Selbstliebe ist ein Arschloch

Wie werde ich ein glücklicherer Mensch? „Mein Kind, liebe dich selber, dann wird dir die Welt gehören.“ Sagte sie und verschwand in ihre Traumwelt. Ja, wir wissen alle, wie wichtig es ist sich selber zu schätzen und nicht zu kastrieren. Aber kann die Welt nicht mal aufhören, uns gute Ratschläge zu geben ohne Anleitung?

Selbstliebe ist ein Arschloch. Wir stehen alle auf sie, sie kommt oft angekrochen, macht sich bemerkbar und verschwindet dann wieder. Selbstliebe ist ein kleiner Funke, der an unserem Egohimmel erscheint, aber sehr viel schneller wieder verschwinden kann. Selbstliebe soll uns retten, dabei gehen wir doch alle jeden Tag aufs Neue wieder ein wenig unter. Selbstliebe kann nicht immer unser Rettungsring sein und an der Oberfläche halten, denn auf sie kann man sich nicht verlassen. Oder doch?

24 Jahre lang bin ich auf dieser Welt und Tag für Tag gewachsen. Ich bin abgestürzt, durchgedreht, habe mich schlecht benommen, geweint und geschrien. Ich habe falschen Leuten vertraut, zu wenig vertraut, zu viel vertraut. Ich habe zu viel an mich gedacht und zu wenig an andere. Ich bin nicht immer gut genug, ich war nicht immer ich selber… Stopp. Ich bin Nina – nicht wenig, nur manchmal mehr. Nach vielen Stunden, Tagen, Wochen, die ich mit Selbstreflexion verbracht habe, wurde mir irgendwann klar, dass es nichts bringt, besser sein zu wollen. Als ich an diesem Punkt der Veränderung in meinem erst sehr kurzen Leben angekommen war, ist etwas in mir passiert: Ich habe verstanden, dass ich niemals ein Stadium erreiche, in dem ich mir selber sagen werde, dass es keine Verbesserung gibt. Daher lasse ich das Hinterfragen einfach sein.

Ich brauchte bis jetzt knapp zwei Jahre, in denen ich versucht habe durch ständiges Hinfallen und wieder Aufstehen zu verstehen, wieso ich so bin, wie ich bin. Meine negativen Seiten gerne auslebe und die positiven auch manchmal in die Hosentasche stecke. Und soll ich euch was sagen? Das ist gut so! Dieser Beitrag soll nämlich nicht einer von 1000 so-werde-ich-endlich-glücklich-Artikeln werden. Nein! Du musst dich nicht immer selber mögen und erst recht nicht lieben. Die Welt ist nicht jeden Tag toll, wie wir zu oft schmerzlich erfahren müssen. Wie schlimm wäre es denn, wenn alle immer und überall total von sich überzeugt wären, glückstaumelnd durch die Gegend schlendern und immer alles richtigmachen? Ich sag es euch: Es würde so nicht funktionieren! Zuerst wäre alles voll mit Konfetti, doch dann würden die Menschen merken, dass es etwas Neues geben muss, an dem sie arbeiten müssen. Etwas anderes würde Glück ausmachen. Wir würden weitersuchen nach dem großen, tollen Etwas, was unsere Welt zu einem besseren Ort macht. Bis wir diese Sache gefunden haben und sie meinen zu verstehen, sie austricksen und das ganze Spiel von vorne beginnt. Abgesehen davon würde unsere ganze Wirtschaft zusammenbrechen, wenn jeder meint, sein Glück in sich gefunden zu haben. Keiner kauft mehr Dinge, die er gar nicht braucht, keiner macht mehr unnötige Kosmetikbehandlungen oder fährt für ein Heidengeld in Yoga-Retreats. Und was wäre nur mit der der Einhornschokolade von Rittersport? Auch die würde keiner mehr kaufen – denn eine verflixt tolle Welt mit rosa Pferdchen brauchen wir nicht mehr, wir haben dann uns und unsere bedingungslose Liebe zu uns selbst – ha.

Ich möchte nicht mit dem erhobenen Finger auf die Welt zeigen und so tun als wüsste ich es besser. Weiß ich nämlich nicht. Was ich aber für mich herausgefunden habe, ist wirklich nichts mehr zu suchen – schon gar nicht mehr mich selber. Ich möchte, dass das Leben zu mir kommt. Mich findet und ich ihm vertraue.

All das, was mich erfüllt und mein Leben ausmacht, ist zu mir gekommen, ohne dass ich morgens mit einem Chai-Latte und einem Blumenkranz auf dem Balkon saß und meditiert habe. Versteht mich bitte nicht falsch, ich liebe es zu meditieren und mich auf mich zu besinnen, der große Unterschied ist nur, dass ich es ohne Ziel tue beziehungsweise versuche.

Ich habe für mich entschieden, keine Bedingungen an mich selber zu stellen. Kein „Wenn ich 10 Kilo abnehme, finde ich mich hübsch. Wenn ich das (nicht) mache, werde ich erfolgreicher, besser, motivierter. Wenn ich etwas nicht weiß, google ich es und notiere es irgendwo, damit ich mich bilde.“ Nein man, dann weiß ich halt etwas nicht und frage lieber nach.

Ich möchte die beste Version von mir spüren, aber nicht jeden Tag erzwingen. Ich möchte, dass man mich mag, weil ich auch mal scheiße bin. Ich möchte an alle, die ich hiermit erreichen kann, appellieren, dass es nicht erstrebenswert ist, seine Selbstliebe zu erzwingen und dafür zu kämpfen. Wenn ich euch einen Hashtag unter diesen Beitrag schreiben würde, würde er so gehen #glückistetwasfürdasihreuchentscheidet  – an guten Tagen tut ihr es. An schlechten Tagen lasst ihr es bleiben. Es werden wieder die guten kommen, denn das Leben meint es im Großen und Ganzen gut mit mir, dir und allen da draußen.

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

3 Kommentare zu „Selbstliebe ist ein Arschloch“

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