Auf den Büffel kommt es an

Je teurer der Pauschalurlaub, desto besser das Buffet. Einfache These, bis jetzt hat sie sich immer bewiesen. Ich, Nina, bin Pauschalurlaub gewöhnt und besonders skeptisch, wenn „italienischer Abend“ auf dem Tagesplan steht. In der Türkei bin ich beruhigter, wenn statt Spaghetti Carbonara, Lammspieß zelebriert wird – bis jetzt ging „traditionell“ immer besser aus.

Diese Woche Urlaub hat meinem Portmonee ziemliche Schmerzen zugefügt: ich hoffe, dass statt Kuhmilch – Mozzarella wenigstens ein Büffelkäse in der öltriefenden Schale liegt. Ich stelle mich auf Carbs und schlechte Pestos ein und beschäftige mich in Gedanken schon mal mit den wirklich schönen Dingen: der all – inclusive Bar.

Die Fleischwurst lebt

19 Uhr. Meine Freundin Lisa und ich laufen in unseren dem Abend – Motto angepassten „mehr ist mehr“ – Kleidern in Richtung Restaurant. Auf dem Weg ruft der Tennislehrer mir bewundernd zu: „Oh Bella, du siehst aus wie Mariah Carey!“. Mein Körper zuckt gewaltig und ich schiele an mir herunter. Die Bauchweghose ist normalerweise nicht sichtbar. Hat der trainierte Mann mit den Tennisbällen sie doch bemerkt? Ich weiß nicht, was mir gerade lieber wäre: Eine sichtbare Fleischwursthose, die vielleicht doch Dinge dahin presst, wo sie noch schlechter aussehen – oder wenn ich einfach die gleiche Frisur hätte wie Frau Carey.

„Schlimmer geht`s nimmer“ taufe ich nun diesen Montag Abend. Doch wie immer folgt jedem Schock auch ein Zauber. Vor dem halligen Restaurant mit den typischen Siebener – Tischen prangt ein selbstgemaltes Schild: „Heute kein Buffet – ihr werdet von uns Animateuren verwöhnt!“. Ich glaube, es dient dazu, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, mir soll es Recht sein, hauptsache keine Nudeln, die seit drei Stunden in einem Wärmebehälter vor sich hin quellen. Entspannt und voller neuer Hoffnung lassen wir uns an unserem Tisch nieder und bestellen einen doppelten Campari – Orange.

Nach einem Rinder – Carpaccio folgt auf unserer Menükarte „Dreierlei vom Mozzarella oder Melone mit Schinken“ Die Klassiker. Ich nehme den Schinken, Lisa das Dreierlei. Der Kellner, oder auch Animateur: Rocco, alias der Tennislehrer (ihr erinnert euch, wir kennen uns schon) balanciert zwei Teller an unseren Tisch. In seinem zweifellos sanftesten Ton preist er auf seiner rechten das Caprese – Dreierlei an. Lisa versteinert. Meine Freundin hat es nicht so mit Essen und Begrifflichkeiten, sie ist glücklich, wenn es satt macht und sie an Hand des Namens weiß, was auf ihrem Teller liegt. Ihren Blick werde ich nicht vergessen, dieser war in der Art so, als wenn ich vor einer großen Menge an Menschen (ohne mich vorher betrunken zu haben) singen soll: pure Verzweiflung. Sobald ich ihr aushelfen konnte und sagen will: „Vielen Dank, den hat meine Freundin Lisa bestellt“, ruft sie schon dazwischen, dass sie doch drei Mozzarella bestellt hätte. Rocco schmunzelt und sah dies als Aufforderung, mit Lisa über weiße käsige Kugeln zu sprechen, setz sich zu ihr und redet los…

Ruhe, ich möchte entspannt essen

Ich versuche mich zu erinnern, wann mir klar war, was es eigentlich mit so einem   Caprese – Salat auf sich hat. Vor ein paar Jahren habe ich in alten Videoaufnahmen meiner Mutter rumgestöbert, Gott sei Dank fand ich die Kinderaufnahmen und habe mich ein Wochenende mit diesen zurück gezogen. Beeindruckt hat mich eine Szenerie, die sich an unserem Abendbrot – Tisch zugezogen hatte. „Mama, hör auf mich zu filmen, dieser Mozzarella scheint nur für mich hier zu liegen. Und jetzt Ruhe, ich möchte entspannt essen!“ – zu dem Zeitpunkt müsste ich rund zehn Jahre alt gewesen sein. Meine Liebe zu Food machte sich also schon früh bemerkbar. Oft musste meine Mutter mich abhalten, noch ein weiteres Mal mit der Gabel im Topf zu stiebitzen. Mit Sicherheit war aber das der falsche Weg, denn das gehört immer noch zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Wie sagt es sich so schön? Die Dinge, die verboten sind, sind die interessantesten! Stimmt, und das in jeder Lebenslage – aber das ist eine andere Geschichte.

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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