Viele Klamotten sind was für Anfänger!

Der Kleiderschrank ist voll und trotzdem habe ich nichts anzuziehen. Ja, jede Frau stand schon unzählige Male vor diesem Problem. Sagen wir mal so, jede Frau, die sich etwas daraus macht, wie sie aussieht. Und auch ich habe jeden Tag eine Challenge daraus gemacht, wie ich mich zu kleiden habe.

Ich liebte es, mich zu verkleiden. Damit meine ich nicht die Clownsmaske herauszunehmen, sondern Jacken als Hosen anzuziehen und T-Shirts falsch herum zu tragen. Hauptsache anders. Hauptsache noch nie gesehen. Die Clownsmaske hätte zum größten Teil auch nicht viel verändert, denn auch so bin ich durch meinen Style schon immer gerne aufgefallen. Diese Sätze sollen keine Kritik an mein früheres Aussehen sein. Ich fand mich schön und finde es immer noch zum Teil cool, wie ich mich zurechtgemacht habe. Aber trotzdem schreibe ich das hier in der Vergangenheitsform, denn ich habe mich verändert. Ich bin ruhiger geworden und gelassener. Ich möchte nicht mehr unbedingt dadurch auffallen, dass ich grünen Lippenstift trage. Ich denke, ich kann sagen, ich möchte lieber dadurch auffallen nackt zu sein.

Acht Unterhosen, zwei Bikinis und ein paar Schlappen

Sie hat nackt gesagt? Mit nackt meine ich nicht textilfrei. Ich habe nur für mich entschieden, dass ich diese ganzen bunten Gedanken und Versuche individuell zu sein, für mich nicht brauche.

Was quatscht die Alte denn da? Ok. Ich merke, es wird schwierig euch näher zu bringen, was ich eigentlich sagen möchte. Ich fange weiter hinten an. Als ich letztens Jahr mit dem Rucksack gereist bin, musste ich mich reduzieren. Das kennt jeder, der schon mal so eine Reise gemacht hat. Ich habe also zwei Shorts, ein Kleid und zwei T-Shirts mitgenommen. Acht Unterhosen, zwei Bikinis und ein paar Schlappen. Damit bin ich über sechs Wochen ausgekommen. Ich bin morgens aufgestanden, habe mich geduscht, die Klamotten von gestern angezogen (die ich Abends einmal durchgewaschen habe) und mir meinen Turban um den Kopf gewickelt. Ich war super schnell und super befreit. Hört sich total bescheuert an, wenn ich, die immer gerne gestylt, geschminkt und manikürt rumläuft, auf alles verzichte. Aber dieses Besinnen auf das was zählt, hat mir unglaublich gefallen. Also habe ich beschlossen, dass ich nach meiner Reise meinen Kleiderschrank ausmisten werden.

So sollte es nicht mehr weitergehen

Nach jedem Umzug habe ich immer großzügig weggeschmissen. Klamotten, die ich nicht mehr brauchte, wurden verkauft, in Altkleidercontainer entsorgt oder an Freude verschenkt. Ich habe mich jedes Mal gefreut, dass ich diese ganzen Shirts, die ich im Sale bei H&M geschossen habe, einmal getragen und dann in den tiefen meines Kleiderschranks verschwunden sind, wieder losgeworden bin. Um mir dann, ja wie bescheuert, neue Dinge zu kaufen. Denn wie langweilig wäre das Leben, ohne dass ich immer wieder neue Kleidung habe? Egal ob es lange hält, die Farbe mir gar nicht steht oder ich mit meiner Figur doch lieber etwas anderes tragen sollte. Egal. Ich wollte alles haben. In meiner zweiten Wohnung in Hamburg hatte ich sogar zwei Kleiderschränke. Okay, es geht immer schlimmer. Aber ne. So sollte es nicht mehr weitergehen.

Nach meiner Reise habe ich also einen Schlussstrich gezogen. Ich habe mir überlegt, was ich wirklich brauche. Ist es nicht eigentlich eh so, dass ich mich in zwei Jeans meiner Sammlung am wohlsten fühle? Jedes Mal, wenn ich mir eine Hose aus meinem Berg ziehe und die 20 sehe, die ich nie anziehe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen den anderen gegenüber. Und so ist es nicht nur bei meinen Jeans gewesen. Jeder kennt es doch. Wir haben unsere Lieblingsteile. Die, die besonders gut sitzen. Die, für die wir die meisten Komplimente bekommen. Die, die am besten kombinierbar sind.

Jeder Mensch hat so viele tolle Dinge an sich

Dazu kam meine Lust, na klar, bedingt durch den Urlaub, „klar“ zu sein. Ich möchte am liebsten nur noch schwarze T-shirts und dunkelblaue Skinny-Jeans tragen. Nicht weil ich mich dahinter verstecken möchte, sondern weil ich es am schönsten finde, wenn wir sichtbar sind. Jeder Mensch hat so viele tolle Dinge an sich. Jeder unterschiedliche, jeder andere Vorteile, die er betonen möchte. Ich habe für mich beschlossen, dass ich ab jetzt genau diese zeigen möchte und mich nicht mehr mit dem Wahnsinn Klamotte beschäftigen möchte.

Also war ich bei fünfzehn Dingen, die ich wirklich brauche

Mein Fazit lautete: Ich brauche zwei Jeans, zwei Shorts, vier T-shirts (die wirklich gut sitzen und am besten nicht von H&M sind), ich brauche zwei Rollkragenpullover (schwarz und grau) und zwei Hoodies. Ich brauche einen Rock und zwei Kleider (eins für den Sommer, eins für den Winter). Also war ich bei fünfzehn Dingen, die ich wirklich brauche. Brauche um mich jeden Tag schön anzuziehen.

Ich denke ich hatte vor meiner Ausmist-Aktion um die 200 Kleidungsstücke, ach wahrscheinlich mehr. Keine Ahnung. Ich habe mir Kisten aufgestellt und mit eisernem Willen alles, wirklich alles, weggetan. Außer ca. zwanzig Teile. Das waren dann Stücke die oben genannt wurden plus ein paar Dinge, die ich in eine Kiste gepackt habe und unter meinem Bett verstaute – sozusagen ein Back-up. Falls ich sie vermisse, hätte ich etwas rausholen können (wir reden von ca. sechs Teilen). Also blieben vierzehn übrig. Vierzehn Dinge, die ich aus meinem riesen Sortiment behalten habe. Ein schöner Rollkragenpullover hat mir gefehlt. Also habe ich Investiert und mir einen guten Kaschmirpullover gekauft. Den Rest meiner Kleidungsstücke habe ich verkauft, verschenkt, gespendet. Da kam einiges zusammen.

Von dem Geld, das ich durch meinen Verkauf verdient habe, habe ich mir eine tolle Lederjacke gekauft. So eine, die man immer braucht, aber man sich nicht so zwischendurch mal kauft. Achja, meine Jacken und Schuhe habe ich natürlich auch aussortiert, denn auch hier bin ich immer leicht durchgedreht. Nun hatte ich drei Jacken für kältere Tage und zwei für wärmere.

Es ist so großartig

Ich fasse zusammen: Ich besaß letzten Herbst zwanzig Kleidungsstücke (Unterwäsche, Schlafanzug und Sportsachen ausgeschlossen). Und habe mich wunderbar gefühlt. Was für eine Befreiung. Ihr denkt bestimmt, ich bin bescheuert. Kann sein, aber ich sag es euch: Es ist so großartig, wenn ihr morgens aufsteht aus der Dusche kommt und wisst, dass eure Lieblingsteile auf euch warten und ihr euch zwischen drei Outfits entscheiden könnt. Und alle stehen euch gut, sind nicht zu viel, nicht zu wenig, bequem und einfach immer gut.

Diese Aktion war radikal. Ich habe nicht den Anspruch an mich gehabt, dass ich nun für immer zwanzig Kleidungsstücke behalten werde. Dafür aber, dass ich von nun an bewusster mit diesem Thema umgehen werde. In den kommenden Monaten habe ich nichts gekauft. Falls ich etwas geschenkt bekommen habe oder mir nach einiger Zeit ein Teil in die Hand gefallen ist, das umwerfend war, habe ich mich konsequent von einem anderen Teil verabschiedet. Aber das hat nach ein paar Monaten aufgehört. Ich habe wieder mehr im Schrank hängen. Und das ist vollkommen ok so. Aus den zwanzig Teilen sind jetzt vielleicht wieder fünfunddreizig-vierzig geworden – obwohl es sehr unfair ist, das gerade zu bestimmen. Mein halber Kleiderschrank ist in einer Kiste verpackt und steht auf dem Dachboden, denn durch unsere kleine Sonne in meinem Bauch passt mir leider fast nichts mehr. In drei Monaten (oder länger, warten wir mal den After-Baby-Body ab) werden dann all meine Umstandskleider in diese Kisten wandern.

Ich bin mir selber sehr dankbar

Ich kaufe mir grundlegend aber nur noch dann ein Kleidungsstück, wenn ich weiß, dass ich es länger als eine Saison tragen werde, es nicht nur mit einem „Extrateil“ getragen werden kann, sondern zu allem anderen in meinem Kleiderschrank passt und es eine gute Qualität hat.

Ich bin mir selber sehr dankbar, dass ich vor einem Jahr diesen Anfall von Konsumfreiheit bekommen habe und fühle mich nach wie vor toll damit. Ich habe bis jetzt nichts vermisst und das Back-up unter meinem Bett nach einiger Zeit mit verschwinden lassen.

Ich möchte euch damit zeigen, dass es toll ist, solche Schritte zu wagen. Macht euch frei! Oder auch nicht, wenn ihr einfach Spaß dran habt. Jeder muss für sicher selber entscheiden, welcher der richtige Weg ist. Meiner heißt seit einem Jahr: Weniger ist echt mehr!

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

Ein Gedanke zu „Viele Klamotten sind was für Anfänger!“

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