Ein Leben zu dritt – Was ist das?

Jeder weiß, dass Sex Babys macht. Da das irgendjemand mal erfunden hat, muss es so funktionieren. Ich konnte es nicht glauben und habe es probiert. Siehe da: es stimmt – ich bin schwanger. 

Es kam unerwartet und ungeplant (jaja, trotz Pille, aber das Thema lassen wir erstmal aus). Da es mir hormonell nicht gut ging, bin ich spontan zum Arzt gegangen. Ich hatte meine Pille 10 Tage vorher abgesetzt (wir wollten ohne Hormone weiter verhüten; Spoiler: hat sich erledigt) und dachte mein Körper wäre auf Entzug oder so etwas in der Art. Das der Arzt mir dann was von „Sie sind schwanger“ und „Kind des Himmels“ erzählt hat, habe ich in meinem kleinen fast Ohnmachtsanfall kaum mehr gehört. Ich dachte mir nur „Was um alles in der Welt bedeutet das?“. In meinem Kopf spielten meine Gedanken Karussell, das Ganze klang ungefähr so: „Nina, wie konnte das passieren? Was machst du mit einem Kind? Du und Dennis: Eltern? Wer soll das bezahlen? Was ist mit meinem Job? Was ist mit seinem Job? Was ist mit unserer gerade erst bezogenen 2-Zimmer-Wohnung? Was ist mit dem halben Jahr Australien nächstes Jahr? Was ist mit den Gesprächen und Lachanfällen, die wir in der Nacht führen? Den Flaschen guten und auch mal schlechten Rotwein, die wir Abends tranken um uns dann schnulzige Sachen zu sagen? Mit Sex, wann wir wollen? Mit der Liebe – geht die zwischen uns verloren?“. Innerhalb der ersten 2 Minuten fragte ich mich diese Dinge immer und immer wieder. Ich höre dem Arzt gar nicht zu bei seinem Monolog von „Frau Kämpf, vielleicht ist es ja der richtige Zeitpunkt. Wieso denn nicht?“ – blablabla. Ja, vielleicht ist es der richtige Zeitpunkt, vielleicht aber auch nicht. Dieser Moment war, das kann ich sagen, einer der wenigen Momente in meinem Leben, in dem ich nicht wusste, was ich tun sollte.

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Nina, es ist doch toll, ein Wunder wächst in dir heran

Die nächsten Stunden verliefen voller Angst uns Freude. Denn der Engel in meinem Kopf (vielleicht war es aber auch mein Unterleib) versuchte andauernd meine Ängste zu verdrängen, meine beiden besten Freundinnen stärkten ihn. Also ging es weiter mit „Nina, es ist doch toll, ein Wunder wächst in dir heran. Du wirst Mama, das was du dir für dein Leben am meisten gewünscht hast. Du hast den für dich tollsten Menschen der Welt an deiner Seite, es kann nur gut werden. Ihr habt beide einen Job, den ihr trotz Baby weiter ausführen könnt. Und das Allerwichtigste: du und Dennis, ihr werdet liebende, großartige Eltern werden – vertrau dir selber.“ Amen!

Statt Gin Tonic – Ingwertee

Dennis war 500 km weit weg und sollte erst den Tag danach nach Hause kommen. Ich in meiner liebsten Bar – statt Gin Tonic – Ingwertee in der Hand. Also versuchte ich mich zu beruhigen. Ich versprach meinen Mädchen einen kühlen Kopf zu bewahren und darüber nachzudenken, wie ich weiter vorgehen möchte. Apropros ein kurzer Einwand: Eine Abtreibung war von Anfang an kein Thema!

Ich fuhr nach Hause und fiel erschlagen ins Bett, mein Kopf voll mit Fragen ohne Antworten, mit einem komischen Gefühl im Bauch, einem „Nina, da scheint etwas in dir drin zu sein“ und einem mulmigen Gedanken an den nächsten Tag – wie sage ich es Dennis? Wie wird er reagieren?

Ich hoffte auf ein paar Stunden Schlaf und einem freien Kopf am nächsten Tag mit einem Gefühl – ich hoffte auf ein schönes Gefühl. Das blieb aber leider aus. Was folgte war eine schlaflose Nacht, Kotze am Morgen und Augenrändern bis in die Kniekehlen … Dass diese Symptome zur Hälfte der Schwangerschaft, zur anderen Hälfte aber ganz bestimmt auch die Angst es dem werdenden Vaters zu sagen, war mir bewusst, machten die Sache aber auch nicht besser.

Der Tag verging ungefähr so, wie das warten auf seine Pizza, die im Backofen vor sich hin blubbert (wenn man ganz doll Hunger hat!) – also gar nicht! Abends dann, hörte ich den Schlüssel rascheln und Dennis stand mit Blumen in der Tür, rief voller Freude: „Schatz ich bin Zuhause!“. Für ihn der schönste Moment des Tages, für mich kaum wahrgenommen, da mein Herz zu schnell pumpte, als dass mein Körper es vertragen konnte. Mit einer innigen Umarmung, Schluchzen und einem Kommando mir auf unser Sofa zu folgen, da ich etwas zu sagen habe, folgte Dennis mir.

Da wusste ich: Alles wird gut!

Im Nachhinein schäme ich mich etwas für meine folgende Formulierung. Denn durch mein Heulen, der Angst in meiner Stimme und der dramatischen Begrüßung, dachte Dennis, dass ich vielleicht keine Lust mehr auf ihn hätte oder irgend so ein anderen Quatsch. Dass dann aber die Wörter „Ich bin schwanger“ aus meinem Mund kamen, damit hätte er nicht gerechnet. Beim Aussprechen sind mir schon mindestens 5 Kilo Steine vom Herzen gefallen. Als ich dann vorsichtig in sein Gesicht geschaut habe, noch mal mindestens 50 Kilo Steine. Denn seine Mundwinkel gingen nach oben, er nahm mich in den Arm und freute sich. Er hielt mich fest, machte meine Ängste zu Staub und schloss mich einfach ganz fest in sein Herz. Da wusste ich: Alles wird gut!

Und jetzt wirklich: Amen.

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Autor: mamaaempf

Mama aempf ist ein Mamablog aus Hamburg. Mama Nina schüttet ihr Herz aus und berichtet von echten Problemen und süßer Freude.

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