Kann man Pubertät überspringen?

Eigentlich. Ja, eigentlich. Was für ein passendes Wort für diesen Artikel. Vor diesem leeren Dokument sitze ich seit ein paar Minuten, esse meinen Cheesecake und versuche einen Gedanken für diesen Text zu finden. Habe ich mir doch EIGENTLICH überlegt, über was ich euch heute berichten wollte. Aber es kommt jetzt doch anders.

In diesen genüsslichen fünf Minuten der Besinnung in meinem Lieblingscafe setzten sich mir drei Teenager Mädchen gegenüber. Wenn man ihr Pubertätsstadium beschreiben müsste, dann wäre es die Spitze des Eisbergs. Und das wars. Das wars mit meinem Eigentlich-Thema, mit meiner Konzentration und entspannen mit meinem leckeren Stück Kuchen. Denn das, was ich da vor mir habe, wird auf kurz oder lang auch auf mich zu kommen. Und das macht mir Angst…

Laute quietschende Stimmen, grausame rote Polyester Kleider, Kaffee mit viel Sirup, Tonnen an Billig-Make-Up in Farben, die ich seit mindestens 10 Jahren nicht mehr gesehen habe, süßes, nach Marshmellow riechendes Parfüm und viel zu lange, in neon-blau lackierte Fingernägel, die vor vier Wochen hätten ablackiert werden müssen, sitzen vor mir – x 3.

Abgesehen davon, dass in mir ein Gefühl von Abschminktuch, Nagellackentferner und Hausarrest hochkommt, denke ich doch im ersten Moment: „Du kleines unschuldiges Wesen in meinem Bauch, ich möchte dich beschützen und auf dich aufpassen. Du wirst mich in 12 Jahren hassen, aber es wird nicht passieren, dass du nur im kleinsten so wirst wie diese halbstarken Girls.“ – Denkste.

Eigentlich dachte ich, dass ich mich in den Jahren, in denen mein Kind von süß auf nervig umsteigen wird, damit beschäftigen muss, es zum Duschen zu überreden. Oder, dass unser Junge, doch bitte die Fußballschuhe nicht ins Wohnzimmer tragen soll. Doch nun sind aus den harmlosen Gedanken von fehlender Körperhygiene schlimme Themen wie: Hygiene im Überfluss, Essensverweigerung, erster-Körper-Kontakt mit Jungs und die daraus folgende Befruchtung und zickiges Verhalten der Oberklasse geworden.

Entschuldigung, kurze Unterbrechung. Ich musste den Platz wechseln, ich konnte es nicht mehr ertragen. Als die eine der Dreien angefangen hat, ihre Schuhe in mein Gesicht zu halten (sie wollte sich hinlegen und ihre Füße auf der Stuhllehne abstützen), dachte ich mir, dass es langsam gefährlich wird. Entweder für mich und noch viel mehr für sie.

Zurück zum „Eigentlich“. Wir haben, wie ihr ja wisst, damit gerechnet, dass wir einen Jungen bekommen. Dass hätte vieles einfacher gemacht, bestimmt nicht besser, aber einfacher. Denn das beängstigende an der ganzen Situation ist, dass ich weiß, wie es ist ein Mädchen im Alter von 12-18 zu sein. Ich war selber mal eins.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter mir beim Frühstückstisch verboten hat, so das Haus zu verlassen. Damit meine ich: Mein Outfit, mein Make-up und mein Essverhalten. Denn ich trug mit 12-13 gerne schwarzen Kajal. Der musste aber kreisförmig ums Auge gerieben werden. Es war kein vollendetes Make-up, wenn der Stift nicht bei jeder Verwendung zwei Mal neu angespitzt werden musste. Außerdem war mein Lieblingskleidungsstück zu dieser Zeit ein pinkes Tütü. Ja – ich war so ein kleines Schwarzes-Möchtegern-Emo-Kind. Und ich habe ein Jahr nicht gerne gegessen, beziehungsweise habe es versucht nicht zu tun. Also gab es dicke Brote mit in die Schule, damit ich nicht vom Fleisch falle (Spoiler: hat so oder so geklappt!).

Wie ich mit meinem süßen 12 Jahren mit diesen Verboten umgegangen bin? Ich habe sie abgenickt, natürlich nach langem Protest, um mich dann abzuschminken, umzuziehen und brav, so wie Mama es wollte, zur Schule zu gehen. Was meinte Mutter aber nicht bedacht hatte war, dass ich alle Dinge mit zur Schule genommen habe, um mich vor der ersten Stunde auf dem Schulklo zu stylen. Ich habe durch ihr Verbot also nur Zeit verloren und bis deswegen sogar zur spät zur ersten Stunde gekommen. Gebracht hat es also nichts. Achso, die dicken Brote habe ich an meine hungrigen Klassenkameraden verschenkt.

Ich weiß natürlich heute, dass ich mich mit alldem total zum Affen gemacht habe. Nur bringt mir diese Erkenntnis für mein frühes Ich nicht viel. Ich habe mir folgenden Schlachtplan überlegt. Wenn unsere Sonne in die Schule geht, sich davor zu Hause abschminken muss und den viel zu kurzen Rock auszieht, werde ich sie das machen lassen. Ich werde Zuhause abwarten. Und nach einer Stunde zur Schule fahren, an ihrem Klassenzimmer klopfen und einfach mal nachschauen, ob sie immer noch so aussieht, wie um 8 Uhr morgens vor unserer Haustür. Das Ganze werden ich mit einem: „Entschuldigung Herr Mustermann, aber ich wollte nur schauen, ob meine Tochter vernünftig gekleidet ist“, unterstützen. Das wird ihr so peinlich sein, dass sie mich anfleht, so etwas nie wieder zu machen. Weil sie viel zu viel Angst vor einem weiteren peinlichen Konflikt hätte, würde sie sich auch nie gegen meine Verbote stellen. Gute Theorie oder?

Mit der Verhütung mache ich mir erstmal keine Gedanken, in 12 Jahren wird es bestimmt etwas Vertretbares geben, sodass ich verhindert kann mit 36 Oma zu werden. Und gegen die Essensverweigerung? Da wird unsere Sonne viel zu schlau für sein. Abgemacht? Abgemacht!

Aber erst mal habe ich bestimmt 12 wunderbare Jahre mit ihr und wer sagt eigentlich, dass sie so wird wie ich? Ich habe ja die Hoffnung, dass sie nach dem Papa kommt.

Die Mädels sind übrigens gerade gegangen, nachdem sie ihren ausgelutschten Teebeutel gegessen habe. Ich glaube, dass sollte cool sein. War es nicht – sorry!

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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