Wolkenbrei 2.0

Seit sechs Monaten darf ich mich darauf vorbereiten, bald Mama zu werden. Ein schöner Gedanke. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, wie es wohl sein wird, wenn meine Puppe lebt und Mama ruft. Da mein Spielzeug aber immer schnell langweilig wurde, war ich mir nicht wirklich sicher, ob das funktionieren kann; einen Menschen um sich zu haben, um den man sich immer sorgen muss, auf den man immer aufpasst, für den man lieber sein (früher Taschen-) Geld ausgibt, als für sich selber. Und ehrlich gesagt ist es immer noch so. Ich kann mir schlecht vorstellen, was da im Endeffekt auf mich zukommen wird. 

Alle in meinem Umfeld sind ausgerastet, als sie gehört haben, dass ich Mama werde. Es war ein großes „Oh, wie toll! Wir hätten nicht gedacht, dass du hier den Anfang machst, mit dem Kind kriegen.“ Danke dafür. Aber ja, ich bin eine der Ersten in unserem Freundeskreis, die abends nicht mit in die Bar kommen kann, weil da geraucht wird. Und das in erster Linie, weil mir davon schlecht wird. Ich bin auch eine der Ersten, die sich mit Elterngeld, Kindergeld, Kita und Hebammensuche beschäftigen muss. Nicht immer einfach, denn wen fragt man, wenn man nicht mehr weiter weiß? Das Internet ist kein Freund in solchen Situationen, egal welche Frage du hast, du kannst dich zu 100% darauf einstellen, dass du mit noch schlechterer Laune und drei Horrorszenarien mehr gehört den Laptop zuschlägst.

Also sitze ich hier – an schlechten Tagen – und bin fest davon überzeugt, das alles nicht zu schaffen.

Absatz.

Bis hierhin habe ich den Text vor ein paar Wochen geschrieben. Einer Zeit, in der es mir körperlich und seelisch nicht so gut ging. Es kam vieles aufeinander. Ich war dauergestresst und angespannt. Ich habe mir Sorgen gemacht und war überfordert mit mir, dem Baby in meinem Bauch, meiner Arbeit, meinen Träumen. Und so habe ich angefangen einen Artikel zu schreiben mit dem Titel „Was hat sich alles geändert“… Ihn aber nach zwei Absätzen wieder fallen gelassen, das Fenster geschlossen und irgendwo unten in meiner riesigen Zeile an offenen Fenstern verschwinden lassen. Bis heute. Denn gerade eben ist er mir wieder in die Hände gerutscht und anstatt ihn zu löschen, werde ich ihn genauso lassen und trotzdem komplett verändern. Ich brauche euch nicht zu erzählen, wie sich alles verändert. Jeder Mensch, der bis drei zählen kann, kommt da selber drauf. Ich möchte euch erzählen, was mir hilft an beschissenen, hormongesteuerten Tagen aus meinem Loch rauszukommen. Was mich gekränkt hat und mich im Endeffekt wieder bestärkt.

Ich bin ein sehr verplanter Mensch. Und möchte das eigentlich gar nicht sein. Viel lieber wäre ich spontan und würde mir nicht über alles 1000 Mal den Kopf zerbrechen. Es fängt manchmal schon dabei an, wenn ich überlege, was ich abends zu essen koche. Da könnte ich stundenlang überlegen und meine Pläne immer wieder umschmeißen, weil ich ein perfektes Abendessen machen möchte. Am Ende hätte ich mir es natürlich sparen können, mir so viele Gedanken zu machen und lieber die Zeit für andere Dinge nutzen – zum Beispiel zum nichts tun.

Und so geht’s es bei allem in meinem Leben. Anstrengend ist das, aber hey, so bin ich nun mal. Schwierig ist es bei Dingen, die man nicht planen kann. Ich habe keine Ahnung, was ich für mein Baby alles brauche. Klar, ich kann mich belesen, aber wie ich oben geschrieben habe, steht im World-Wide-Web ziemlich viel Mist. Ich habe keine Ahnung, wie es werden wird, ein halbes Jahr in Elternzeit zu gehen und erst recht nicht, wie ich davon lebe. Kurz zur Erinnerung: Ich arbeite zum größten Teil selbstständig. Und ich habe keine Ahnung, wie es sein wird, eine Familie zu haben.

An unruhigen Tagen dreht sich dieses Rad in meinem Kopf bis zum Durchdrehen. Früher, als die Themen noch nicht so wichtig und der Bauch nicht so dick war, habe ich in solchen Momenten eine Flasche Wein aufgemacht oder (der gesündere Weg) bin zum Bikram-Yoga gegangen. Beide Dinge kann ich momentan nicht mehr machen.

Ich brauchte also einen Ausgleich, etwas, das mich beruhigt. Und das habe ich gefunden. Es ist ganz einfach und gar nicht so weit weg. Es ist mein Zuhause. Und damit meine ich nicht meine Wohnung, sondern Dinge, die über das hinausgehen. Dinge, die eigentlich so banal sind, aber nicht genug wertgeschätzt werden. Ich denke in jedem schlechten Moment an diese drei Punkte und beruhige mich:

Meine Hülle

In erster Linie ist das mein Körper, der mich trägt und durchs Leben führt, wann immer und wohin es auch geht. Auf ihn kann ich mich verlassen. Er funktioniert einwandfrei und verzeiht so einiges. Er macht ein Baby und lässt trotzdem mein Herz normal weiter schlagen. Wieso mache ich mir Sorgen, wenn ich mich auf so etwas Großes verlassen kann?

Meine Kraft

Ich bin stark. Klar, auch körperlich, aber ich meine: ich habe Energie und bin mutig. Ich bin zwar angestrengt, aber auch willensstark. Ich weiß, dass ich die Dinge schaffen werde, die ich anpacke und kämpfe dafür. Und genau diese Kraft ist das, was ich oben negativ als verplant beschrieben habe. Positiv ausgelegt: Ich bin intensiv und trotzdem bedacht. Ich möchte Dinge erreichen und das nicht ohne mich oder andere Sachen, die mir wichtig sind, zu verlieren. Ich kann mir ruhig häufiger sagen, dass das eine gute Eigenschaft ist.

Meine Liebe

Und zu guter Letzt und das ist der neueste, aber wichtigste Punkt für mich. Ich habe meinen Freund an meiner Seite. Der mich aushält, mir zuhört, mir zuspricht und auch mal zu mir gegen mich spricht. Diesen tollen, schlauen Menschen, der genau anders ist als ich und mich in den Momenten einfängt, in denen ich wie ein Wildpferd davon galoppieren möchte. Ich wüsste nicht mehr, was ich ohne ihn machen würde. Ich weiß nicht mehr, wer ich ohne ihn war. Denn seine Liebe und Nähe gibt mir den Halt, der mir so oft zu fehlen scheint. Ich könnte jetzt in meiner nicht vorhandenen Songtextkiste wühlen und in Lyrics versuchen auszudrücken, was mir dieser Mann bedeutet, aber das erspare ich euch und mir, denn diese Hormone bringen mich einfach schon bei den kleinsten Kleinigkeiten zum Weinen. Jetzt aus Freude.

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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