Butter bei die Fische ist out, heute muss es Chutney sein

Du liebes Fischbrötchen, es tut mir leid, aber es scheint, als seist du vom Aussterben bedroht. Dich in klassischer Form zu finden, gestaltet sich immer schwieriger – und das, obwohl wir Hamburger dich doch so lieben. Nicht nur hier bei uns, sondern auch direkt am Meer wirst du missbraucht, um dich interessanter aussehen zu lassen. Sterneköche machen sich an dir zu schaffen ­– tauschen Produkte aus, basteln Chutneys und weisen dir Themen zu. „Fischbrötchen Italien“ und „Asien trifft Ostsee“ heißt es ab jetzt am Timmendorfer Strand, wo soll das nur hinführen? Es schmeckt nach Veränderung. Der ganze Norden singt leise bye-bye und verabschiedet sich vom altbekannten Klassiker. Denn der neue Foodtrend gibt vor: Aus Fischbrötchen wird Fischburger – muss das sein?

Vor kurzer Zeit war es wieder so weit. Das siebte Mal in Folge wurde der „Weltfischbrötchentag“ gefeiert. An Schleswig-Holsteins Ostseeküste zelebriert der ganze Norden unser Kultgericht. An solchen Tagen wird klar: Fisch ist beliebter denn je – und zwar in allen Varianten. Im Brötchen gibt es ihn schon lange und das ist gut so – ein Krabbenbrötchen hat noch nie jemandem geschadet (außer vielleicht bei einer Schalentierallergie). Nur sterben die Krabbenbrötchen immer mehr aus. Wir brauchen mehr Kreativität, mehr Verrücktheit (heißt es)! Zwischen Bismarckhering und Zwiebel sollten nun bitte auch die Reste vom Vortrag liegen.

Fischbrötchen sind ein Klassiker und wir Hamburger, freuen uns sehr, dass der Oldschool-Genuss immer noch gerne auf dem Teller liegt. Dass wir sie am Hafen bekommen, ist klar, auf der Reeperbahn findet man den winzigen Fischbrötchenladen „Große Haie, kleine Fische“ und auf der Schanze die „Fischköppe“. Alle bieten im Grunde das Gleiche an, aber doch komplett anders – neuerdings. Unser altbekanntes Fischbrötchen bekommt nicht nur innerlich einen neuen Anstrich, sondern auch einer neuen Fassade – aus Brötchen wird Burger und schon sind wir im Jahre 2016 angelangt.

So wird im ersten Fischbrötchenladen „Kleine Haie, große Fische“ mitten auf dem Kiez der Störteburger serviert: Fischfrikadelle, Gouda, scharfe rote Teufelsoße, halbe Gewürzgurke, Röstzwiebel zwischen einer Schrippe. Mit viel Fantasie erfährt man beim Reinbeißen, wie der Seeräuber damals seinen Kopf verloren hat, denn eine Geschichte zu den Gerichten gibt es hier inklusive.

Im „Fischköppe“ wird der Trend schon längst gelebt, den ganzen Tag werden hier hungrige Bäuche gestillt. Chutney ist die neue Remoulade. Und „Kartoffelbrötchen“ hört sich einfach besser an als der altbekannte Ruf: „Ein normales Brötchen, bitte“. Spätestens der Stremmellachs klingt nach wahrem Genuss – übrigens der beliebteste Burger bei den „Fischköppen“. Nadine, Inhaberin der „Köppe“ bemerkt aber auch, dass es ein schleichender Prozess ist, ihr Publikum an neue Geschmäcker zu gewöhnen. Doch wenn der erste Schritt getan ist, gibt es keine Alternative mehr als die neuen, hippen Fischburger.

Wo es in Hamburg noch gesittet zugeht, wird es in Neustadt im höheren Norden schon schräger. Das „Klüvers“ bietet Fischbrötchen-Kreationen an, die einfach nur zum Weglaufen sind. Aal mit Leberwurst, geräucherte Fischeier mit Mascarpone, Aalrauch-Pannacotta mit Garnelen und Kräuter-Matjes mit Marzipan. Stopp! Wenn der Magen „Leberwurst!“ ruft, soll er sie bekommen, aber bitte auf Sauerteigbrot vom Metzger seines Vertrauens.

Manchmal ist weniger mehr. Chichi und Kreativität überlassen ich den Burgerliebhabern. Ich lieben es fischig und simple. Fischbrötchen ohne Gedöns sollten auf dem Thron bleiben, wir sollten sie feiern und ein wenig nordische Kultur bewahren.

Die Vorstellungen, dass die „Brücke 10“ statt Krabbe, Pannacotta-Garnelen-Pastete anbietet, lässt meine Augen feucht werden. Surf and Turf funktioniert prima – in Nordamerika, bei Sonnenschein und Caipirinha. In Hamburg funktioniert Schlichtheit, eine leichte Brise und ein gutes Stück Fisch zwischen den Zähnen, oder?

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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