Ungewisser Wolkenbrei

SPOILER. Der folgende Text wird peinlich. Bitte tut mir ein Gefallen, in hormonellen Schüben, in denen es euch nicht gut geht, euch die Seele brennt, euer Gehirn weiterdenkt und weiterdenkt, obwohl es die Klappe halten sollte, bitte nehmt in dieser Zeit nicht den Laptop in die Hand und philosophiert über eure Probleme. Am nächsten Tag packt ihr euch an den Kopf. 

Schwanger sein ist ziemlich vergleichbar mit einem Rausch bzw. dem Kater am Tag danach. Ihr fühlt Euch oft ekelig, kodderig, Müdigkeit und Schwindel sind treue Begleiter und der Hunger auf süß und fettig gleichzeitig ganz normal. Und dann diese Sentimentalität. Ungefähr so, wie nach 2 Flaschen Prosecco und drei Mexikaner. In diesem Zustand solltet ihr auch unter keinen Umständen Texte verfassen (erst recht nicht bei Whats App). Also egal ob schwanger oder Schluckspecht: schreibt nur wenn ihr bei klarem Verstand seid. Falls euch das nicht abgeschreckt hat, sondern vielleicht sogar neugierig, wenn ihr euch meinen Gedankenbrei trotzdem antun wollt, lest selbst:

Ab heute bin ich in der 8 SSW. Oder auch nicht. Nach App und Internet könnte es auch die 7 SSW sein. Und ja, es ist eigentlich vollkommen egal, jedoch finde ich jetzt gerade keine Ruhe.  Und in meinem Kopf geht nur der Gedanke vor sich her „Wie weit bist du da in meinem Bauch?“…

Kurze Info am Rande, ich habe es nach wenigen Google-Versuchen heraus gefunden, also das Wochen-Missverständnis. Es liegt an der deutschen schweren Sprache, Tüte Deutsch habe ich mal probiert … Ok lassen wir das, das war mit 10 Jahren lustig. Zur Aufklärung (falls jemand genauso auf dem Schlauch steht wie ich): Ich bin zurzeit in der 7. SSW, aber genauso in der 8 SSW. Da ich die siebte beendet habe, steht hinter dieser Zahl ein Punkt, die 8 SSW läuft somit gerade und ist in 5 Tagen beendet, dann geht das Spiel von vorne los nur halt eine Woche weiter – ist das schön, wenn einem das Licht aufgeht.

Ihr fragt euch bestimmt, warum mich das gerade so beschäftigt. So sehr beschäftigt, dass ich trotz 21:23 Uhr (eine Zeit, bei der ich seit sieben Wochen eigentlich schon längst schlafe – Müdigkeit lässt grüßen) zu meinem Laptop greife und das hier für Euch aufschreibe.

Das große Thema dahinter heißt glaube ich Angst. Angst noch Wochen auszuhalten, in denen ich nicht weiß, wie es der kleinen Bohne in meinem Bauch geht, in denen ich noch kein Gefühl zu diesem Wesen aufbauen kann. Jetzt doch noch eine Woche länger warten, bis die Etappe 12 SSW erreicht ist. Auch wenn eine Bindung schon jetzt besteht, bin ich mir noch nicht sicher, was du da in meinem Bauch bist. Ich glaube, ja … das nennt man Angst. Ich weiß noch nicht, wie ich mich fühlen darf, obwohl ich nicht auf Regeln stehe, aber wer weiß, was alles passieren kann. Ich weiß, dass ich nicht daran denken soll, dass was passieren kann, aber wer sagt mir, dass die Frauen die mir das sagen, dass auch geschafft haben. Und wer sagt mir, wie sie das geschafft haben?

Ich habe genauso Angst, das hier aufzuschreiben, weil ich nicht weiß, auf was für Resonanzen ich stoßen werde. Bin ich jetzt schon eine „nicht so gute Mutter“, weil ich keine unendliche Freude für das Lebewesen in meinem Körper empfinden kann? Weil diese Freude einen riesigen Schleier an Ungewissheit mit sich bringt. Bin ich ungeduldig und undankbar, dass ich zu meinem Bauch spreche und sage „wachs schneller, damit ich weiß, dass du sicher bist“. Vielleicht ist das alles, diese ganze Angst aber auch nur ein Ausdruck von Liebe?

Diese ganzen rhetorischen Fragen, meine Dozenten an der Uni hätten ihre Köpfe auf dem Tisch geschlagen. Aber was soll´s? Ich bin hier die Fragende. Ungewiss, was auf mich zukommt. Ich schreibe meine Gedanken für diesen imaginären Raum des Internets auf, in dem wir uns gerade befinden. Ich weiß nicht, wer dies liest und was Du dazu denkst, ob du mir meine Fragen beantworten kannst. Ich weiß auch nicht, ob es total egal ist ob ich in der 7. oder 8 SSW bin. Ich weiß nicht, ob es etwas bringt, wenn ich mit meinem Unterleib spreche und meinen Freund heulend meine Ängste vor den Kopf werfe. Ich weiß das alles nicht. Und deswegen bin ich hier in meiner kleinen Welt, die ich nun mit Euch teile. Der Wolke der Ungewissheit. Im Moment ist sie ganz weich und hellweiß mit einigen Löchern, man kann durch sie durch schauen, sie scheint nicht stabil zu sein, aber zu wachsen. Ich bin gespannt, wie diese Wolke bald aussehen wird. Nun werde ich mein Laptop weglegen, mich auf die Seite drehen (meine Brüste tun so weh, ich muss versuchen, dass sie die Matratze nicht berühren) meine Gedanken fassen und mich auf meine Wolke legen. Schlaft gut da draußen und träumt mit mir mit.

Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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