszuruhen, zu reflektieren und den Start in eine neue Zeit einzuläuten. Ganz für mich.

Und so langsam, heute in der 38. Schwangerschaftswoche bin ich angekommen in einem Zustand, der mir erlaubt mich zurückzulehnen, mein Geschenk zu genießen und das vollgeschriebene Papier in den Mülleimer zu schmeißen. Im Bett, die eine Hand auf der rechten Seite des Bauches, um immer mal wieder den kleinen Fuß rein zu schieben, der versucht durch meine Bauchdecke nach draußen zu gelangen, die andere Hand auf der anderen Seite, um unsere Sonne bei ihrem Schluckauf zu beruhigen. So liege ich da und denke über all das nach, was bis jetzt in meinem Leben passiert ist und wie ich hier hingekommen bin – zu mir.

Die Antwort lautet: durch meine Vergangenheit, die mich immer mal wieder sehr beschäftigt und – ganz wichtig – dem Wendepunkt. Wo ich doch jahrelang so rastlos und unausgeglichen war. Immer auf der Suche nach einem neuen Rausch: eine bessere Party, einem neuen Flirt, ein aufregendes Hobby, extremen Sport, Nächte, die ich durchgefeiert habe, um am nächsten Morgen nicht nach Hause zu gehen, sondern noch einen Vormittag im Club zu bleiben. All das hat mich jahrelang beschäftigt. Mein Leben geprägt und ganz schön durcheinandergebracht.

Heute, hier, im Bett mit der Sonne in meinem Bauch, denke ich an diese Zeiten und ich schäme mich. Ich bereue sie nicht, nichts von dem was ich bis jetzt in meinem Leben gemacht habe, bereue ich, aber ich bin der Nina, die vor ein paar Jahren noch gelebt hat, so fremd geworden, dass ich mit einem herabschauenden Blick auf diese Zeiten blicke.

Gemerkt, dass mich dieses Leben auf der Suche nach Befriedigung im Rausch auf Neues nicht glücklich macht, habe ich vor ca. drei Jahren. Langsam habe ich versucht, mich zu erden. Zu mir zu kommen, mich zu finden. Einfach nicht mehr vor der echten Nina wegzulaufen. Doch natürlich war das ein Prozess. Ein Prozess, in dem ich mit mir selber gekämpft habe. Trotzdem noch Menschen um mich hatte, die mir nicht gutgetan haben. Trotzdem noch den Drang verspürt habe, auszurasten, feiern zu gehen, mich zu verschenken (und damit meine ich nicht an Männer, sondern, dass ich mich selber null wertgeschätzt habe, mich der Welt da draußen ausgeliefert habe). Doch ich habe es gemerkt, gemerkt, dass das nicht der richtige Weg ist. Nicht der richtige Weg für mich, ich wollte etwas Echtes spüren und nicht mehr suchend sein um dann erneut wegzulaufen.

Ich glaube, dass ich mich erst seit zwei Jahren wirklich kenne und liebe. Nein, sagen wir nicht lieben, sagen wir: schätzen. Und ganz anders, als ich die Jahre zuvor gedacht habe, ist es überhaupt nicht schlimm, man selbst zu sein.

Ich merkte, dass ich diese ganzen unsinnigen Bekanntschaften nicht brauchte. Ich war auf der Suche nach jemanden, der mein Herz berührt. Doch den finde ich nicht, wenn ich mich nicht erst selber berühren kann ­– mit mir im Reinen bin. Ich merkte, dass so viele Leute in meinem Umfeld dafür sorgen, dass ich Oberflächlichkeit, Gossip und Wut in mir verspürte und für wirklich essenziell hielt. Ich merkte, dass es besser ist, wenn ich überall einen Gang zurückschalte und nicht alles schaffen muss. Meine Priorität sollte ich sein. Also verabschiedete ich mich von jeglichen schlechten Energien und versuche es noch bis heute.

Ich kann jetzt ausholen, kann anfangen zu erzählen, was und wie sich alles verändert hat, aber das sprengt den Rahmen. Was zählt ist: ich fühle mich seit zwei Jahren wirklich, wirklich gut.

Und den Rest kennt ihr ja. Ich habe mich verliebt – so richtig, bin tief und fest verankert, in mir, meinem Mann, meinem Leben. Und zack, da war ich schwanger. Mit einem neuen Leben, mit unserer Sonne. Die hoffentlich nie an solchen Selbstzweifeln und unsichtbarer Unsicherheit zu kämpfen haben wird. Ich möchte für sie so sehr, dass sie weiß, dass sie alles ist. Sie sich selber von vornherein zu 100% genug sein kann. Und Weglaufen, vor einem tollen, erfüllten Leben – so wie ihre Mutter es gemacht hat – nicht braucht. Denn das kostet nur Zeit, Zeit die man so gut anders nutzen kann.

Nun, wie schon gesagt. Ich kann meine vergangene Zeit nicht bereuen, denn sie gehört zu meiner Entwicklung. Zu dem Prozess, der mich zu der Person macht, die ich heute bin. Hätte ich bei einer Kreuzung einen anderen Weg eingeschlagen sollen? Wer weiß, wo ich dann heute wäre? Bestimmt nicht hier, in Hamburg Ottensen, in meinem Bett mit meinen Händen auf meinem Babybauch. Nachdenklich darüber, wie es dazu gekommen ist, dass ich so glücklich bin. Und hoffend, dass es noch sehr lange so bleibt.

Drei Wochen habe ich noch. Drei Wochen für mich, in denen ich Zeit habe, mir Gedanken zu machen, über meine Vergangenheit. Es auf eine Art und Weise zu verarbeiten und mich so sehr auf unser Baby zu freuen. Aber wisst ihr was? Ich bin so langsam damit durch und stelle mir lieber die Zukunft vor. Wie gesagt, ich bin so langsam angekommen, heute in der 38. Schwangerschaftswoche. In einem Zustand, der mich zur Ruhe kommen lässt und mir zeigt, dass ich bereit bin für unser kleines Wunder, dem ich von Anfang an versuchen werde, den richtigen Weg zu zeigen.

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Baldmama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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