Opa hört sich ganz schön alt an…

Ich hatte große Angst, die großen Neuigkeiten meiner Familie zu erzählen. Warum? Weil ich immer noch das Kind meiner Eltern bin – logisch. Aber so meine ich das nicht. Ich fühle mich ihnen gegenüber noch immer wie das Kind, dass seine Entscheidungen begründen muss und Rücksprache mit ihnen halten sollte. Wahrscheinlich geht es vielen so. Ich frage meine Eltern oft nach Rat, auch wenn ich von ihrem meistens nicht viel halte, ist es mir trotzdem wichtig zu erfahren, wie sie über manches denken. Aber natürlich bespreche ich nicht mit ihnen darüber, wann ich mit meinem Freund schlafe – lol.

Also ist das mit dem Kind nicht nur für mich eine riesen Überraschung, sondern auch für sie. Lange habe ich überlegt; soll ich es ihnen am Telefon sagen, bzw. über Skype? Dann hätten sie die Möglichkeit aufzulegen, es zu verdauen und mich, wenn sie möchten zurück zu rufen. Achso, kurze Info am Rande: Das mit den Beziehungen klappte bis jetzt in unserer Familie nie so gut, meine Eltern sind getrennt und beide schon wieder verheiratet (gewesen). Also liegt es nun an mir, die Ehre der Familie herzustellen (hallo Mama und Papa, ich hoffe, ihr lest das hier nicht). Die zweite Möglichkeit der Verkündung ist es, ihnen persönlich bei einem Treffen zu sagen. Bei ihrem nächsten Besuch im Norden oder einem spontanen Überfall in Dortmund, ihrer Heimat.

Ich bin zwar noch jung, aber Dennis und ich sind, wenn Miniaempf aus mir raus plumpst, beide Mitte zwanzig. Haben feste Jobs, eine schöne Wohnung und einen Führerschein (witzig, dass ich das immer erwähne. Für mich ist mein Führerschein das, worauf ich am meisten stolz bin und das trotz Uniabschluss und so weiter. Was läuft schief bei mir?). Also kann uns keiner was. Noch nicht mal meine Eltern. Ich habe mir das worst-case-Szenarium ausgemalt. Mama kippt um, Papa erzählt nur was von „Was kostet das nur alles!?“ und ich sitze heulend dazwischen.

Trotzdem entschied ich, es ihnen persönlich zu sagen. Doch wie das Leben so wollte, hat es mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der geplante Besuch von meiner Mutter ist in ein Familientreffen aller vorhandenen Generationen ausgeartet. Da ich es ihr nicht vor meiner Oma und meinem 13 jährigem Bruder sagen wollte, wurde es dann doch Skype.

Mein Vater rief mich ein Tag vor meinen geplanten Besuch an und riet mir, ihn lieber nicht besuchen zu kommen, weil er die Pest, Superaids oder einfach nur eine Männererkältung hätte. Apropos: Letztens las ich in einem Satiremagazin diese Headline: „Frau entschied sich Kind auszutragen, um die Schmerzen einer Männergrippe nachzuempfinden“ und habe mich köstlich amüsiert.

Aber der Reihe nach. Das Gespräch mit Mutti: sie schlug die Hände über den Kopf zusammen und wurde kurz richtig blass. Aber nach wenigen Minuten hatte sie sich wieder gefasst. Freude war es dann doch noch nicht, aber sie konnte wieder vernünftig sprechen und sprach mit mir in ganzen Sätzen. Erster Meilenstein erreicht.

Meinen Vater rief ich eine Woche später an, an dem Tag als er unser Treffen wegen seines Schnupfens absagte. Ich hätte ihm was zu sagen, stand in meiner Whats-App-Nachricht. Eine erste Vorwarnung also. Es konnte sich also eigentlich nur um eine Heirat oder ein Kind handeln. Das bestätigte er mir auch nach unseren ersten Sätzen per Skpye. Er sagt, er wäre auf alles vorbereitet und fragte, was es denn nun sei. An seiner Stimmlage und seinem hohlen Blick ahnte ich aber schon, dass er wahrscheinlich nicht ganz bei Sinnen war und die Medikamente, die er gegen seine Erkältung eingenommen hat, ihm ein wenig zusetzen (diesen Blick kenne ich eigentlich nur von meinem großen Bruder, wenn er wieder mal tagelang in seiner Kifferhöhle gesessen hat). Ich zeigte meinem Vater (und seiner Frau) das Ultraschallbild und wartete auf eine Reaktion. Diese blieb aber seinerseits aus. Er hatte auf einmal einen Blick aufgesetzt, der nur in Emojis zu beschreiben wäre. Einerseits lächelnd, andererseits geschockt oder eingeschlafen. So ging es die nächsten 10 Minuten, bis er sich mit : „Ich melde mich noch mal“ verabschiedete. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass er sofort ins Bett gegangen ist und den ganzen Tag geschlafen hat. Als er wieder aufwachte, hatte er seine Oparolle akzeptiert.

Der Rest meiner Familie hat es nach und nach erfahren. Meine Oma war ziemlich geschockt – das ist sie aber des Öfteren. Sie regt sich zuerst immer gerne über alles auf um sich danach zu freuen. Eigentlich gar nicht so eine schlechte Theorie, so kann das Gefühl nach dem Aufregen nur besser werden. Mein großer Bruder hat die Nachricht mit einem „Korrekt“ akzeptiert, das ist schon ein großer Gefühlsausbruch für ihn und mein kleiner Bruder ist vor Rührung in Tränen ausgebrochen.

Nachdem sich alle gefasst haben, freuen sie sich wie blöde. Meine Mutter erzählt es Gott und der Welt. Also wirklich jetzt! Heute bekam ich eine Glückwunsch-SMS von dem Wirt einer unserer Stammlokale aus meiner Heimat. Letzte Woche hatte sie es ihrem neuen Friseur erzählt. Übrigens ihr Ziel ist es, die schönste Oma Deutschlands zu werden. Ist ja irgendwie süß.

Mein Vater hat, nachdem er wieder gesund geworden ist und mich dann in Hamburg besucht hat, seine typische Rolle eingenommen: die des Sparfuchses. Er sagte bei einem Kaffee zu mir, dass es großartig wäre, dass wir ein Spätsommerbaby bekommen würden. Dann bräuchte wir ja gar keinen Kinderwagen, der wäre dann ja viel zu warm und die Kinder würden eh viel zu schnell rauswachsen. „Es würde auch ein einfacher Baggy zum Zusammenklappen tun, oder nicht?“. Sein voller Ernst. Gott sein Dank kann ich drüber lachen. Den Kinderwagen kaufen wir uns dann selbst – haha.

So nun endlich zum Schluss dieses Textes. Rückwirkend betrachtet habe ich mir viel zu viele Sorgen gemacht. Was andere über mich denken und wie ich meine bzw. unsere Entscheidung erkläre. Ein Kind ist das Wundervollste auf der Welt, und wenn das eigene Kind ein Kind bekommt, dann ist man doch als Elternteil doppelt beschenkt (soweit die Umstände passen). Ich bin froh, dass ich nun so viel Unterstützung bekomme und weiß, dass ich auf meine Familie zählen kann. Ich hoffe, dass es so bleibt und alle weiterhin mitfiebern. Ich versuche sie auch viel einzubeziehen und mich oft zu melden. Was nur ganz allein die Entscheidung von mir und Dennis ist, ist die Sachen mit der Namenswahl. Da mischen sich alle gerne ein. Aber das ist ein anderes Thema …

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

Ein Gedanke zu „Opa hört sich ganz schön alt an…“

  1. Hola! Ja, wie hat denn Dennis Mutter die Nachricht erhalten und aufgenommen? Ja, was soll ich sagen: ich führe seit über 20 Jahren einen 3 Männer Haushalt, immer wieder für Überraschungen gut, aber dieses Mal habt ihr echt den Vogel abgeschossen. Da wirst du von den beiden abgeholt, auf den letzten Drücker wollte ich mir noch schnell die Fingernägel machen, grinsend halten sie dir ein Ultraschallbild vor die Nase. .. .. Sekunde… Wartet…Achtung….Ich habe es gleich:
    Oma 2017! Wie cool ist das denn! Ganz warm ist mir geworden und habe mit einem breiten Lächeln beide nacheinander umarmt, so gut es halt ging mit frisch lackierten Fingernägeln. Oh, wie schön! Sehr gern! Aber: Oma bitte mit einem weichem O und nicht mit gefühlten 3 M! In anderen Sprachen klingt dieser Titel so schön: Nonna auf Italienisch, Granny im Englischen oder Abuela/Abuelita auf Spanisch….Das besprechen wir noch! Aber wisst ihr was? Eines ist sicher: Weihnachten und Ostern wird wieder so richtig Spaß machen. Garantiert!

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