Atmerei ist vong gestern

Geburtsvorbreitungskurs. Was für eine klischeebehaftete Veranstaltung. Lautes Hecheln, schräge Hebammen mit Pendel und Zauberkugel sind nur der Anfang von all dem, was man an Geschichten hört, wenn es um einen Geburtsvorbereitungskurs geht. Wir – Hörby und ich  – waren trotzdem da und haben wunderbare, hilfreiche Tage erlebt. Wie so etwas wirklich abläuft und ob, wann und wie man am besten an solch einen Kurs kommt, habe ich mich vor unserer Teilnahme gefragt und werde nun alle Fragezeichen für euch klären.

Immer wieder werde ich gelöchert, ob ich Angst vor der Geburt habe. Das ist die dritte Frage im nervigen Katalog: Wird’s ein Junge oder ein Mädchen? Hast du auf etwas Heißhunger? Und: Angst vor der Geburt? Meine Antwort: Nein man! Ich habe keine Angst, denn in erster Linie bringt die Geburt mich zu dem wundervollsten, was ich wahrscheinlich erleben darf. Was ich habe, ist Respekt und seit neuestem freue ich mich richtig drauf. Hört sich komisch an, oder? Wenn ihr das auch wollt, dann besucht einen gescheiten Geburtsvorbereitungskurs. Der hat mir die letzten Wochen meiner Schwangerschaft verschönert.

Seit Beginn wusste ich: Ich möchte einen Kurs mitmachen! Eine Frau, mit der ich mich deswegen unterhalten habe, sagte mir, dass man den nicht bräuchte. Helfen würde „Mein Baby“ auf RTL2 schauen und dann läuft das schon. Im zweiten Satz sagte sie aber, dass ihre Geburt unfassbar schrecklich war. Na also. Da war dann „Mein Baby“ wohl doch nicht Aufklärung genug. Also schaute ich mich in der 20. Schwangerschaftswoche um, wo und wann ich an einem Geburtsvorbereitungskurs teilnehmen kann. Mein Krankenhaus, in dem ich entbinden möchte, bietet welche an, also entschied ich mich, direkt dort einen zu machen.

Modelle:

Es gibt verschiedene Modelle: sieben-Wochen-Kurse (einmal die Woche wird dann meist abends geschult), Wochenendkurse (die sich auf mehrere Wochenenden beschränken) oder Crash-Kurse (dort bekommt ihr in zwei Tagen all das Wissen der Hebamme in den Kopf gehämmert). Wir haben einen Crash-Kurs besucht und durften uns vor ein paar Wochen an einem Samstag und einem Sonntag von 9.00-16.00 in einem Sitzkreis setzen und über unsere Babys sprechen.

Machen Männer Sinn:

Zuerst einmal: Warum „wir“ und nicht „ich“? Für Hörby war es von Anfang an klar, dass er mitkommen möchte und sich mindestens genauso gut wie ich auf die Geburt vorbereiten will. Ich fand das zuerst nur sehr lieb von ihm, nun aber auch: sehr schlau! Denn der Kurs war gerade für die Männer unglaublich hilfreich.

Wir Frauen wissen, auf was wir uns einlassen – mehr oder weniger zumindestens. Umso mehr Männer sind komplett überfragt, wenn es darum geht, wie sie im Wochenbett mit der Frau und dem Baby umgehen sollen. Wie die Binden aussehen müssen, die wir uns in drei-Lagen in die Unterhose stopfen. Oder dass sie nicht damit rechnen können, dass wir nach 2 Tagen wieder am Herd stehen und ein drei-Gänge-Menü für sie kochen. Im Geburtsvorbereitungskurs wurden sie aufgeklärt. Sie durften Fragen stellen: zur Geburt, zum Wochenbett, zum Stillen, zu Gefühlen, die in ihnen aufkommen. In den zwei Tagen wurden nicht nur wir Frauen ernstgenommen, sondern auch enorm auf die Männer eingegangen. Und besonders ihnen viel Angst genommen. Mir war bis dato nicht klar, dass so gut wie jeder von den zehn Männern, die an dem Kurs teilgenommen haben, Angst davor haben, die Nabelschnur durch zu scheiden, oder der Frau keine eine gute Stütze sein zu können.

Ich kann euch Ladys wirklich nur empfehlen: Nehmt eure Männer mit! Kleiner Tipp: die meisten Krankenkassen führen Babyprogramme, in denen die Partnergebühr enthalten ist, so muss auch euer Mann nichts für den Kurs zahlen.

Was haben wir gemacht:

Am erste Tag der beiden Kursnachmittage wurde die Geburt besprochen. Wie kann eine Geburt aussehen? Was gibt es für Möglichkeiten zu gebären? Wann muss man ins Krankenhaus fahren? Wie verhalte ich mich bei einem Blasensprung? Welche Phasen gibt es bei einer Geburt? Und wie veratme ich diese? Danach wurde unser gelerntes Wissen überprüft, die Männer sowie die Frauen sollten in getrennte Gruppen anhand von Karten erklären, wann was passieren könnte.

Am zweiten Tag haben wir uns mit dem Wochenbett beschäftigt. Jede von uns hat einen Gegenstand bekommen, welcher im Wochenbett relevant ist. Daraufhin wurde dieser von der Hebamme erklärt und Tipps gegeben. Dieser Tag war wirklich breit aufgestellt und wir haben super viel Input bekommen. Hörby wurde von mir verdonnert, alles mitzuschreiben und so sind wir mit einer langen Liste aus dem Kurs gegangen, die sich um die richtigen Bindenwahl, über Stilleinlagen, Tragetücher, Impfbücher und so weiter, dreht. Goldwert sage ich euch!

Außerdem haben wir viel über das Thema „Stillen“ gesprochen. Ein Thema, dass anscheint nicht nur mich besonders beschäftigt (dazu die Tage mehr), sondern auch alle anderen Paare. Hierzu finde ich es echt gut, dass unsere Hebamme von vornherein zu verstehen gegeben hat, dass es nicht schlimm ist, wenn es nicht klappt und uns aufgeklärt hat, welche Milchpulver gut sein können und so weiter.

Am Ende gab es eine Massage von Partner. Stopp. Zuerst mussten wir ihn massieren, was aber nach so einem anstrengenden Wochenende auch für die Männer mal drin sein sollte.

Wann ist die richtige Zeit für einen Kurs:

Ich war in der 29. Schwangerschaftswoche, als ich meinen Geburtsvorbreitungskurs absolviert habe. Dieser Zeitraum war richtig. Alle um mich herum waren ungefähr in der gleichen Woche und haben sich – soweit ich das beurteilen kann – wohl gefühlt. Ich bin total gestärkt und motiviert aus dem Kurs gegangen und habe das Gefühl, dass ich nun genug Zeit habe, um all die Informationen zu verdauen. Wenn es soweit ist, denkt man wahrscheinlich eh nicht darüber nach, was wir an diesen beiden Tagen gelernt haben, aber es gibt einem ein gutes Gefühl von Vorbereitung – mir auf jeden Fall.

Wie komme ich an den besten Kurs:

Wie oben erwähnt, habe ich meinen Kurs im Marienkrankenhaus gemacht. In diesem Krankenhaus werde ich auch entbinden. Es hat super Bewertungen und sogar eine eigene Elternschule. Wenn ihr aus Hamburg kommt, kann ich euch nur empfehlen, dort hinzugehen.

Sonst schaut bei eurem Krankenhaus nach. Wahrscheinlich bieten diese auch Kurse an. In Geburtshäusern oder Yogaschulen werden sonst auch immer wieder Möglichkeiten angeboten. Falls ihr noch Tipps habt, schreibt diese doch gerne in die Kommentare.

Was kostet mich der Kurs:

Für uns Frauen ist der Geburtsvorbereitungskurs kostenlos – die Krankenkasse bezahlt diesen komplett. Viele Krankenkassen übernehmen auch die Partnergebühr, oder wenigstens einen Teil. Ruft einfach bei eurer Kasse an und lasst euch beraten.

Stöhnen, Hexerei und andere Vorurteile:

Auf keinen Fall wahr! Wir haben eine Entspannungsübung gemacht, die uns auch in der Geburt begleiten kann. Das hatte aber nichts von lautem Stöhnen und Mantras, die man runter spricht. Uns wurden keine Karten gelegt oder der Geburtstermin ausgependelt. Alles Blödsinn!

Fazit:

Ich empfehle es wirklich jedem. Macht diesen Kurs, er kann euch nicht schaden, sondern einfach ein gutes Gefühl geben. Eure Angst minimieren und vielleicht, wie bei mir, sogar eine Art Vorfreude auf die Geburt bringen.

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

Ein Gedanke zu „Atmerei ist vong gestern“

  1. Meine Wochenbetthebamme hat einen Kurs angeboten, den ich an 7 Abenden besucht habe. Das fand ich auch super, da man sich so ein bisschen besser kennenlernen konnte und ich nun beruhigt auf die Wochenbettzeit blicke, da ich weiß, dass sie sich gut um uns kümmern wird und ich ihr vertrauen kann. Wir haben immer am Anfang und mal zwischendurch ein paar Yogaübungen gemacht, das fand ich auch immer schön so zur Entspannung. Toll fand ich auch den Austausch mit den anderen schwangeren Frauen, es war von Anfang an eine recht entspannte Gesprächsatmosphäre und es gab viel Raum für individuelle Fragen und Anliegen. Also mein Fazit ist auch positiv ausgefallen und ich bin jede Woche gerne hin.

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